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Ich habe erfahren, da ein harter Geist ohne ein weiches Herz ebenso unfruchtbar sein mu wie ein weiches Herz ohne einen harten Geist. Ich glaube, dieser Satz stammt von Maritain.

Sophie Scholl, 1942

Wanderausstellungen / Alexander Schmorell

Sanittsdienst in Russland

Am 23. Juli 1942 wird Alexander Schmorell mit Hans Scholl, Willi Graf, Hubert Furtwngler und weiteren Sanittsfeldwebeln der Studentenkompanie zur 252. Division an die Ostfront abkommandiert. Drei Tage spter kommen sie in Warschau an. Am 28. Juli fahren sie mit einem leeren Lazarettzug weiter nach Gatsk, ca. 130 km vor Moskau. Den Monat August verbringen sie dort gemeinsam, dann werden Willi Graf und Hubert Furtwngler dem Infanterieregiment 461 zugeteilt.

Wir nahmen uns schon vor der Abreise vor, unter allen Umstnden zur gleichen Einheit zu kommen, auf diese Weise vergeht unsere Zeit gemeinsam, und was dies gerade hier bedeutet, kannst Du wohl ermessen. Einer von uns, ebenfalls ein Mediziner, spricht ein ausgezeichnetes Russisch, da er in diesem Lande geboren und erst zur Zeit der Revolution mit seinen Eltern das Land verlassen musste und dann auch fast ein Deutscher wurde. Nun sieht er zum erstenmal wieder dieses Land, und auch mir erffnet sich vieles, was vorher unbekannt oder zumindest unverstanden blieb. Oft erzhlt er uns von der russischen Literatur und auch zu den Menschen hier findet man einen ganz anderen Weg, als wenn man sich nicht verstndigen knnte. Oft schon haben wir bei den Bauern gesungen und lieen uns die wundervollen alten Lieder spielen und singen, man vergisst dann ein klein wenig das Traurige all der Dinge, die man zu oft sehen mu.
Aus einem Brief von Willi Graf an Marita Herfeldt
Russland, 29. August 1942


Die Erfahrung der Grausamkeiten des Krieges gegen seine geistige Heimat, die unmittelbare Begegnung mit den russischen Menschen, ihrer Kultur und Religiositt, radikalisieren Alexander Schmorells pazifistische Haltung. Du kannst Dir wohl denken (), dass ich jetzt keine frohe Zeit durchlebe wenn ich von den Ereignissen im Osten hre. Du weit ja, was da alles auf dem Spiel steht, schreibt Alexander Schmorell an Angelika Probst zwei Wochen nach dem berfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941.
Seine Freunde Hans Scholl und Willi Graf nehmen Anteil an seiner Liebe zu Russland. Hans Scholl schreibt ausfhrlich Tagebuch, Willi Graf liest zum dritten Mal den Roman Schuld und Shne von Dostojewskij.

Neulich haben Alex und ich einen Russen begraben. Er mu schon lange drauen gelegen haben. Der Kopf war vom Rumpf getrennt und die Weichteile schon verwest. Aus den halbverfaulten Kleidern krochen Wrmer. Wir hatten das Grab schon fast zugeschttet mit Erde, da fanden wir noch einen Arm. Zum Schlu haben wir ein russisches Kreuz gezimmert und am Kopfende in die Erde gesteckt. Jetzt hat seine Seele Ruhe.
Aus dem Tagebuch von Hans Scholl
Russland, 28. August 1942

Und dann las ich Dostojewskij, leider habe ich nur den Raskolnikow dabei, den ich auf der Hinfahrt zufllig in einem Warschauer Buchantiquariat fand und mir mitnahm. Vieles wurde mir erst jetzt verstndlich, und ich lernte die Dinge erst begreifen. Es ist interessant, dass die einfachsten Menschen, Bauern, Fischer und Handwerker Dostojewsky kennen und sich mit ihm beschftigt haben, nicht oberflchlich, sondern mit wachem Geist. Von Deutschland knnte man hnliches nicht behaupten, denn die Leute, die tatschlich einen Goethe kennen, sind nicht reich gest.
Aus einem Brief von Willi Graf an Marita Herfeldt
Russland, 24. September 1942

Alex ist seit einigen Tagen sehr krank. ber Nacht wurde er von einer Diphtherie befallen. Nun liegt er im Bett mit hohem Fieber. Hubert F. und Willi Graf mussten gestern die Stelle eines Truppenarztes vorne bei der Infanterie einnehmen. So bin ich gegenwrtig das berbleibsel unserer einstmals so stolzen fnften Kolonne. Aber trotzdem bin ich nie einsam. Verlassen wohl, aber nie einsam. (...) Auerdem habe ich hier im Lager mit Kriegsgefangenen und einigen russischen Mdchen einen Chor zusammengestellt. Neulich haben wir die halbe Nacht durchgetanzt, dass uns am nchsten Tag die Knochen schmerzten.
Aus einem Brief von Hans Scholl an die Mutter und die Schwestern Inge und Sophie
Russland, 2. September 1942


Alex ist durch den Abschied sehr mitgenommen, notiert Willi Graf am 30. Oktober 1942. Am 1. November 1942 fhrt die 2. Studentenkompanie in Viehwagons der Reichsbahn zurck nach Mnchen. Nach ihrer Ankunft am Abend des 6. November 1942 haben die Sanittssoldaten zwei Wochen Fronturlaub.
Alexander Schmorell verbringt eine Woche mit Hans Scholl in dessen Elternhaus in Ulm. Im Vernehmungsprotokoll vom 1. Mrz 1943 wird festgehalten, dass er sich in dieser Zeit gemeinsam mit Hans Scholl vielfach mit dem Gedanken getragen habe, wieder einmal ein Flugblatt herauszugeben, um das Volk fr unsere Idee zu gewinnen.

Liebe Walja, sonderbar fremd und seltsam kommt mir hier alles vor jetzt, nachdem ich in Russland gewesen war. Und nie mehr werde ich mich gewhnen an das hiesige europische, das kultivierte Leben niemals! Tagsber denke ich nur an Euch und an Russland nachts trume ich von Euch und von Russland denn mein Herz, meine Seele, meine Gedanken alles ist in meiner Heimat zurckgeblieben. Auch hier lebe ich ganz in russischer Umgebung: Samowar und russischer Tee, Balalaika, russische Bcher und Ikonen selbst meine Kleidung ist russisch: das Hemd, meine russischen Stiefel mit einem Wort alles ist russisch. Auch meine Bekannten sind alle Russen. Aber noch mu ich in Deutschland bleiben. Vieles werde ich Dir erzhlen, wenn wir uns wiedersehen vorerst ist es noch zu frh, davon zu sprechen.
Es grt Dich Dein Sascha

Aus einem Brief von Alexander Schmorell an eine Freundin Walja, Mnchen, 25. November 1942, Privatbesitz Familie Schmorell
Nach der Erinnerung von Hubert Furtwngler 1967 putzt Schmorell nach seiner Rckkehr aus Russland die russische Erde nicht mehr von seinen Stiefeln.

Seit einigen Tagen sind Hans und Schurik hier. In der nchsten Woche werden wir wieder in Mnchen anfangen. Nun heit sichs eben einschrnken, und ich tue es ja gerne.
Nun la Dich gren von uns allen, besonders von
Deiner Sophie
P.S.: Kannst Du mir nicht einmal einen Pack Briefumschlge beschaffen?

Sophie Scholl an Fritz Hartnagel, Ulm, 19. November 1942

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