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Ich habe erfahren, da ein harter Geist ohne ein weiches Herz ebenso unfruchtbar sein mu wie ein weiches Herz ohne einen harten Geist. Ich glaube, dieser Satz stammt von Maritain.

Sophie Scholl, 1942

Wanderausstellungen / Traute Lafrenz

Mnchner Freundeskreis

1941 wechselt Traute Lafrenz an die Universitt Mnchen. Sie wohnt zur Untermiete in der Steinsdorfstrae 7 in der Nhe des Deutschen Museums. Bei einem Bachkonzert trifft sie im April 1941 zufllig Alexander Schmorell wieder. Er ist in Begleitung von Hans Scholl. Traute Lafrenz und Hans Scholl verlieben sich.

Nach ihrer Trennung Ende 1941 bleibt die Freundschaft bestehen. Traute Lafrenz ist auch mit der Familie von Hans Scholl eng befreundet.

Meine Freundin Ulla Claudius, die Musik studierte, und ich besuchten ein Konzert. Ich glaube, es war das Schneiderhan-Quartett, und hinter mir ging pltzlich die Sonne auf. Denn wenn Alex lachte, dann ging die Sonne auf. Ich drehte mich um, und da war er. Zusammen mit Hans Scholl.
Aus einem Interview mit Sibylle Bassler, 2006

Und ich bin mit Hans nach Ulm gefahren. Seine Geschwisterschar, die die selben Bcher lasen und sich zusammen unterhielten und sich Briefe schrieben, hat mich sehr beeindruckt.
Aus einem Interview mit Katrin Seybold, 2000


Im Sommer 1941 leistet Traute Lafrenz in einer Munitionsfabrik in Kraiburg am Inn Rstungsdienst. Aus Briefen an Hans Scholl spricht ihre Befrchtung, durch diese Arbeit am Krieg mit schuldig zu sein. Sie wehrt sich dagegen, sich an das Schreckliche zu gewhnen.
Die Zahl der Gleichgesinnten im Mnchner Freundeskreis wchst. Die Welt der Bcher gibt Halt und Inspiration. Ende 1942 werden auch ltere Regimegegner, Intellektuelle, Schriftsteller oder Philosophen zu den Leseabenden eingeladen.

Die Abende waren durchwegs literarisch, ohne feste Zielsetzung. Vielleicht mit einem betonten Geschichtsinteresse. Nur zum Schlu wurden meist die pol. Lage, die Ausweglosigkeit und Trostlosigkeit, mit der alles dem Untergang blind entgegentrieb, sowie evt. Nachrichten ber den Rckzug der Wehrmacht besprochen. (...) Besonders Hans knpfte immer wieder Beziehungen an zu Menschen, von denen er annehmen konnte, dass sie geistig und politisch unserer Richtung entsprechen mussten. So bekam man das Gefhl, als existiere ein breitgespanntes, vielmaschiges Netz Gleichdenkender und da wir immer nur mit diesen und nicht mit den vielen Andersdenkenden in Verbindung waren, negierte man die Vielen und baute auf die Wenigen und glaubte sich stark.
Aus dem Bericht von Traute Lafrenz, 1947
Archiv des Instituts fr Zeitgeschichte Mnchen-Berlin

Die Lektre von literarischen Werken, die eine moralische und ethische Kraft ausstrahlten und auch aussagten, das waren die Dinge, die uns beflgelt und gestrkt haben.
Aus einem Interview mit Katrin Seybold, 2000

Im vorigen Sommer etwa Mitte Juli hat mir Frl. Traute Lafrenz, Studentin der Medizin, (...) mit der ich gut bekannt bin, whrend einer Vorlesungspause in der Universitt ein Flugblatt mit der berschrift Flugbltter der Weissen Rose gegeben. Ich glaube mich auch erinnern zu knnen, dass mir die Lafrenz bei der bergabe dieser Druckschrift mitteilte, sie habe diese am gleichen Tage oder einige Tage vorher erhalten. Die Schrift wurde ihr in einem Briefumschlag durch die Post zugesandt. Als ich diese Flugschrift durchgelesen hatte, standen mein Bruder und meines Wissens auch der Student Hubert Furtwngler (ein Neffe des bekannten Dirigenten) aus dem Schwarzwald (...) neben mir und haben die Schrift ber meine Schulter hinweg mitgelesen. Mein Bruder hat weder durch Mienen, Gebrden oder Bemerkungen erkennen lassen, dass er mit dieser Schrift, d.h. mit der Herstellung und Verbreitung irgendetwas zu tun hatte. Noch whrend des Lesens habe ich an die umstehenden Personen die Frage gerichtet, was wohl die berschrift Die Weisse Rose zu bedeuten habe. Meines Wissens gab mein Bruder zur Antwort, dass seiner Erinnerung nach whrend der franz. Revolution die verbannten Adeligen eine weisse Rose als Symbol auf ihren Fahnen gefhrt htten.
Aus dem Verhrprotokoll von Sophie Scholl, 20. Februar 1943
Bundesarchiv Berlin


