Mitglieder der weißen Rose
Logo der Weiße Rose Stiftung e.V. mit Link zur Startseite
Weiße Rose Stiftung e.V.
english english english english
Aktuelles und Veranstaltungen
Widerstandsgruppe Weiße Rose
Weiße Rose Stiftung e.V.
DenkStätte Weiße Rose
Führungen und Seminare
Pädagogisches Material
Projekte
Ausstellungsverleih
Rahmenprogramm Ausstellung
Ausstellung Willi Graf
Ausstellung Prof. Kurt Huber
Ausstellung Traute Lafrenz
Ausstellung Hans Leipelt
Ausstellung Onkel Emil
Ausstellung Christoph Probst
Ausstellung Alexander Schmorell
Ausstellung Hans Scholl
Internationaler Verleih
Presse
Literatur
Links
Newsletter / RSS
Freunde und Förderer
Kontakt
Impressum

Netzwerk Weiße Rose


"Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlngern!(...) Entscheidet Euch, eh' es zu spt ist!"

V. Flugblatt, 1943

Wanderausstellungen / Hans Leipelt

Verhaftung und Prozess

Hans Leipelt wird am 8. Oktober 1943 in Mnchen verhaftet, am 18. Oktober wird Marie-Luise Jahn am Chemischen Institut festgenommen. Beide werden in der Gestapo-Zentrale im Wittelsbacher Palais verhrt und im Februar 1944 im Gefngnis Mnchen-Stadelheim inhaftiert.

Dort sind Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn monatelang voneinander getrennt. Nur ber den Gefngnisgeistlichen Karl Alt knnen sie untereinander Nachrichten austauschen.
Katharina Leipelt versucht vergeblich, ihren verhafteten Sohn im Gefngnis zu besuchen. Zurck in Hamburg wird sie am 7. Dezember 1943 verhaftet. Zwei Tage spter kommt sie in ihrer Zelle im Polizeigefngnis Hamburg-Fuhlsbttel unter ungeklrten Umstnden zu Tode. Auch ihre Tochter Maria Leipelt war bereits am 9. November 1943 verhaftet worden. Hans Leipelt erreicht die Nachricht des Todes seiner Mutter in der Untersuchungshaft.
In Hamburg werden ber 35 Sympathisanten der Weien Rose festgenommen, im Polizeigefngnis Hamburg-Fuhlsbttel brutal verhrt und teilweise vor dem Volksgerichtshof noch kurz vor Kriegsende angeklagt. Neun der Inhaftierten begehen Selbstmord, werden ermordet oder sterben an den Folgen der Haft.

Bei den Verhren im Wittelsbacher Palais tat ich zunchst vllig ahnungslos. Ich wollte auf gar keinen Fall irgendetwas oder irgendjemanden preisgeben. Auf der anderen Seite wusste ich nicht, ob die Gestapo schon etwas herausbekommen und ob sie aus Hans Namen und Handlungen herausgepresst hatte. Eines Tages lag auf dem Tisch des verhrenden Beamten ein verschliebares Kstchen, mir wohl bekannt, mit einem rosa oder roten Seidenband umbunden: Meine Briefe an Hans, die ich whrend der Sommerferien von zu Hause aus geschrieben hatte und die sehr regimekritisch waren. Nun lagen sie als Zeugnis meiner Gesinnung vor mir auf dem Tisch des Gestapobeamten. Ich begriff. Leugnen hatte keinen Zweck mehr.
Aus den Erinnerungen von Marie-Luise Schultze-Jahn, in: und ihr Geist lebt trotzdem weiter!, 2003

