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"Sie sollen weitertragen, was wir begonnen haben."

Willi Graf Abschiedsbrief an seine Schwester 1943

Wanderausstellungen / Onkel Emil

Untertauchen in Berlin

Mit der nationalsozialistischen Machtbernahme 1933 wird der Antisemitismus Bestandteil staatlicher Politik. Juden werden von der Volksgemeinschaft isoliert, ihre Ausgrenzung und Verfolgung schrittweise verschrft. Dabei greifen staatliche Verordnungen, Gewalttaten und die Hetze der nationalsozialistischen Presse ineinander.

Der Boykott von Geschften jdischer Inhaber im April 1933, die Nrnberger Rassengesetze vom September 1935 und die Novemberpogrome 1938 markieren wesentliche Stationen der Verfolgung. Auf diese Weise soll Druck zur Auswanderung erzeugt werden.
Viele der 550 000 Juden in Deutschland erkennen die Gefahr und entschlieen sich zur Flucht. Trotz zunehmender Verarmung, einer hohen Reichsfluchtsteuer oder beschrnkter Aufnahmequoten fr jdische Einwanderer knnen bis zum Beginn des Krieges 1939 bis zu 250 000 deutsche Juden vor allem in den europischen Nachbarlndern und den USA Zuflucht suchen.

Fast jeder Abreisende lsst uns ein Erbteil zurck. Vergesst meine Mutter nicht ... kmmert euch um Tante Johanna ... und, nicht wahr, von Zeit zu Zeit werdet ihr mal nach Onkel Heinrich schauen? Darum nehmen die Emigrationen fr uns seit 1933 kein Ende, weil immer irgend jemand brig bleibt. Eine Tochter, ein Onkel, ein Sohn. Irgendein nheres oder fernes Familienmitglied, das nun, durch den Wegzug seiner Lieben und durch den wachsenden Judenterror, zweifach trostbedrftig geworden ist. Wir schauen nach Onkel Heinrich, wir kmmern uns um Tante Johanna und vergessen auch Heinz Rosenthals zarte kleine Mutter nicht. Es gibt noch viele Onkel Heinrichs in Deutschland. Und ungezhlte Tante Johannas. Manchmal mchte man sich fast in Stcke reien.
Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann, Tagebucheintrag, Berlin, 17. April 1939

Nach Beginn des Krieges im September 1939 werden gesetzliche Manahmen zur Vorbereitung der Deportationen ergriffen. Deutschland soll judenrein werden.
Ab August 1938 sind Juden verpflichtet, die zustzlichen Vornamen Sara und Israel und ab September 1941 sichtbar einen gelben Stoffstern mit der Aufschrift Jude zu tragen. Sie mssen ihre Wohnungen verlassen und in Judenhuser ziehen. Ab Mitte Oktober 1941 erhalten tausende Juden in Berlin, Frankfurt a.M. oder Mnchen den Befehl, sich an Sammelpltzen und Bahnhfen einzufinden. Die Massendeportationen in die Ghettos und Konzentrationslager beginnen. Ab November 1942 wird das Vernichtungslager Auschwitz zum Hauptzielort der Deportationen.
Dem nationalsozialistischen Vlkermord an den Juden Europas fallen mehr als 6 Millionen Menschen zum Opfer, von denen die meisten erschossen oder in den Gaskammern der Vernichtungslager systematisch ermordet werden. Unter ihnen sind mehr als 160 000 deutsche Juden.

Der gelbe Stern erleichtert die Aussonderung. Er leuchtet voran auf dem Weg in die Finsternis. Getto nennt sich diese Finsternis. Seit etlichen Tagen hat der dritte und letzte jdische Aufbruch begonnen. Abholung aus den Wohnungen. Zwangsevakuierung mit unbestimmtem Ziel. (...) Jede Nacht kampieren andere Flchtlinge auf den Sofas ihrer arischen Freunde. Wenn man nicht zu Hause ist, gehen sie wieder weg. Alles ist gut, wenn man nicht zu Hause ist, sagt Frau Rosenthal. (...) Manchmal gelingt es mit dem Nicht-zu-Hause-sein. Noch fter gelingt es nicht. (...) Niemand kennt die Regel, nach denen die Abholungen erfolgen.
Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann, Tagebucheintrag, Berlin, 19. September 1941

Etwa 10 000 deutsche Juden versuchen, sich dem Deportationsbefehl zu entziehen. Da die Auswanderung ab Herbst 1941 verboten und auch auf illegale Weise nahezu unmglich ist, bleibt nur die Flucht in den Untergrund.
Fr jedes einzelne U-Boot, wie die Untergetauchten genannt werden, sind mindestens zehn Helfer aktiv. In Berlin setzen sich mindestens 10 000 Menschen fr jdische Verfolgte ein und riskieren ihr eigenes Leben. Eine zustzliche Gefahr sind Denunzianten oder Greifer, die als U-Boote verhaftet und von der Gestapo gefgig gemacht werden, um Juden und ihre Helfer an die Gestapo zu verraten.
Die Gruppe Onkel Emil bleibt unentdeckt. Sie beherbergen Untergetauchte, organisieren Quartiere, Lebensmittel, Medikamente und geflschte Papiere wie Ersatzausweise, Lebensmittelmarken, Fahrtberechtigungsscheine, Wehrpass-Ersatzkarten oder rztliche Atteste.
In Deutschland sind knapp 3000 Helfer namentlich bekannt, zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Etwa 5000 Untergetauchte knnen von ihnen gerettet werden, ber 1500 in Berlin.

Wir sammeln Marken. Wir machen Visiten. Heute bei Onkel Heinrich. Morgen bei Tante Johanna. Es ist gut, dass Heike mit von der Partie ist. Jeden Tag ziehen sich die Wolken drohender ber den hier gebliebenen Juden zusammen. Wer das Glck hat, bis heute noch in seiner Wohnung zu sitzen, der teilt sie bereits mit zahlreichen weniger Glcklichen. Drei Familien auf drei Zimmern. Gedrnge vor der Badestube, Gewimmel in der Kche. Peter Tarnowsky hat den vierten Umzug hinter sich. Bei der Frau Lehmann meldet sich tglich neue Einquartierung. In Doktor Mhsams Behausung kann man vor Koffern, Mbeln, Erwachsenen und Kindern kaum treten. berall wirft der dritte Aufbruch seine schrecklichen Schatten voraus. Und seit auch Amerika mit uns im Krieg steht, gibt es fr niemanden ein Entrinnen mehr.
Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann, Tagebucheintrag, Berlin, 8. April 1942

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