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Seelenhrte ist das Abscheulichste unter den Menschen. Sie entspringt der letzten Lebensunfhigkeit und raubt dem Menschen das Eigentlich-Menschliche. Tapferkeit ist etwas ganz anderes.

Hans Scholl, 25.1.1942

Wanderausstellungen / Alexander Schmorell

Mnchner Freundeskreis

Im Sommer 1939 studiert Alexander Schmorell in Hamburg ein Semester Medizin. Beim Ernteeinsatz in Pommern lernt er die Medizinstudentin Traute Lafrenz kennen.
Zum Wintersemester kehrt er zurck nach Mnchen. Im Herbst 1939 trifft er Nikolay Hamazaspian, Student aus Bulgarien. Beide verbindet ein groes Interesse an der klassischen russischen Literatur sowie die grundstzliche Ablehnung von staatlicher Gewalt und Unterdrckung.

Alexander Schmorell entwickelt eine groe Sehnsucht nach Russland. Wiederholt uert er gegenber Freunden den Wunsch, nach Russland zu fliehen. In Deutschland wrde er das Leben nur noch ertragen.
Es ist das romantische Bild eines vom Bolschewismus unzerstrbaren, christlichen Russlands, das Alexander Schmorell in der Literatur der groen russischen Schriftsteller findet. In der grenzenlosen russischen Seele entdeckt er die wahre menschliche Natur. Die Welt muss anders werden, russischer schreibt Schmorell im Sommer 1942 an Angelika Probst.

Ich liebe an Russland die Steppe und die Weite, die ewig bleiben werden, die Wlder und Berge, ber die der Mensch nicht Herr ist, und dann den Russen, das Russische, das man den Menschen nie nehmen kann, weil sie ja nur das sind, ohne dem sie nichts wren Tote. Ihr Herz und ihre Seele, die man nie gedankenmssig erfassen kann, sondern nur erahnen und erfhlen, sind ihr Reichtum, der ihnen nie geraubt werden kann. Und haben wir keine Gelegenheit, diesen Menschen ins Auge zu sehen, so lacht er uns dafr entgegen aus all den Geschichten, Erzhlungen eines Gogol, Turgenjew, Tschechow, Tolstoi, Lermontow, Dostojewskij. (...) Erkennst Du ihn nicht, liebst Du ihn nicht? Wenn Du ihn aber liebst, dann liebst Du auch Russland, wie es ihm auch gehen mge!
Aus einem Brief von Alexander Schmorell an Angelika Probst, 2. Mai 1941
Privatbesitz Familie Schmorell


Ab Mai 1941 sind Alexander Schmorell, Hans Scholl, Hubert Furtwngler, Jrgen Wittenstein und spter Willi Graf Angehrige einer Studentenkompanie in Mnchen. Im Juni 1941 lernt Alexander Schmorell Hans Scholl kennen. Ein Freundeskreis entsteht.
Das gemeinsame Interesse an Literatur und Kunst wird Ausdruck ihrer geistigen Unabhngigkeit und Selbstbehauptung. Bcher und die Gesprche mit regimekritischen Intellektuellen wie Carl Muth und Theodor Haecker geben Halt und Inspiration. Der Freundeskreis trifft sich zu privaten Leseabenden.
Anfang Juli 1942 finden zwei literarische Abende im Elternhaus von Alexander Schmorell statt. Gelesen wird Der seidene Schuh von Paul Claudel mit verteilten Rollen. Anwesend sind neben Alexander Schmorell u.a. Hans und Sophie Scholl, Traute Lafrenz und Prof. Kurt Huber.

