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"Jeder Einzelne trgt die ganze Verantwortung. Fr uns aber ist es die Pflicht, dem Zweifel zu begegnen und irgendwann eine eindeutige Richtung einzuschlagen."

Willi Graf, 6. Juni 1942

Wanderausstellungen / Hans Scholl

Verhr und Prozess

Seit Anfang Februar 1943 ermittelt eine Gestapo Sonderkommission gegen die Urheber der Flugbltter. Kriminaltechnische und sprachwissenschaftliche Untersuchungen geben Hinweise, dass fr alle sechs Flugbltter dieselbe Schreibmaschine verwendet wurde. Die Autoren seien eindeutig Intellektuelle aus Mnchen und Umgebung. Grofahndungen bleiben jedoch ohne Ergebnis.

Am 17. Februar 1943 wird Hans Hirzel in Ulm denunziert und von der Gestapo verhrt. Noch am selben Tag wieder entlassen, bittet er die Familie Scholl, die Geschwister in Mnchen ber seine Vernehmung zu informieren. Inge Scholl benachrichtigt Otl Aicher in Mnchen. Statt an Hans Scholl die verschlsselte Warnung sofort weiterzuleiten, verabreden sie sich fr den nchsten Vormittag.

am abend, an dem ich mich bei muth in mnchen einfinde, werde ich telefonisch gebeten, hans eine mitteilung zukommen zu lassen. ich rufe hans an und verabrede mich mit ihm fr den nchsten tag um halb zwlf in seiner wohnung, franz-josef-strae 13. das stichwort, das ich zu bermitteln habe, heit: machtstaat und utopie. es ist der titel eines buches von gerhard ritter, das wir alle geschtzt hatten und das uns erlaubte, zwischen den zeilen mehr herauszuhren als geschrieben war. (...) der 18. februar war ein strahlend heller tag, als wre der winter vorbei. ich klingelte an der wohnung, ein doppelzimmer-appartment im hinterhof, in dem hans und sophie wohnten, aber es war niemand da. in der nahen leopoldstrae, (...), setzte ich mich auf eine bank zwischen den vielen schmalen, hohen pappeln, (...) die leute genossen die fhnig helle sonne im tiefblauen himmel und wagten den ersten ausgang aus den winterstuben. Eine halbe stunde spter ging ich wieder zur wohnung. diesmal ffneten zwei herren, GESTAPO. ich wurde zum wittelsbacher palais gebracht, wo sofort ein verhr begann. es drehte sich um hans und sophie, aber worum es im einzelnen ging, bekam ich nicht heraus.
Erinnerungen von Otl Aicher aus: Innenseiten des kriegs

Hans und Sophie Scholl werden nach ihrer Festnahme in der Mnchner Universitt am 18. Februar 1943 im Wittelsbacher Palais, Hauptquartier der Gestapo in Mnchen, inhaftiert und verhrt.

Nach der Vernehmung durch die Kriminalsekretre Ludwig Schmau und Anton Mahler legt Hans Scholl am 18. Februar 1943 ein erstes Gestndnis ab. Er allein habe das fnfte und sechste Flugblatt geschrieben, vervielfltigt, Ende Januar 1943 versandt und im Zentrum von Mnchen sowie im Stadtviertel Schwabing auf den Straen ausgelegt. Freunde htten ihm lediglich Briefumschlge beschafft. Schmorell sei in seinem Auftrag zur Verteilung der Flugbltter nach Salzburg, Linz und Wien gefahren, Sophie Scholl nach Augsburg und Stuttgart. Beide htten den Inhalt der Flugschriften jedoch nicht gekannt.

Am 20. Februar 1943 gesteht Hans Scholl, er habe mit Schablone und schwarzer Teerfarbe in der Nacht des 3. Februar 1943 die Inschrift Nieder mit Hitler an Fassaden der Mnchner Innenstadt angebracht. Freiheit schrieb er viermal rechts und links des Eingangs zur Universitt. Schmorell habe ihn dabei lediglich untersttzt. In der Nacht des 8. und 15. Februar 1943 htten beide die Aktion mit grner Lackfarbe wiederholt.