Um ffentliches Aufsehen zu vermeiden, findet der Prozess vor dem Volksgerichtshof nicht im Mnchner Justizpalast, sondern am 13. Oktober 1944 im Amtsgericht Donauwrth statt. Neun Personen werden insgesamt angeklagt, gegen sieben wird im zehnstndigen Prozess verhandelt. Fr Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn wird wegen Vorbereitung zum Hochverrat die Todesstrafe beantragt.
Hans Leipelt bittet in einer Verhandlungspause Dr. Friedrich Kartini, den Wahlverteidiger von Marie-Luise Jahn, ihn verstrkt zu belasten, um seiner Freundin das Leben zu retten. Die Strategie gelingt. Die geforderte Todesstrafe fr Marie-Luise Jahn wird wegen Beihilfe zu den Verbrechen des Leipelt in 12 Jahre Zuchthaus umgewandelt. Hans Leipelt wird wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegnstigung zum Tode verurteilt.
Wolfgang Erlenbach und Valentin Freise erhalten Gefngnisstrafen, ebenso Hedwig Schulz, eine Freundin von Hans Leipelt. Lieselotte Dreyfeldt und der Angestellte Dr. phil. Franz Treppesch werden freigesprochen. Gegen zwei Angeklagte wird in Donauwrth nicht verhandelt: Die Chemiestudentin Mirjam David wird von Mai bis Oktober 1944 im KZ Ravensbrck inhaftiert und in Berlin am 12. Dezember 1944 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ernst Holzer ist bis Kriegsende im KZ Buchenwald.
Prof. Heinrich Wieland, der in der Gerichtsverhandlung fr seine Studenten als Entlastungszeuge auftritt, berichtet am nchsten Tag erschttert in seiner Vorlesung am Chemischen Institut ber den Prozess und die Urteile des Volksgerichtshofs.

Wie erwartet, lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft Antrag auf Todesstrafe fr Hans und mich. Obwohl ich darauf vorbereitet war, fiel ich in eine ungeheure Leere, als der Antrag gestellt wurde. Ich konnte mit niemandem Verbindung aufnehmen. Zu Hans konnte ich nicht schauen, weil ein groer Wachmann zwischen uns sa. Dann kamen die Pldoyers der Verteidiger. Hans hatte einen miserablen Pflichtverteidiger, der nichts zu seiner Entlastung sagte. Im Gegenteil. Und Hans schwieg. Ich hatte das Gefhl, er wollte nicht mehr. Mein Anwalt Dr. Kartini (...) stellte mich hingegen als ein arisches Mdchen dar, das von einem Juden verfhrt worden sei. Eine hchst primitive Argumentation. Aber mein Anwalt wusste, was das Gericht hren wollte, und die Richter glaubten ihm. Und ich habe nicht widersprochen. Ich wollte doch leben! Was ich damals nicht wusste: Hans hatte in einer Gerichtspause meinen Verteidiger sprechen knnen und ihn gebeten, er mge ihn belasten - er wusste wohl, dass es fr ihn keine Rettung mehr gab. (...) Nach der Urteilsverkndung sah ich Hans zum unwiderruflich letzten Mal vor seinem Rcktransport nach Stadelheim, dem Ort der Hinrichtung. Durch die Essensluke meiner Gefngniszelle hielten wir uns an eiskalten Hnden - kein Wort war mglich. Ich wei, dass ich dann auf meine Pritsche sank, aber nicht weinen konnte. Ich war vllig leer und ausgebrannt, was lange, lange so blieb.
Aus den Erinnerungen von Marie-Luise Schultze-Jahn, in: und ihr Geist lebt trotzdem weiter!, 2003

Das Gnadengesuch, das Hans Leipelt am 29. Oktober 1943 einreicht, wird vom Reichsjustizministerium am 3. November 1944 abgelehnt.
Am 29. Januar 1945 wird Hans Leipelt im Gefngnis Mnchen-Stadelheim hingerichtet.

Auf mehr als einhundert Einzelzetteln legte er seine Selbstbiographie und Lebensbeichte nieder, die er vor seiner Hinrichtung dem Anstaltspfarrer bergab. Leider sind diese (...) Dokumente bei einem Bombenangriff zerstrt worden.
Aus den Erinnerungen von Marie-Luise Schultze-Jahn, in: und ihr Geist lebt trotzdem weiter!, 2003

Drucken
Zurück ...