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Aber im Grunde kommt es ja nur darauf an, ob wir uns halten knnen in der Masse, die nach nichts anderem als nach Nutzen trachtet. Denen, um ihr Ziel zu erreichen, jedes Mittel recht ist.

Sophie Scholl, 29.5.1940

Wanderausstellungen / Hans Leipelt

Studium am Chemischen Institut Mnchen

Im Wintersemester 1941/42 setzt Hans Leipelt sein Studium am Chemischen Staatslaboratorium der Ludwig-Maximilians-Universitt in Mnchen fort.
Unter dem Institutsleiter und Nobelpreistrger Prof. Heinrich Wieland herrscht ein toleranter und ziviler Umgangston.

Nationalsozialistische Dozenten und Studenten sind in der Minderheit. Prof. Heinrich Wieland ignoriert die antisemitische Studienausgrenzung an seinem Institut. Halbjdische Studenten, die an vielen deutschen Universitten nicht mehr studieren drfen, werden von ihm auch ohne offizielle Erlaubnis aufgenommen.

Hier lehrte und forschte ein Nobelpreistrger (...) und prgte eine Atmosphre der Mitmenschlichkeit mit grter Selbstverstndlichkeit. Er hatte es sicher nicht leicht, aber das Institut war durch ihn zu einer Insel geworden eines inneren Widerstands gegen die Verfolgung unschuldiger, junger Menschen. Seine Sorge und Frsorge galt allen, deren Leben er durch diese schwersten Zeiten hindurch schtzen wollte mit seiner Person. Man half sich gegenseitig und wusste vieles vom anderen.
Aus einem Brief von Jutta Lauer, Kommilitonin von Hans Leipelt, an Klaus Mller, 10. November 1984
Privatarchiv Klaus Mller

Am Chemischen Staatslaboratorium lernt Hans Leipelt die Studentin Marie-Luise Jahn kennen. Am 28. Mai 1918 geboren, wchst sie auf dem elterlichen Gutshof in Ostpreuen auf. In der Reichspogromnacht 1938 wird sie Zeugin von gewaltsamen bergriffen auf jdische Geschftsinhaber in Berlin. Sie ist erschttert und stellt die NS-Politik zunehmend in Frage. Ihre Freundschaft zu Hans Leipelt beginnt mit langen Gesprchen ber Literatur, Kunst und Musik.
Ab Mai 1942 sind auereheliche Beziehungen jdischer Mischlinge zu deutschbltigen Frauen und Mdchen strafbar. Unter Androhung polizeilicher Manahmen knnen Betroffene gezwungen werden, diese Beziehung abzubrechen. Marie-Luise Jahn wird beim NS-Studentenfhrer denunziert, da sie als deutsches Mdchen mit einem nichtarischen Studenten befreundet sei. Doch sie lsst sich ihre Liebe nicht verbieten.
Zu ihrem gemeinsamen Freundeskreis am Chemischen Staatslaboratorium gehren Lieselotte Dreyfeldt, Franz Treppesch und die halbjdischen Chemiestudenten Wolfgang Erlenbach, Valentin Freise, Mirjam David und Ernst Holzer. Sie diskutieren ber verbotene Bcher, hren Feindsender ab und treffen sich in der Knstlerkneipe Alter Simpel in Schwabing.

Hans und ich zeigten auch nach auen hin unsere Freundschaft. Oft gingen wir wie selbstverstndlich untergermelt durch das Chemische Labor. Ich dachte dabei an nichts Unrechtes. Dieses offensichtliche Vertrauen missfiel jedoch einem regimetreuen Kollegen. Er denunzierte uns beim NS-Studentenfhrer Berg. Ich wurde schriftlich zu ihm beordert. Der Studentenfhrer, der mir sehr unsympathisch war, hielt mir eine Standpauke und warf mir vor, wie ich dazu kme, als deutsches Mdchen, dessen Vater und Bruder an der Front kmpften, mit einem nichtarischen Studenten befreundet zu sein. Ich erwiderte ihm, dass Hans in Polen und Frankreich gekmpft habe und dafr sogar ausgezeichnet worden sei. Bis er dann mit dem Vermerk nicht mehr wehrwrdig aus der Wehrmacht ausgeschlossen worden war. Berg sagte nichts mehr. Er entlie mich und es kam zu keinen weiteren Beschimpfungen mehr. (...) Wie ich erst nach 1945 erfuhr, hatte Professor Wieland von der Denunziation erfahren. Er lie den Studenten zu sich kommen und muss ihn gehrig heruntergeputzt haben. Daraufhin verhielt sich der Student wahrscheinlich nur aus Sorge, sein Studium bei Professor Wieland nicht zu gefhrden ruhig.
Aus den Erinnerungen von Marie-Luise Schultze-Jahn, in: und ihr Geist lebt trotzdem weiter!, 2003

In Mnchen wohnt Hans Leipelt in wechselnder Untermiete, unter anderem ab 19. September 1943 bei Max Stefl, einem frhen Regimegegner. 1933 war Max Stefl wegen Beleidigung des Fhrers angezeigt und 1934 wegen politischer Unzuverlssigkeit bei der Bayerischen Staatsbibliothek entlassen worden. Im Zuge der Ermittlungen gegen den Widerstandskreis Weie Rose wird er ab 11. Februar 1943 berwacht wird.
Im September 1943 wird eine Huserzeile in der Ohmstrae, in der Marie-Luise Jahn und Hans Leipelt kurzzeitig in unmittelbarer Nachbarschaft wohnen, durch einen Bombenangriff zerstrt. Im Zimmer von Marie-Luise Jahn bleiben nur Koffergrammophon, Jazzplatten und Bcher unversehrt.

Hans hatte groe Beziehung zur Satire, vor allem politischer Satire und konnte viel Gedichte und Texte auswendig. Tucholsky, Kstner, Brecht u.a., aber auch Heine. Hans hatte groen Zugang zur Psychologie: Freud - Adler, und sprach viel ber das, was er bei ihnen gelesen hatte.
Aus einem Brief von Jutta Lauer, Kommilitonin von Hans Leipelt, an Klaus Mller, 10. November 1984
Privatarchiv Klaus Mller

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