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Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Brgers vor der Willkr verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.

Flugblatt V

Wanderausstellungen / Traute Lafrenz

Verbreitung der Flugbltter in Hamburg und Wien

Im Winter 1942/43 gelingt es dem Mnchner Freundeskreis, die Widerstandsaktivitten ber Mnchen hinaus auszudehnen. Im Januar 1943 tauchen in mehreren deutschen Stdten die Flugbltter der Widerstandsbewegung in Deutschland auf.

Im November 1942 erhlt Heinz Kucharski von Traute Lafrenz in Hamburg ein Flugblatt der Weien Rose. Ein weiteres schickt sie mit der Post. Heinz Kucharski und Margaretha Rothe schreiben sie mehrfach ab.
Auch der Philosophiestudent Reinhold Meyer erhlt eine Abschrift. Seine Buchhandlung am Jungfernstieg, die Agentur des Rauhen Hauses, ist ein wichtiger Treffpunkt fr oppositionelle Studenten, Knstler und Intellektuelle in Hamburg.
Im Dezember 1942 fhrt Traute Lafrenz nach Wien zu Verwandten ihrer Mutter. In der Hoffnung, eine Verbindung zur Universitt Wien herstellen zu knnen, spricht Traute Lafrenz mit dem Freundeskreis ihrer Tante ber die Flugbltter der Weien Rose.

Im November 1942 fuhr ich einige Wochen nach Hamburg. (...) Ich berichtete ihnen von den Vorgngen in Mnchen, gab ihnen zwei Flugbltter und wir besprachen, die Verbreitung auch ber Norddeutschland auszudehnen. Heinz Kucharski, der der Kopf dieses Kreises war, bat mich noch vor meiner Abfahrt, ihm ein weiteres Blatt der Weien Rose zu schicken ich versprach es, ungern, da wir uns vorgenommen hatten, bei der Verschickung der Flugbltter besonders vorsichtig zu sein, niemals in Mnchen Flugbltter fr eine andere Stadt aufzugeben. (...)
Wieder in Mnchen trafen wir uns seltener zu gemeinsamen Abenden. Hans war bemht, niemals eine grere Anzahl von Freunden bei sich zu haben. Mit Sophie ging ich manchmal Papier und Umschlge einkaufen. So erinnere ich mich genau an einen Tag im Januar (er war ganz frhlingshaft warm 1943), als wir durch die Ludwigstrae schlenderten und uns so recht der Sonne und der Wrme freuten. An der Strae stand ein Pferd und Wagen, das Pferd schnob laut in die sonnige Luft hinein. Ha, Kerrle, sagte Sophie und klopfte ihm lachend den Hals dann stand sie mit der gleichen Einfachheit, dem gleichen frohen Gesicht im nchsten Schreibwarenladen und verlangte Briefumschlge.

Aus dem Bericht von Traute Lafrenz, 1947
Archiv des Instituts fr Zeitgeschichte Mnchen-Berlin


Am 18. Februar 1943 werden Hans und Sophie Scholl vom Hrsaaldiener der Universitt Mnchen beim Auslegen des sechsten Flugblattes beobachtet und festgenommen. Die Gestapo verhaftet sie.

Willi Graf und ich haben vor Beendigung der Vorlesung von Prof. Huber den Hrsaal verlassen, um einigermaen rechtzeitig in die Nervenklinik zu kommen. An der Glastr kamen Hans und Sophie uns mit einem Koffer entgegen. Wir haben es eilig, sprechen nicht viel, verabreden uns fr den Nachmittag. In der Straenbahn wird mir unheimlich: Was tun die beiden fnf Minuten vor Schluss der Vorlesung in der Uni? Willi zuckt mit den Schultern, ist aber auch unruhig. Zwei qualvolle Stunden whrend Bumkes Vorlesung. Sonst schlft Willi regelmig ein. (...) Endlich um 1 Uhr, Willi geht in die Kaserne. Ich renne zur Uni, renne, Studenten kommen mir entgegen. Die Tren waren bis 1 Uhr versperrt Flugbltter Zwei haben sie abgefhrt
Aus dem Bericht von Traute Lafrenz, 1947
Archiv des Instituts fr Zeitgeschichte Mnchen-Berlin


Am 20. Februar 1943 fhrt Traute Lafrenz zu den Eltern von Hans und Sophie Scholl nach Ulm, um sie von den Verhaftungen zu benachrichtigen. Ein anonymer Anrufer teilt ihnen mit, dass der Prozess vor dem Volksgerichtshof bereits zwei Tage spter stattfinden wird.
Am 22. Februar 1943 werden Christoph Probst und Hans und Sophie Scholl zum Tode verurteilt. Traute Lafrenz und Werner Scholl fahren sofort zur Frau von Christoph Probst an den Tegernsee, um das Gnadengesuch noch rechtzeitig von ihr unterschreiben zu lassen.
Erst am Tag der Beerdigung, am 24. Februar 1943, erfhrt Traute Lafrenz, dass die Todesurteile noch am gleichen Tag vollstreckt wurden. Aus dem Freundeskreis ist sie die einzige, die die Familie von Hans und Sophie Scholl auf den streng bewachten Friedhof begleitet.
Am 27. Februar 1943 wird die Familie Scholl in Sippenhaft genommen. Nur Werner Scholl wird nicht verhaftet. Die Tage bis zu seinem erneuten Kriegseinsatz in Russland verbringt er mit Traute Lafrenz in Mnchen und Ulm.

Werner und ich haben ja noch am 23. Februar morgens um vier Uhr das Gnadengesuch zu Herta Probst, der Frau von Christoph Probst, an den Tegernsee gebracht, damit sie unterschreiben konnte. Wir waren wie benommen. Wie wir das gemacht haben, wei ich bis heute nicht. Ich wei nur noch, als wir mit der Bahn vom Tegernsee nach Mnchen zurckfuhren, dass in diesem Moment die Sonne blutrot aufging. Wir schafften es dann noch, das Gnadengesuch vor neun einzureichen bis dahin musste es nmlich eingegangen sein. Werner sagte noch, als er den blutroten Sonnenaufgang sah, nun ist vielleicht alles schon zu spt. Und das war es auch. Sie hatten alle drei schon lngst hingerichtet.
Aus einem Interview mit Sibylle Bassler, 2006

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