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"Sie sollen weitertragen, was wir begonnen haben."

Willi Graf Abschiedsbrief an seine Schwester 1943

Wanderausstellungen / Hans Scholl

Studium und Krieg

Nach der militrischen Grundausbildung lsst sich Hans Scholl fr die Zulassung zum Medizinstudium als Sanitter am Reservelazarett in Tbingen ausbilden. Im April 1939 beginnt er an der Universitt Mnchen mit dem Studium. Neben seinen naturwissenschaftlichen Pflichtfchern belegt er auch Vorlesungen in Philosophie.

An der medizinischen Fakultt und in der Studentenkompanie, in der die Medizinstudenten eingezogen werden, begegnen sich Gleichgesinnte. Ein Freundeskreis entsteht, der das Interesse an Konzerten, Malerei und Literatur teilt.

ber Hellmut Hartert lernt Hans Scholl Jrgen Wittenstein kennen, der bereits mit Alexander Schmorell und Christoph Probst befreundet ist.

Im Frhjahr 1941 findet der erste gemeinsame Leseabend im Hause Schmorell in Mnchen statt. In dieser Zeit lernt Scholl auch Traute Lafrenz kennen, im Juli 1942 Willi Graf. Sophie Scholl beginnt im Mai 1942 mit dem Studium der Philosophie und Biologie in Mnchen.

Meine lieben Eltern, Wenn ich meinen Kameraden erzhlen wrde, was ich alles belegt habe, wrden sie mich fr verrckt erklren. Mein Studium wird deshalb etwa 25 RM mehr kosten als das ihre; aber es lohnt sich unbedingt. Wissen ist Macht. Griechisch macht mir Spa; ich bin in vielen Vorlesungen der einzige Mediziner unter lauter Philosophen. Zu meinem Nietzsche-Studium sollte ich eigentlich Nietzsches Gesamtausgabe haben. (...) Auch irgendeine Platon-Ausgabe sollte ich besitzen. Man sollte so viel.
Aus einem Brief von Hans Scholl an seine Eltern, Mnchen, 17. April 1939

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs bleibt Scholl bis Frhjahr 1940 zum Studium zurckgestellt. Dann wird er ein halbes Jahr als Sanittsfeldwebel in Frankreich eingesetzt. In seinen Briefen an die Eltern spiegeln sich die ersten Kriegserfahrungen als Assistenzarzt, die Begegnungen mit der franzsischen Bevlkerung und sein groes Interesse an der wunderschnen franzsischen Sprache und Literatur. Er bersetzt Andr Gide, ist begeistert von Charles Beaudelaire und entdeckt Georges Bernanos und Francis Jammes, beide Autoren des Renouveau Catholique.

Im September 1940 nimmt Hans Scholl sein Studium in Mnchen wieder auf. Er wird der 2. Studentenkompanie zugeteilt. Mit Alexander Schmorell bereitet er sich gemeinsam auf das Physikum vor. Nach bestandener Prfung im Januar 1941 uert er eine Abneigung gegen alles Medizinische. Sein primres Interesse gelte der Philosophie.

Im Frhjahr 1941 beschftigt er sich mit der Religions-Philosophie von Alois Dempf, mit Guardinis Hlderlin-Darstellung, mit den Gedanken von Blaise Pascal, den Gedichten von Lon Bloy und den Werken der russischen Schriftsteller Dostojewski und Berdiajew. Er habe groe Sehnsucht nach einem geschlossenen Weltbild.

Meine lieben Eltern (...) Ich liege die meiste Zeit im hohen Gras. Ich bersetze ein ausgezeichnetes Buch von Andr Gide. Macht mir keine Vorwrfe, dass ich nichts anderes arbeite. Aber es ist gerade in diesen Tagen ausgeschlossen. Ich kann nicht so nchtern sein, beim Anblick dieses Elends. (...) Es ist gut, dass ich mich immer beschftigen kann. Leere Stunden kenne ich nicht, nur traurige. Ich will versuchen, so gut es geht, mich in dem franzsischen Geist zurechtzufinden und das franzsische Wesen verstehen zu lernen. Es ist nicht ganz einfach, da die Menschen sehr zurckhaltend sind.
Aus einem Brief von Hans Scholl an seine Eltern, O.U., 3. Juni 1940

Lieber Otl, (...) Prof. Muth hat sich schon einigemale nach Dir erkundigt. Ich glaube, er wartet sehr auf einen Brief von Dir. Gegenwrtig ist er krank, Bronchitis; die eigentliche Ursache der Krankheit jedoch liegt auf geistigem Gebiet, nehme ich an. Die Aktion gegen die Juden in Deutschland und den besetzten Gebieten hat ihm die Ruhe genommen. (...) Ich lege ein Buch von Berdjajew bei. Alles Gute! Dein Hans.
Aus einem Brief von Hans Scholl an Otl Aicher, Mnchen, 23. November 1941 Am 8. November 1941 beginnen die Deportationen der jdischen Bevlkerung aus Mnchen nach Kaunas, Piaski, Auschwitz und Theresienstadt.

Ende Oktober 1941 lernt Hans Scholl ber Otl Aicher den katholischen Religionsphilosophen Carl Muth kennen. Scholl bekommt die Aufgabe, die umfangreiche Privatbibliothek des Herausgebers der seit 1941 verbotenen katholischen Kulturzeitschrift Hochland zu ordnen.

ber Carl Muth lernt Scholl den katholischen Schriftsteller Theodor Haecker und den Professor fr Soziologie Alfred von Martin kennen, beide Autoren des Hochland. Auch die radikalen Gegner des Nationalsozialismus, der katholische Pfarrer und Hochlandautor Max Schwarz und der ehemalige Justizbeamte Josef Furtmeier, wie auch Werner Bergengruen, Sigismund von Radecki und Fedor Stepun werden wichtige Gesprchspartner.

In diesem Kreis von regimekritischen Intellektuellen begegnet Scholl dem Versuch, kritische Intellektualitt mit konsequentem Glauben zu verbinden. Sein christliches Weltbild festigt sich.

Hlt uns Gott fr Narren, da er uns die Welt vollendet schn im Glanze seiner Herrlichkeit erhellt, ihm zu Ehren? Und andererseits nur Raub und Mord? Was ist nun wahr? Soll man hingehen, ein kleines Haus bauen mit Blumen vor den Fenstern und einem Garten vor der Tr und dort Gott preisen und danken und der Welt mit ihrem Schmutz den Rcken kehren? Ist nicht Weltabgeschiedenheit Verrat, Flucht?
Aus einem Brief von Hans Scholl an Rose Ngele, Mnchen, 2. Mai 1941

10. 2. 1942
Liebe Elisabeth,
Neulich habe ich einen sehr bedeutenden russischen Philosophen kennengelernt, der zuletzt einen Lehrstuhl an der Universitt Breslau inne hatte, Fedor Stepun. Er ist einer von den Menschen, ein Geschichtsphilosoph, der so hoch ber der Zeit steht, in der ich whle und mich abmhe, da er sagt, es komme nur darauf an, dass das Wesentliche erhalten bleibe. Und dies bliebe uns unter allen Umstnde erhalten. Darin hat er recht. Sei herzlichst gegrt von Deinem Hans

Aus einem Brief von Hans Scholl an seine Schwester Elisabeth, Mnchen, 10. Februar 1942

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