Mitglieder der weißen Rose
Logo der Weiße Rose Stiftung e.V. mit Link zur Startseite
Weiße Rose Stiftung e.V.
english english english english
Aktuelles und Veranstaltungen
Widerstandsgruppe Weiße Rose
Weiße Rose Stiftung e.V.
DenkStätte Weiße Rose
Führungen und Seminare
Pädagogisches Material
Projekte
Ausstellungsverleih
Rahmenprogramm Ausstellung
Ausstellung Willi Graf
Ausstellung Prof. Kurt Huber
Ausstellung Traute Lafrenz
Ausstellung Hans Leipelt
Ausstellung Onkel Emil
Ausstellung Christoph Probst
Ausstellung Alexander Schmorell
Ausstellung Hans Scholl
Internationaler Verleih
Presse
Literatur
Links
Newsletter / RSS
Freunde und Förderer
Kontakt
Impressum

Netzwerk Weiße Rose


Andererseits war mir die Behandlung der von uns besetzten Gebiete und Vlker ein Greuel. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass nach diesen Methoden der Herrschaft eine friedliche Aufbauarbeit in Europa mglich sein wird.

Hans Scholl, Gestapo-Verrprotokoll, 20.2.1943

Wanderausstellungen / Hans Scholl

Ausweitung des Widerstands

Anfang November 1942 kehrt Hans Scholl aus Russland zurck. Nach einem dreiwchigen Urlaub nimmt er sein Studium in Mnchen wieder auf und zieht mit seiner Schwester Sophie Scholl zur Untermiete in die Franz-Josef-Str. 13.

Prof. Kurt Huber hat bereits im Sommer 1942 das erste und zweite Flugblatt der Weissen Rose erhalten. Nachdem sich Hans Scholl ihm gegenber als Autor bekannte, findet am 17. Dezember 1942 das erste Gesprch statt. Prof. Huber entscheidet sich zur Mitarbeit. Mitte Januar 1943 diskutiert er mit Scholl und Schmorell ihre Entwrfe fr das fnfte Flugblatt. Schmorells Entwurf lehnt er ab, zum Entwurf von Scholl schlgt er einige nderungen vor.

Schlielich entscheidet Scholl ber den Text des fnften Flugblatts mit dem Titel Aufruf an alle Deutsche! ohne weitere Absprache. Es wird am 20. Januar 1943 von Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf in der Franz-Josef-Str. 13 vervielfltigt.

Das fnfte Flugblatt wendet sich an die breite Bevlkerung und gipfelt in der von Prof. Kurt Huber formulierten Forderung nach den klassischen Freiheitsrechten: Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Brgers vor der Willkr verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.

Seit November 1942 besuchte ich die Vorlesungen des Herrn Prof. Huber, Kurt, wohnhaft in Grfelfing, die dieser in der Universitt Mnchen, philosophischer Fakultt hlt. Im Anschluss an eine Vorlesung war ich mir ber einen Punkt den er bei Leibnitz angeschnitten hatte, nicht ganz im klaren und habe ihn gebeten, mir eine umfassendere Erklrung zu geben, als er dies in der Vorlesung getan hatte. Es handelte sich um die Theodizee Leibnitzens und zwar war mir nicht klar, die Erklrung des Ursprungs des Bsen bezw. der Erbsnde bei Leibnitz. Die Antwort, die mir Prof. Huber darauf gegeben hat, habe ich nicht ganz verstanden; da Herr Prof. Huber sehr engen Kontakt mit seinen Schlern hat und diese von Zeit zu Zeit zu sich in seine Wohnung einld, hat er auch mich einmal kurz vor Weihnachten zu sich gebeten. Ich wurde in seiner Wohnung mit seiner Frau und seinen beiden Kindern bekannt gemacht und wir verbrachten bei einer Tasse Tee eine recht frhliche Stunde. (...) Was uns in unserer Unterhaltung am meisten beschftigt hat, war folgendes Thema: Wie kann aus dem Chaos des Spezialistentums unter den Wissenschaften eine neue Universitas entstehen? Die materialistische Naturwissenschaft der vergangenen hundert Jahre gengt uns heute nicht mehr. Es erhebt sich hinter allem Materialismus, der zweifellos gerade innerhalb der Naturwissenschaften seine Berechtigung hat, das Verlangen nach dem wahren Grund der Dinge. Es erhebt sich also die Forderung nach einer Metaphysik. Ich selbst sehe in der Medizin den gegebenen Weg diesen so dringenden Fragen nher zu kommen, weil sich hier in einem Gegenstande, nmlich im Menschen selbst Geist und Materie treffen. (...) Von meiner politischen Einstellung und Bettigung wusste Herr Prof. Huber bestimmt nichts.
Aus dem Gestapo-Verhrprotokoll von Hans Scholl, 20. Februar 1943, Bundesarchiv Berlin

Hans Scholl und Alexander Schmorell erfahren ber Lilo Frst-Ramdohr von der Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack in Berlin, gegen die die Gestapo bereits mit der Sonderkommission Rote Kapelle ermittelt.

