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Seelenhrte ist das Abscheulichste unter den Menschen. Sie entspringt der letzten Lebensunfhigkeit und raubt dem Menschen das Eigentlich-Menschliche. Tapferkeit ist etwas ganz anderes.

Hans Scholl, 25.1.1942

Wanderausstellungen / Hans Scholl

Sanittsdienst in Ruland Sptsommer 1942

Am 23. Juli 1942 wird Hans Scholl mit Alexander Schmorell, Willi Graf und 26 weiteren Sanittsfeldwebeln von der Studentenkompanie Mnchen zur 252. Division an die Ostfront abkommandiert. Drei Tage spter kommen sie in Warschau an. Am 28. Juli fahren sie mit einem leeren Lazarettzug weiter nach Gschatsk bei Viasma. Den Monat August 1942 verbringen sie dort gemeinsam, dann werden Graf und Furtwngler dem Infanterieregiment 461 zugeteilt. Hans Scholl und Alexander Schmorell bleiben am Hauptverbandsplatz bei Gschatsk stationiert, 150 km vor Moskau.

Der direkt erlebte Kontrast zwischen Schnheit und Faszination der russischen Landschaft und Kultur und ihrer brutalen Zerstrung durch den Krieg radikalisiert Scholls pazifistische Haltung. Er fhrt Tagebuch. Erlebnisse eines systematischen Vernichtungskriegs gegen die Bevlkerung, der die deutsche Kriegsfhrung im Osten prgte, gibt es in seinen Aufzeichnungen nicht.

Und welche Pracht der Blumen blht an diesem Bahndamm! Als ob sie sich hier alle zusammengefunden htten, auf dass keine der Farben fehle, so blhen sie hier mit sanfter Gewalt berall, neben zerfallenen Husern, ausgebrannten Gterwagen, zerstrten Menschengesichtern. Blumen blhen und Kinder spielen ahnungslos zwischen den Trmmern. O, Gott der Liebe, hilf mir ber meine Zweifel hinweg. Ja, ich sehe die Schpfung, die dein Werk ist, die gut ist. Aber ich sehe auch das Werk der Menschen, unser Werk, das grausam ist und Zerstrung und Verzweiflung heit und das die Unschuldigen immer heimsucht. Erbarme dich dieser Kinder! Ist das Ma der Leiden noch nicht bald voll? Warum wird das Leid so einseitig ausgestreut?
Aus dem Tagebuch von Hans Scholl, Russland 31. Juli 1942

Alex ist seit einigen Tagen sehr krank. ber Nacht wurde er von einer Diphtherie befallen. Nun liegt er im Bett mit hohem Fieber. Hubert F. und Willi Graf mussten gestern die Stelle eines Truppenarztes vorne bei der Infanterie einnehmen. So bin ich gegenwrtig das berbleibsel unserer einstmals so stolzen fnften Kolonne. Aber trotzdem bin ich nie einsam. (...) Auerdem habe ich hier im Lager mit Kriegsgefangenen und einigen russischen Mdchen einen Chor zusammengestellt. Neulich haben wir die halbe Nacht durchtanzt, dass uns am nchsten Tag die Knochen schmerzten.
Werner sehe ich fast tglich. Vier Wochen werde ich auf alle Flle noch hier in Gschatsk bleiben und er auch. Am Anfang wurde Gschatsk jede Nacht von der russischen Artillerie beschossen, aber seit etwa acht Tagen hat auch dies aufgehrt.

Aus einem Brief von Hans Scholl an seine Eltern, Russland 2. September 1942

Am 3. August 1942 wird Robert Scholl vom Sondergericht Ulm wegen Heimtcke zu einer viermonatigen Haft verurteilt. Scholl wurde von seiner Sekretrin denunziert, als er bei einer Diskussion in seinem Bro Hitler eine groe Gottesgeiel nannte. Nach dem am 19. November 1942 verhngten Berufsverbot kann Robert Scholl nur noch als Buchhalter arbeiten. Sein Verdienst ist gering. Das Goethe Zitat Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten wird Leitspruch der Familie.

Die Nachricht von der Verhaftung des Vaters erreicht Hans Scholl in Russland. Ein Gnadengesuch zu unterschreiben, lehnt er zunchst ab.

In den Monaten an der russischen Front bekommt der russische Schriftsteller Dostojewski fr Hans Scholl eine besondere Bedeutung. In der religisen Dimension seiner Werke sucht er Antworten auf die fr ihn so wesentliche Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz.

Meine liebe Mutter!
Heute ist der Tag, an dem Vaters Haft beginnt. (...) Es werden fr Vater zunchst sehr harte Tage anbrechen, ich wei es nur zu gut; so bar jeder Verbindung mit der Umwelt, nur mit sich allein zu leben, in einem engen, grauen Raum. Aber er wird diese Zeit berstehen. Weil er stark ist, wird er noch strker aus der Gefangenschaft in die Freiheit treten. Ich glaube an die unermessliche Kraft des Leides. Das echte Leid ist wie ein Bad, aus dem der Mensch neu geboren hervorgeht. Alles Groe mu erst gelutert werden, ehe es die enge Brust eines Menschen verlassen und in die grere Welt hinaustreten darf. Wir wollen ihm nicht entrinnen, nicht bis an ihr Ende. Wird nicht Christus stndlich tausendfach gekreuzigt? Und werden die Bettler und Kranken nicht heute wie immer von allen Schwellen verstoen? Da die Menschen gerade das nicht sehen, was sie zu Menschen macht: die Hilflosigkeit, das Elend, die Armut. Uns beiden geht es immer recht gut. Ich strolche tagsber meist mit meinem Freunde Alex durch die unermesslichen Wlder, und abends sitzen wir bei russischen Bauern und trinken Tee oder Schnaps und singen. Heute haben wir eine Russen begraben. Er mu schon mehrere Wochen drauen gelegen haben. 100 m von unserem Bunker entfernt. Werner hat auch immer sehr viel mit Toten zu tun.
Bald mehr!
Viele Gre
Euer Hans
Herzlichen Gru
Ihr Alex

Brief von Hans Scholl an seine Mutter, Russland 24. August 1942


Lieber Otl, Hier erst habe ich endlich gelernt, mich selbst nicht mehr so unendlich wichtig zu nehmen, sondern die ziellose Reflexion umzustlpen und den Sinn nach auen, den Dingen zuzuwenden. Oft kriecht natrlich das alte Leid in meiner Seele empor, (...) aber Du kannst es mir glauben, das Beste wre, jetzt zu brechen und immer weiter ganz allein und bar jeglicher Habe nach Osten zu wandern, immer weiter, ber den Ural, quer durch Sibirien bis nach China, wenn, ja wenn ich nicht andererseits Europer wre und in dieser zwlften Stunde Europa nicht verlasen darf. Nur aus diesem Grund will ich wieder zurck nach Deutschland, auf dass ich dem Abendlande und das Abendland mir nicht verloren gehe. Hoffentlich verstehst Du, was ich sagen wollte und nicht sagen kann.
Viele Gre!
Dein Hans

Brief an Otl Aicher, Russland 8. Oktober 1942

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