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Beweist durch die Tat, da Ihr anders denkt! Zerreit den Mantel der Gleichgltigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt! Entscheidet Euch, eh es zu spt ist.

Flugblatt V

Wanderausstellungen / Onkel Emil

Onkel Emil

Onkel Emil, so lautet der Warnruf bei groer Gefahr. Erst nach dem Ende des Krieges wird Onkel Emil zum Namen der Widerstandsgruppe um Ruth Andreas-Friedrich, ihrer Tochter Karin und Leo Borchard in Berlin. Karin Friedrich erfhrt bereits als neunjhriges Kind, dass ihre Mutter die NS-Diktatur ablehnt. Als 15jhrige Schlerin beginnt sie Aufgaben in der Versorgung jdischer Freunde im Untergrund zu bernehmen.

Ruth Andreas-Friedrich ist ab 1920 freie Journalistin und schreibt beim Ullstein Verlagshaus fr Frauenzeitschriften. Ihr Lebensgefhrte Leo Borchard ist Dirigent der Berliner Philharmoniker. In Zusammenarbeit mit einflussreichen Regimegegnern bauen sie ein Hilfsnetzwerk fr Verfolgte auf. Ihre Wohnung am Hnensteig 6 in Berlin-Steglitz wird zum Zentrum der Hilfsaktionen.
1943 erhalten sie das sechste Flugblatt der Widerstandsgruppe Weie Rose aus Mnchen, vervielfltigen es und geben es weiter. Durch ihre Verbindungen wird die Weie Rose schon vor Ende des Krieges im Ausland bekannt.

Meine Mutter hatte bereits 1931 Hitlers Mein Kampf gelesen und ahnte, was auf uns zukommen knnte. (...) Wie andere Journalisten in Berlin, hatte meine Mutter einen groen Bekanntenkreis und traf sich regelmig mit jdischen und linksoriertierten Freunden im Romanischen Caf oder bei uns zu Hause. Fr sie stand vom ersten Tag an fest, den Freunden beizustehen. Als ich dann im April 1934 verstrt aus der Schule kam, wo wir hatten antreten und vor gehisster Fahne rufen mssen: Juda verrecke!, beschloss sie spontan, mich aufzuklren. Ich muss Dir etwas verraten, sagte sie, darber darfst Du mit niemandem reden. Das ist unser Geheimnis. Wir knnen den Hitler nicht leiden. Er ist gemein zu unseren Freunden. Ich war damals neun Jahre, aber das verstand ich sofort. Ich hatte selbst jdische Freunde.
Karin Friedrich: Er ist gemein zu unseren Freunden... Das Retternetz der Gruppe Onkel Emil.

Ab 1933 beobachtet Ruth Andreas-Friedrich die Verbrechen des NS-Regimes: die Etablierung der Diktatur, die Ausschaltung politischer Gegner, die Verfolgung und Entrechtung der Juden. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 nimmt sie jdische Freunde in ihrer Wohnung auf, um sie in dieser Nacht vor den antisemitischen Ausschreitungen zu schzten. Sie beginnt, Tag fr Tag aufzuschreiben, was ich hrte, sah, erlebte.
Das Tagebuch von Ruth Andreas-Friedrich gehrt zu den bedeutenden historischen Dokumenten des 20. Jahrhunderts. Zuerst erscheint es 1947 in New York auf Empfehlung Carl Zuckmayers. Nach der amerikanischen Ausgabe Berlin Underground folgt im gleichen Jahr die deutsche Erstausgabe Der Schattenmann. Zahlreiche bersetzungen folgen. 1967 erscheint es in Israel unter dem Titel Schauplatz Berlin.

Seit 1933 haben wir es gewusst. Alles, was kommen wrde! Damals, als wir am Radio saen. Nicht in den Einzelheiten, aber in der groen Linie. Freiheitsberaubung, Massenhypnose, Gewalt, Sadismus, unentwegtes Strammstehen und grenzenlose Selbstbeweihrucherung. Die Revolution des wildgewordenen Kleinbrgers hatte begonnen.
Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann, Tagebucheintrag, Berlin, 27. Oktober 1938

Sie haben alle weggeschleppt. Alle jdischen Mnner, deren sie habhaft wurden. Nicht nur in Berlin, sondern im ganzen Reich. Ohne Haftbefehl. Wie sie gingen und standen, mussten sie mitgehen. Manche, sagt man, haben nicht einmal Schuhe angehabt. Nur wer rechtzeitig gewarnt wurde, ist der Razzia entgangen. Gottlob, es sind viele gewarnt worden! Hunderte konnten bei Freunden untertauchen. (...) In der Frankfurter Allee haben Arbeiter den jdischen Geschftsinhabern die ber die Strae verstreuten Waren zurckgebracht. Sie sprachen kein Wort, sie rckten nur verlegen an ihren Mtzen.
Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann, Tagebucheintrag, Berlin, 11. November 1938

Ruth Andreas-Friedrich stellt im Juni 1939 beim amerikanischen Konsulat einen Einreiseantrag in die USA. 1940 zieht sie ihn jedoch wieder zurck, um Bedrftigeren Platz zu machen, wie sich Karin Friedrich erinnert. Auch ihr Lebensgefhrte Leo Borchard verlsst Deutschland nicht, obwohl er seit 1936 politisch unzuverlssig unter Berufsverbot steht.

Viele unter den Bedrohten htten die Auswanderung nicht geschafft, wenn alle Hitlergegner vor ihnen das Land verlassen htten. Unzhlige Untergetauchte und Verfolgte htten ohne fremde Hilfe nicht bis zum Ende durchhalten knnen. Wie schwer es war, zwischen Bomben und Trmmern, bespitzelt, verdchtigt, durch Verordnungen eingeengt, abgetrennt von der Wahrheit, einzig und allein auf Gerchte angewiesen, oft ohne Verkehrsmittel, ohne Strom, Gas, Wasser und Telefon, selbst die einfachsten Hilfsaktionen durchzufhren -, das aufzuzeigen ist die Absicht meines Buches.
Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann, Vorwort, Oktober 1945

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