Schlielich gesteht Hans Scholl auch seine Autorenschaft der ersten vier Flugbltter der Weissen Rose. Bei weiteren Verhren am 21. Februar 1943 gelingt es ihm nicht mehr, die Mitwirkung von Alexander Schmorell an der Flugblattaktion im Sommer 1942 zu verschleiern.

Nachdem ich geglaubt hatte, dass die militrische Niederlage an der Ostfront und dem ungeheueren Anwachsen der militrischen Macht Englands und Amerikas eine siegreiche Beendigung des Krieges unsererseits unmglich sei, gelanget ich nach vielen qualvollen berlegungen zu der Ansicht, dass es nur noch ein Mittel zur Erhaltung der europischen Idee gebe, nmlich die Verkrzung des Krieges. Andererseits war mir die Behandlung der von uns besetzten Gebiete und Vlker ein Gruel. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass nach diesen Methoden der Herrschaft eine friedliche Aufbauarbeit in Europa mglich sein wird. Aus solchen Erwgungen heraus, wuchs in mir die Skepsis gegen diesen Staat und weil ich bestrebt sein wollte, als Staatsbrger dem Schicksal meines Staates nicht gleichgltig gegenber zu stehen, entschloss ich mich, nicht nur in Gedanken, sondern auch in der Tat meine Gesinnung zu zeigen. So kam ich auf die Idee, Flugbltter zu verfassen und zu verfertigen. (...) Als ich mich zur Herstellung und Verbreitung von Flugblttern entschlossen habe, war ich mir darber im Klaren, dass eine solche Handlungsweise gegen den heutigen Staat gerichtet ist. Ich war der berzeugung, dass ich aus innerem Antrieb handeln musste und war der Meinung, dass diese innere Verpflichtung hher stand, als der Treueid, den ich als Soldat geleistet habe. Was ich damit auf mich nahm, wusste ich, ich habe auch damit gerechnet, dadurch mein Leben zu verlieren.
Aus dem Gestapo-Verhrprotokoll von Hans Scholl, 18. Februar 1943, Bundesarchiv Berlin

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und htte die Liebe nicht, so wre ich ein tnendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden knnte und wsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und htte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen knnte, und htte die Liebe nicht, so wre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gbe und liee meinen Leib verbrennen und htte die Liebe nicht, so wre mirs nichts ntze.
Die Liebe ist langmtig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blht sich nicht auf, sie verhlt sich nicht ungehrig, sie sucht nicht das Ihre, sie lsst sich nicht erbittern, sie rechnet das Bse nicht zu, sie freut sich nicht ber die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie ertrgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
Die Liebe hrt niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhren wird und das Zungenreden aufhren wird und die Erkenntnis aufhren wird. Denn unser Wissen ist Stckwerk und unser prophetisches Reden ist Stckwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stckwerk aufhren. (1 Kor 13,110)

Vor seiner Hinrichtung bitte Hans Scholl den evangelischen Gefngnisgeistlichen Pfarrer Dr. Karl Alt, ihm das Hohe Lied der Liebe aus dem 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes vorzulesen.

Am 22. Februar 1943 werden Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler zum Tode verurteilt und noch am selben Tag im Gefngnis Mnchen-Stadelheim enthauptet.

Im Hinrichtungsprotokoll wird Hans Scholl als ruhig und gefasst beschrieben. Ergnzt ist das Protokoll mit seinen letzten Worten: Es lebe die Freiheit.

Nach der Erinnerung seines Mitgefangenen Helmut Fietz schreibt Hans Scholl kurz vor der Gerichtsverhandlung Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten an die weie Gefngnismauer, mit einem eingeschmuggelten Bleistift.

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