Mitglieder der weißen Rose
Logo der Weiße Rose Stiftung e.V. mit Link zur Startseite
Weiße Rose Stiftung e.V.
english english english english
Aktuelles und Veranstaltungen
Widerstandsgruppe Weiße Rose
Weiße Rose Stiftung e.V.
DenkStätte Weiße Rose
Führungen und Seminare
Pädagogisches Material
Projekte
Ausstellungsverleih
Rahmenprogramm Ausstellung
Ausstellung Willi Graf
Ausstellung Prof. Kurt Huber
Ausstellung Traute Lafrenz
Ausstellung Hans Leipelt
Ausstellung Onkel Emil
Ausstellung Christoph Probst
Ausstellung Alexander Schmorell
Ausstellung Hans Scholl
Internationaler Verleih
Presse
Literatur
Links
Newsletter / RSS
Freunde und Förderer
Kontakt
Impressum

Netzwerk Weiße Rose


"Wir bitten Sie, dieses Blatt mit mglichst vielen Durchschlgen abzuschreiben und weiterzuverteilen!"

I. Flugblatt

Wanderausstellungen / Hans Leipelt

Eine Familie wird zerstrt

Wer als Jude zu gelten hat, legen 1935 die Nrnberger Gesetze fest: Jude ist, wer mindestens drei jdische Groeltern hat. Personen mit einem jdischen Elternteil oder zwei jdischen Groeltern gelten als Mischlinge ersten Grades oder Halbjuden.

Durch die Nrnberger Gesetze gilt die Mutter von Hans Leipelt obwohl, wie schon ihre Eltern Hermine und Arnold Baron, evangelisch getauft als Volljdin, da ihre Eltern als gebrtige Juden eingestuft werden. Ihre Ehe mit Konrad Leipelt gilt nun als privilegierte Mischehe. Hans Leipelt und seine Schwester Maria werden zu Halbjuden jdischen Mischlingen ersten Grades abgestempelt.

Auch wenn Hans whrend der ganzen Zeit unserer Freundschaft wenig darber sprach, so sprte ich doch von Anfang an eine groe Verletztheit, die vor allem daher rhrte, dass er als sogenannter Halbjude (...) zunehmend den Demtigungen und Diskriminierungen durch die nationalsozialistische Rassenpolitik ausgeliefert war. Er litt sehr darunter. Seine Stimmung schwankte stndig zwischen ohnmchtiger Wut und Aggressivitt (...). Seine mitunter lautstarken Wutausbrche ber das Regime konnte ich erst mit der Zeit als das deuten, was sie wirklich waren: Ausdruck einer tiefen Krnkung und einer ebenso tiefen Sehnsucht nach Geborgenheit.
Aus den Erinnerungen von Marie-Luise Schultze-Jahn, in: und ihr Geist lebt trotzdem weiter!, 2003

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 13. Mrz 1938 in Wien wird Otto Baron, der Onkel von Hans Leipelt, willkrlich von der Gestapo festgenommen. Als er im April 1938 Selbstmord begeht, fliehen die Groeltern in ihre frhere Heimatstadt Brnn in die Tschechoslowakei. Kurz nach der Flucht stirbt sein Grovater Arnold Baron. Seine Gromutter Hermine Baron und seine Cousine, die 15-jhrige Christine Baron, werden von den Eltern von Hans Leipelt in Hamburg aufgenommen.
Am 19. Juli 1942 wird die 75-jhrige Hermine Baron mit ber 700 Juden aus Hamburg nach Theresienstadt deportiert. Dort kommt sie am 22. Januar 1943 ums Leben.

Liebste Gretel! ich komme Dir heute Lebewohl sagen, denn morgen frh trete ich die groe Reise an. Es ist sehr berraschend gekommen u. Kaethe und der Witi haben riesig viel mit mir zu tun gehabt. Lebe wohl und la Dirs so gut gehen, wie ich es Dir von Herzen wnsche. Es ksst Dich vielmals. Deine Ami H.
Abschiedsbrief von Hermine Baron an ihre Schwiegertochter Gretel Baron, Juli 1942, Privatarchiv Klaus Mller

In einem geheimen Erlass werden jdische Mischlinge ersten Grades und jdisch Versippte ab April 1940 aus der Wehrmacht entlassen. Hans Leipelt wird am 29. August 1940 ausgeschlossen. Er empfindet den Ausschluss als Demtigung und Missachtung seiner militrischen Auszeichnungen, die er nach seinem Einsatz in Frankreich erhalten hatte.
Am 3. September 1940 schreibt sich Hans Leipelt an der Hamburger Universitt im Fach Chemie ein. Halbjdische Studenten werden nur noch mit Genehmigung des Reichserziehungsministeriums zugelassen. Schon im Sommersemester 1941 lsst er sich am 25. Juli vermutlich aufgrund antisemitischer Diskriminierungen wieder exmatrikulieren.
Am 23. September 1942 stirbt der Vater von Hans Leipelt pltzlich an einem Herzschlag. Nach seinem Tod sind Katharina Leipelt und ihre beiden Kinder den antisemitischen Verfolgungsmanahmen schutzlos ausgeliefert. Katharina Leipelt erhlt die Aufforderung, sich zur Zwangsarbeit bei einer Futtermittelfirma in der Moorburger Strae in Harburg zu melden. Maria Leipelt darf als Halbjdin keine ffentliche Schule mehr besuchen.

Ich bitte zu bedenken, da die gegen meine Familie mtterlicherseits, wie in geringerem Grade auch gegen meine Schwester und mich gerichteten Manahmen mir notwendigerweise als Unrecht erscheinen muten. Schon in der Schule habe ich unverdient mancherlei Miachtung und Benachteiligung erfahren mssen. Ich lie mich dadurch nicht anfechten, sondern tat im RAD beim Bau des Westwalls und im aktiven Wehrdienst, zu dem ich mich freiwillig gemeldet hatte, als auch in zwei Feldzgen meine Pflicht und mehr als das, wie meine Auszeichnungen beweisen. Da ich dann trotzdem aus der Wehrmacht entlassen wurde, empfand ich als schwere Zurcksetzung und als eine Krnkung meines Ehrgefhls; in gleicher Richtung machte sich geltend, da es eines besonderen Gesuchs bedurfte, mir die Hochschule zu ffnen, und da ich auch dann erleben mute, da ich von studentischen Stellen als Mensch zweiter Klasse behandelt wurde. (...) Die Diskriminierung meiner Mutter, die als Mensch wie als Staatsbrgerin untadelig dasteht (...) und deren Seelenadel in steter, aufopfernder Liebe und Frsorge fr die Ihren und schweigendem, starken Ertragen physischen und psychischen Leidens sich offenbarend, mein ganzes Leben erwrmt und erhellt hat; die Deportation meiner Gromutter, (...) das ber fast alle meine Verwandten hereinbrechende Unglck - Verlust der Stellung des Besitzes, der Wohnung und schlielich Deportation (...)
Auszug aus dem Gnadengesuch von Hans Leipelt, 29. Oktober 1944, Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde

Drucken
Zurück ...