Im Juni und Juli 1942 rufen Hans Scholl und Alexander Schmorell die Mnchner Bevlkerung mit vier Flugblttern der Weien Rose zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf.
Jeweils 100 Kopien werden pro Flugblatt verschickt.
Auch Hans und Grethe Gmehling, die Vermieter von Traute Lafrenz und entschiedene Regimegegner, erhalten ein Flugblatt der Weien Rose mit der Post. Sie zeigen es Traute Lafrenz. Anhand einiger Textstellen erkennt Traute Lafrenz die Verfasser. In den ersten vier Flugblttern der Weien Rose werden Schriften zitiert, die sie aus ihrem Hamburger Lesekreis mit nach Mnchen gebracht hatte: Goethes Epimenides Erwachen, der Prediger Salomo, Schiller und Novalis.
Gleichzeitig vermutet Traute Lafrenz, dass hinter den Flugblttern eine grere Widerstandsbewegung stehe. In diesem Glauben lsst Hans Scholl sie, als er ihr gegenber seine Autorenschaft zugibt.

Der Inhalt der Flugbltter erschien mir sofort als Reflektion all unserer Gesprche. Ich entdeckte sofort die Literatur, die wir gelesen hatten, zum Beispiel von Schiller. Wir hatten ja viel ber Staatsbildung gesprochen und darber, wie ein richtiger Staat auszusehen hat. Wir haben Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon gelesen und ber Gut und Bse diskutiert, wie es sein sollte und was falsch ist. Was mich wirklich erschttert hat, war das Zitat von den Sprchen von Salomon, die Erna Stahl mit uns auswendig gelernt und im Sprechchor gesprochen hatte. Das war ein starker Hinweis, woher das kam.
Aus einem Interview mit Katrin Seybold, 2000

"Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne; und siehe, da waren Trnen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Trster; und die ihnen Unrecht taten, waren so mchtig, da sie keinen Trster haben konnten.
Da lobte ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr denn die Lebendigen, die noch das Leben hatten..." (Sprche)

Novalis: "Wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Positiven hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor... Wenn Europa wieder erwachen wollte, wenn ein Staat der Staaten, eine politische Wissenschaftslehre bevorstnde! Sollte etwa die Hierarchie... das Prinzip des Staatenvereins sein?... Es wird so lange Blut ber Europa strmen, bis die Nationen ihren frchterlichen Wahnsinn gewahr werden, der sie im Kreis herumtreibt, und von heiliger Musik getroffen und besnftigt zu ehemaligen Altren in bunter Vermischung treten, Werke des Friedens vornehmen und ein groes Friedensfest auf den rauchenden Walsttten mit heien Trnen gefeiert wird. Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und das Vlkerrecht sichern und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit sichtbar auf Erden in ihr friedenstiftendes Amt installieren."

Wir weisen ausdrcklich darauf hin, da die Weie Rose nicht im Solde einer auslndischen Macht steht. Obgleich wir wissen, da die nationalsozialistische Macht militrisch gebrochen werden mu, suchen wir eine Erneuerung des schwerverwundeten deutschen Geistes von innen her zu erreichen. Dieser Wiedergeburt mu aber die klare Erkenntnis aller Schuld, die das deutsche Volk auf sich geladen hat, und ein rcksichtsloser Kampf gegen Hitler und seine allzuvielen Helfershelfer, Parteimitglieder, Quislinge usw. vorausgehen. Mit aller Brutalitt mu die Kluft zwischen dem besseren Teil des Volkes und allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhngt, aufgerissen werden. Fr Hitler und seine Anhnger gibt es auf dieser Erde keine Strafe, die ihren Taten gerecht wre. Aber aus Liebe zu kommenden Generationen mu nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, da niemand auch nur die geringste Lust je verspren sollte, hnliches aufs neue zu versuchen. Verget auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf da keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheulichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wre! Zu Ihrer Beruhigung mchten wir noch hinzufgen, da die Adressen der Leser der Weien Rose nirgendwo schriftlich niedergelegt sind. Die Adressen sind willkrlich Adrebchern entnommen.

Wir schweigen nicht, wir sind Euer bses Gewissen; die Weie Rose lt Euch keine Ruhe!

Bitte vervielfltigen und weitersenden!

Rckseite der Flugbltter der Weissen Rose IV
Bundesarchiv Berlin

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