Weit Du, ich betreibe Sport, der fr uns vom Militr jeden Mittwoch-Nachmittag angesetzt ist, auf etwas seltsame Art: Kaum beginnt die Einteilung auf dem Sportplatz, verschwinden zwei Leute mit einer vollen Actentasche, gehen ber die Wiesen, waten durch einen Kanal und versinken in hohem Gras, im Schatten von dichten Struchern. Sie packen dann ihre Mappe aus und beginnen, sich mit dem Inhalt zu beschftigen. Dir darf ichs ja verraten, woraus er besteht: aus einer Flasche Wein und Bchern zum Ansehen oder Lesen. Und weit Du, wer die beiden sind? Einer ist ein Kamerad von mir, ein zurckgezogener, einsamer Mensch, und der andere, ja, was glaubst Du, wer ist der? Das musst Du raten...
Dies war der Anfang dieser zwei Wochen. Dann kamen Nachmittage, Abende, Nchte, viele, viele, an denen so manche Flasche geleert wurde. Oft war ich alleine, oft mit jenem Kameraden (Hans Scholl heisst er), meistens aber mit Christel.

Aus einem Brief von Alexander Schmorell an Angelika Probst, 3. Juli 1941
Privatbesitz Familie Schmorell

Pltzlich habe ich Urlaub bekommen. Ich werde morgen mit meinem Freund Alex aufbrechen zu einer Donaufahrt bis Wien. Unser Entschluss ist so schnell und selbstverstndlich gefasst worden, dass ein Chef- und smtliche Oberarztgehirne Deutschlands und der ganzen Welt wohl nicht ausgereicht htten, dieses zu begreifen. Aber wir fahren trotzdem. Und nehmen nichts, absolut nichts mit, nur Zahnbrste.(...)
Hans Scholl an Rose Ngele, 7. Oktober 1941
Im Oktober 1941 gehen Alexander Schmorell und Hans Scholl mit einem Paddelboot auf Donaufahrt.

Meine Freundin Ulla Claudius, die Musik studierte, und ich besuchten ein Konzert. Ich glaube, es war das Schneiderhahn-Quartett, und hinter mir ging pltzlich die Sonne auf. Denn wenn Alex lachte, dann ging die Sonne auf. Ich drehte mich um, und da war er. Zusammen mit Hans Scholl.
Aus einem Interview mit Traute Lafrenz-Page von Sybille Bassler, 2006


Im September 1941 lernt Alexander Schmorell Lilo Berndl, sptere Frst-Ramdohr, kennen. Beide besuchen abends Zeichenkurse im Atelier der Schwabinger Kunstschule Die Form in der Leopoldstr. 61. Bei dem Bildhauer Karl Baur nimmt Alexander Schmorell zustzlich Privatstunden. Die Bildhauerei wird fr ihn zur eigentlichen Berufung. Sein groes Vorbild ist August Rodin.

Die Lektre von literarischen Werken, die eine moralische und ethische Kraft ausstrahlten und auch aussagten, das waren die Dinge, die uns beflgelt und gestrkt haben.
Aus einem Interview mit Traute Lafrenz-Page von Katrin Seybold, 2000
Katrin Seybold Film

Um ein Bildhauer zu werden, das heit arbeiten, arbeiten, ohne Rast, zehn bis zwanzig Jahre lang! Dann erst kann man sich sagen, vorausgesetzt, dass man Begabung dazu hat, jetzt kann ich beginnen mit Bildhauerei. Die ganze Arbeit vorher war nur Vorbereitung, war nur eine Schulung. Alle Erfahrungen, die du dabei gemacht hast, musst du dir einverleiben; alle mssen Teil deiner Natur werden und dann erst kannst du schaffen, ohne durch Reflexion gebunden zu sein. (...) Ich bin Knstler des Instinktes sagt Rodin nach Phidias und Michelangelo
der genialste.
In unserer Zeit ist berhaupt zu viel Platz fr Bewusstsein und viel zu wenig fr Instinkt (Intuition), fr Schaffen ohne Bewusstsein fr Herz und Seele.

Aus einem Brief von Alexander Schmorell, o.D., aus dem Russischen ins Deutsche bersetzt
Privatbesitz Familie Schmorell

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