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"Ich gehe Euch jetzt einen Sprung voraus, um Euch einen herrlichen Empfang zu bereiten."

C. Probst, Brief an die Mutter vor der Hinrichtung

Wanderausstellungen / Hans Leipelt

... und ihr Geist lebt trotzdem weiter!

Marie-Luise Jahn wird am 29. April 1945 von amerikanischen Truppen aus dem Zuchthaus Aichach befreit.

Ende 1946 beginnt sie in Tbingen Medizin zu studieren. Nach der Promotion und Ausbildung zur Fachrztin fr Innere Medizin fhrt sie bis 1988 eine Arztpraxis in Bad Tlz.
ber 40 Jahre schweigt Marie-Luise Schultze-
Jahn ber ihre traumatischen Erlebnisse in der NS-Zeit. In ihrer Familie gilt sie als Vaterlandsverrterin. Erst Mitte der 1980er Jahre beginnt sie, an ihren Freund Hans Leipelt in Vortrgen und Zeitzeugengesprchen ffentlich zu erinnern. Gemeinsam mit Maria Leipelt Bade setzt sie sich dafr ein, dass die Namen von Hans Leipelt und weiteren 94 Opfern der NS-Justiz auf dem Sammelgrab des Mnchner Friedhofs am Perlacher Forst zu lesen sind.
Marie-Luise Schultze-Jahn ist 1987 Grndungsmitglied der Weie Rose Stiftung e.V. und 2003 des Weisse Rose Instituts e.V. Ihre Erinnerungen an Hans Leipelt verffentlicht sie im gleichen Jahr unter dem Titel und ihr Geist lebt trotzdem weiter!
Marie-Luise Schultze-Jahn stirbt 2010.

Als tiefer persnlicher Eindruck ist mir das Verhalten des jungen Leipelt bei jener Hauptverhandlung des Volksgerichtshofes geblieben, nmlich, dass Leipelt mich in einer persnlichen Rcksprache auf dem Gang des Gerichtsgebudes, die wir trotz der damaligen Gestapoberwachung organisieren konnten, beschworen hat, unter allen Umstnden zu versuchen, Ihnen zu helfen, und, wenn es irgend ginge, ihn zu belasten. Als ich mich weigerte, dies zu tun, forderte er, ihm per Handschlag dies zu versprechen, welchem Drngen ich schlielich nachgegeben habe. Diese, fr einen jungen Mann menschliche Gre in dieser Situation, ist mir immer, obwohl ich Leipelt nicht kannte, und zum ersten Mal in meinem Leben sah, im Gedchtnis geblieben.
Aus dem Brief des Rechtsanwalts Dr. Friedrich Kartini an Marie-Luise Jahn, 1972, Privatbesitz

Maria Leipelt ist 17 Jahre alt, als sie am 9. November 1943 verhaftet wird. Am 23. Februar 1945 wird sie im Prozess gegen den Hauptangeklagten Karl Ludwig Schneider vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt. Wenige Tage vor der Gerichtsverhandlung wird sie am 14. April 1945 im Frauengefngnis Bayreuth von amerikanischen Truppen befreit. Sie ist die einzige berlebende ihrer Familie.
1946 emigriert Maria Leipelt in die USA und heiratet den Physiker William Bade. Sie bekommt einen Sohn und spter drei Enkel. Als international angesehene Professorin fr Biochemie unterrichtet sie an verschiedenen Universitten.
Im Alter von 82 Jahren stirbt Maria Leipelt Bade 2005 in den USA.

Liebes Schwesterchen, (...) gerade im Moment, sozusagen, habe ich eine Karte (bzw. Brief) an Dich losgelassen, die erste an die Adresse in Cottbus, wie ich erst in der letzten Woche erfuhr - und heute findet meine Hinrichtung statt. Ich wei, was Dir diese Nachricht - wenn Du sie unter den heutigen Verkehrsumstnden und bei der gegenwrtigen Kriegslage berhaupt erhltst - fr groen Schmerz bereiten wird. Sie lsst Dich die vllige Hilflosigkeit und Verlassenheit Deiner gegenwrtigen Lage umso strker empfinden, da Dir nun der letzte Dir wirklich nahestehende Mensch genommen wird, der - wenn auch jetzt ebenso hilflos wie Du - Dir doch nach dem Krieg jede Hilfe htte zuteil werden lassen, die in seiner Macht gestanden htte, durch ein Leben voll unaufhrlicher Liebe und nach Mglichkeit einen Teil dessen wiedergutzumachen, was Du durch ihn und seinetwegen hast erdulden mssen.
Ausschnitt aus dem Brief von Hans Leipelt an Maria Leipelt, 29. Januar 1945
Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde

Karl Ludwig Schneider wird nach 18 Monaten Haft am 12. April 1945 von amerikanischen Truppen aus dem Gefngnis in Stendal befreit.
Bereits am 15. Mai 1945 gehrt Schneider zu den Mitbegrndern des Zentralausschusses der Hamburger Studenten und erhlt am 6. Mai 1946 die Lizenzurkunde fr die Kulturzeitschrift Hamburger Akademische Rundschau. Nach Studienaufenthalten im Ausland promoviert er ber expressionistische Dichtung und bernimmt 1960 eine Professur fr Deutsche Philologie und Literaturwissenschaft an der Universitt Hamburg. Seine Forschungen und Editionen zum literarischen Expressionismus werden international wegweisend.
Karl Ludwig Schneider stirbt 1981.

Falsch wre es darum auch, die Bedeutung dieser Rebellion an ihrem Erfolg messen zu wollen, denn der war gewi denkbar gering, schon weil sie sich den Polizeiorganen des Staates durch Demonstrationen (...) auslieferten, bevor sie ihm berhaupt ernsthaft schaden konnten. Es war ihnen eine Gewissensfrage, ob sie sich gegenber einem Staate, der die elementaren Rechte des Menschen in einem so ungeheuerlichen Ausmae verletzt hatte, passiv oder aktiv verhalten sollten.
Auszug aus dem Artikel Zum Mnchner Studentenaufstand von Karl Ludwig Schneider, Hamburger Akademische Rundschau, 1946/47

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