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"Wir wollen nicht in Sklavenketten unser kurzes Leben dahinfristen, und wren es goldene Ketten materiellen berflusses."

Kurt Huber vor dem Volksgerichtshof am 19.4.1943

Wanderausstellungen / Hans Leipelt

Familie und Jugend in Wien und Hamburg

Hans Konrad Leipelt wird am 18. Juli 1921 in Wien geboren. Sein Vater Konrad Leipelt stammt aus Neisse a. d. Oder, damals Preuen, und ist Diplomingenieur. Seine Mutter Katharina Leipelt, geborene Baron, promovierte 1917 im Alter von 25 Jahren an der Universitt Wien in Chemie.
1923 zieht die Familie nach Hamburg.

Konrad Leipelt arbeitet hier zunchst bei der Norddeutschen Affinerie, einem bedeutenden Kupferproduzenten, spter ist er Technischer Direktor der Zinnwerke Wilhelmsburg.
1925 wird seine Schwester Maria Leipelt in Hamburg geboren. Die Eltern legen groen Wert auf Weltoffenheit und eine gute Bildung. Sie erziehen ihre Kinder im evangelischen Glauben. Hans Leipelt wird am 7. April 1935 in der Dreifaltigkeitskirche in Hamburg-Harburg konfirmiert, Maria 1940 in der Emmauskirche in Wilhelmsburg. Beide Kinder sind sehr musikalisch. Hans Leipelt spielt Klavier und Akkordeon, seine Schwester Geige.
Ab 1932 lebt die Familie auf einem idyllischen Anwesen in der Vogteistrae 23 im lndlichen Rnneburg am Stadtrand. 1937 zieht sie nach Wilhelmsburg in die Mannesallee.

Hans Leipelt macht am 19. Mrz 1938 mit 16 Jahren Abitur. Bereits am 5. April beginnt er mit dem verpflichtenden Reichsarbeitsdienst. Mit seiner Abteilung wird er fr den Bau der Bunkeranlagen
und Panzersperren entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches eingesetzt und mit dem Westwallabzeichen ausgezeichnet.
Im November 1938 wird Hans Leipelt zum motorisierten Infanterie-Regiment 69 in Hamburg-Wandsbek eingezogen. Am 1. September 1939 wird er beim militrischen berfall auf Polen und 1940 an der Front in Frankreich eingesetzt. Er erhlt das Eiserne Kreuz 2. Klasse und als besondere Tapferkeitsauszeichnung das Panzerkampfabzeichen in Bronze.
Whrend der Kmpfe um das Dorf Estre Denicourt lernt Hans Leipelt in einem Schtzengraben den zwei Jahre lteren Soldaten Karl Ludwig Schneider aus Hamburg kennen. Eine enge Freundschaft beginnt.

Ich liege mit Hans Leipelt, einem netten Kerl, in einem Loch. Wenige Meter vor uns schlagen mit nervenzerreiender Detonation Granaten ein. Wir klammern uns aneinander und pressen die Gesichter in den Sand. Pltzlich fhle ich einen Schlag und einen stechenden Schmerz in der Hfte. Hans Leipelt dreht mich vorsichtig herum und greift mir unter den Rock um zu sehen, ob ich blute. Ein wenig Blut sickert langsam in meine Wsche. Als das Feuer nachlsst strzen wir uns auf die Krder und jagen zum Verbandsplatz. 4 Mann von uns hatten Splitter abgekriegt. Wenige Schritte vor unserem Loch war ein Blindgnger reingegangen. Ich habe einen kleinen Splitter in der Hfte, kann aber bei der Truppe bleiben. (...) Estre brennt wie eine Fackel. Dichte Rauchschwaden steigen zum abendlichen Himmel auf Wie grausam ist es, dass dieses Land zum 2. Mal in 25 Jahren vom Krieg verwstet wird (...)
Aus dem Kriegstagebuch von Karl Ludwig Schneider, 5. Juni 1940, Privatbesitz Nina Schneider

Hans Leipelt und Karl Ludwig Schneider verbindet eine groe Vorliebe fr verbotene expressionistische Literatur und Jazz. In satirischen Texten bringen sie mit bissigem Humor ihre Abneigung gegen den Nationalsozialismus zum Ausdruck. So erinnert sich eine gemeinsame Freundin, die Musikstudentin Dorothea Zill, an einen Abend, an dem jeder an einer Wscheleine aufhngte, was ihm am NS-Staat nicht gefiel, zum Beispiel den Vlkischen Beobachter. Im Freundeskreis wird musiziert, Theater gespielt und ber das politische Zeitgeschehen gesprochen. Fr Karl Ludwig Schneider wird dieser gleichgesinnte Freundeskreis eine Lebensinsel.

Ich glaube, alle schpferischen Menschen haben danach (nach einer Lebensinsel) gesprt, bewusst oder unbewusst, und durch ihre Worte klingt die Sehnsucht nach diesen Inseln, oft auch das Frohlocken darber, sie gefunden zu haben (...). Die Stille auf jenen Inseln aber erweckt daher ein Gefhl grsserer Sicherheit und Geborgenheit, und es stellt sich jenes spontane, offene und misstrauenslose Verhltnis zum Leben wieder her, das uns nur als Kinde eigen war, und das damals auf der Unkenntnis der wirklichen Gefahren, die dem Leben drohen, beruhte. (...) Auf alle diese Dinge mag es also zurckzufhren sein, dass sich nur auf diesen Inseln die inneren Schatzkammern ffnen, die sich in den Jahren des Suchens, Irrens und Forschens mit vielen klingenden, glitzernden Kostbarkeiten bis zum berma gefllt haben. (...) es stellt sich das innere Gleichgewicht her, ohne das zu leben unmglich wre.
Auszug aus dem unverffentlichten Manuskript Die Lebensinseln von Karl Ludwig Schneider, Januar 1942
Privatbesitz Nina Schneider

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