Lilo Frst-Ramdohr ermglicht, dass Hans Scholl und Alexander Schmorell Falk Harnack, Bruder von Arvid Harnack, wahrscheinlich Mitte Januar 1943 in Chemnitz treffen. Hans Scholl mchte bei ihm Verbindungen zu anderen Widerstandskreisen aufnehmen. Falk Harnack erklrt sich bereit, seine Vettern Dietrich und Klaus Bonhoeffer, die Kontakte zu kirchlichen und militrischen Widerstandskreisen haben, ber die Flugbltter der Mnchner Studenten zu informieren.

Am 8. und 11. Februar 1943 setzen Hans Scholl und Alexander Schmorell die Gesprche mit Falk Harnack in Mnchen fort. Beteiligt sind nun auch Willi Graf und Prof. Kurt Huber. Zwischen Harnack und Huber bestehen groe politische Differenzen. Entgegen der Warnung Hubers entscheidet sich Hans Scholl fr eine Zusammenarbeit mit Harnack.

Scholl, (...) fhrte das Gesprch auf prinzipielle politische Fragen. Vor allem wnschte er Verbindung zu den Zentralstellen der Widerstandsbewegung in Berlin, um die studentische Widerstandsorganisation auf eine breitere Basis stellen zu knnen. Sein Ziel war, an allen deutschen Universitten illegale studentische Zellen zu errichten, die schlagartig bereinstimmende Flugblattaktionen durchfhren sollten. Ich konnte die Zusicherung geben, die Verbindung mit Berlin herzustellen, war doch das Grundprinzip dieser Tage, einer breite antifaschistische Front aufzubauen, ausgehend vom linken (kommunistischen) Flgel ber die liberale Gruppe bis zu konservativen militrischen Opposition. (...) Nach der Konferenz fand noch eine kurze Besprechung zwischen Scholl, Schmorell und mir statt. Scholl berichtete, dass er in Krze eine neuerliche Aktion an der Universitt vorhabe und dann gleich nach Berlin zu kommen beabsichtige, um mit der Berliner Organisation persnlichen Kontakt aufzunehmen. Wir verabredeten uns fr den 25. Februar 1943 18 Uhr an der Gedchtniskirche, Ersatzzeit 19 Uhr. (...) Am 25. Februar war ich um 16 Uhr bei den Brdern Bonhoeffer, bermittelte ihnen den Mnchner Beschlu und legte mit ihnen fest, dass ich noch an diesem Abend mit Scholl zu ihnen kommen wrde. Um 18 Uhr stand ich an der Gedchtniskirche und wartete vergeblich auf Scholl.
Erinnerungen von Dr. Falk Harnack 1947 Gedenksttte Deutscher Widerstand Berlin

Im Dezember 1942 bittet Hans Scholl Christoph Probst um einen Flugblattentwurf. Ende Januar 1943 berreicht er ihn Hans Scholl. Auch Prof. Huber entwirft Anfang Februar 1943 auf Bitten von Hans Scholl ein Flugblatt. Er berreicht es ihm am 11. Februar im Anschluss an das Treffen mit Harnack.

Die Vorlage von Prof. Huber wird in einigen Passagen von Scholl und Schmorell gekrzt und mit der berschrift Kommilitoninnen! Kommilitonen! Mitte Februar 1943 in einer Auflage von 3000 Blatt an Mnchner Studenten verschickt. Der Entwurf fr ein siebtes Flugblatt von Probst kann nicht mehr verbreitet werden.

Am 18. Februar 1943 werden Hans und Sophie Scholl beim Auslegen der restlichen Kopien des sechsten Flugblatts im Lichthof der Mnchner Universitt verhaftet. Hans Scholl gelingt es nicht, den Flugblattentwurf von Christoph Probst in der Manteltasche unbemerkt zu zerreien. Christoph Probst wird am 19. Februar 1943 in Innsbruck verhaftet.

Drucken
Zurück ...