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Es gilt immer wieder, Schritt fr Schritt auf dem Wege weiterzugehen, der sich einem aufdrngt. Du mut einfach Erkenntnisse suchen und durchdenken.

Willi Graf, 25.6.1942

Wanderausstellungen / Onkel Emil

Das Retternetz

In ihrem Ttigkeitsbericht, den Ruth Andreas-Friedrich kurz nach Ende des Krieges ber die Untergrundarbeit der Gruppe Onkel Emil verfasst, nennt sie sechs Personen der Stammgruppe und elf weitere aktive Mitarbeiter. Zu ihnen zhlen die rzte Walter Seitz und Josef Schunk, der Schriftsteller Fred Denger, der Konditor Walter Reimann und seine Frau, der jdische Buchdrucker Ludwig Lichtwitz, Gnther Brandt, oder die
Studentin Ursula Reuber. Im Tagebuch von Ruth Andreas-Friedrich haben sie Decknamen.

Alle Beteiligten verbindet das Motiv, innerhalb der eigenen Mglichkeiten Widerstand gegen die staatliche Verfolgung von Juden, Deserteuren und politischen Gegnern zu leisten.
Informationen ber den deutschen Vernichtungskrieg im Osten erhlt Ruth Andreas-Friedrich von Hans Peters, Staatsrechtler an der Berliner Universitt. Weiterer Informant ist Erich Kordt, bis 1941 Assistent des deutschen Auenministers Joachim von Ribbentrop.

Cocktail-Party bei Erich Tuch (Erich Kordt). Das halbe Auswrtige Amt ist erschienen. Das heit - genauer gesagt die andere Hlfte (...) die Gegenhlfte. (...) Man redet getarnt und geschickt. Wie es sich fr Diplomaten geziemt. Doch hinter den umschreibenden Worten sprt jeder bei jedem den gleichen Sinn: Wir lehnen sie ab, die Politik dieser Gangster-Regierung. Und doch macht ihr sie mit, sagt Andrik (Leo Borchard) zu Tuch. - Ich bitte Sie, was sollen wir denn tun? fragt Tuch, Herausgehen? Eigentlich mssten wir alle herausgehen. Wir kommen nicht an gegen die Dynamik dieser Lumpen. Wer es ehrlich meint, muss sich entscheiden, eingeschaltet bleiben, um zu behindern. Wenigstens zu bremsen, wo man nicht strzen kann. Oder sich ausschalten und das verfluchte Regime sich selbst berlassen.
Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann, Tagebucheintrag, Berlin, 28. Januar 1941

1940/41 waren fr uns die verzweifeltsten Jahre. Fast tglich Siegesfanfaren aus dem Radio. Begeistertes Volk allenthalben. Von unserem Gewhrsmann Hans Peters kamen immer neue, immer grauenvollere Nachrichten ber das Wten von Einsatzgruppen hinter der Front, ber unvorstellbare Massenerschieungen, verhungernde, russische Gefangene, ber zehntausende im Warschauer Ghetto zusammengepferchte, im absoluten Elend vegetierende Juden.
Karin Friedrich: Er ist gemein zu unseren Freunden..., in: Das Retternetz der Gruppe Onkel Emil

Hans Peters schliet sich dem Kreisauer Kreis, einer zivilen Widerstandsgruppe um Helmut James Graf von Moltke an, der sich ab 1938 in geheimen Treffen mit dem Ziel zusammenfindet, Plne zur gesellschaftlichen Neuordnung Deutschlands nach dem ersehnten Ende der NS-Herrschaft vorzubereiten. Hans Peters erarbeitet Vorschlge zu Staatsordnung, Kirche, Kultur und Erziehung. 1942 vermittelt er Ruth Andreas-Friedrich und Leo Borchard den Kontakt zu Moltke.
Die meisten Mitglieder des Kreisauer Kreises werden nach dem gescheiterten Attentat von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 als Mitverschwrer verhaftet und zum Tode verurteilt.
Moltke kann eine Beteiligung am Attentat nicht nachgewiesen werden. Er wird allein fr das Denken ber eine Zukunft nach einem Sturz Hitlers verurteilt und am 23. Januar 1945 in Pltzensee hingerichtet. Hans Peters bleibt unentdeckt.

Wir tagen bei Hinrichs (Hans Peters). Viele sind dort. (...) Ein Kreis der verschiedensten Meinungen. Nur in einem Punkt sind sich alle einig. Dass erst ein verlorener Krieg das Ende der Nazis bedeutet. In einer Ecke sitzt, still in den Sessel zurckgelehnt, ein ernster Mann. Betrachtet aus groen Augen aufmerksam jeden Anwesenden. Er spricht wenig. Mischt sich kaum in die leidenschaftliche Unterhaltung. Nur manchmal nickt er zustimmend vor sich hin. (...) Wer war der Herr? erkundige ich mich bei Hinrichs, als der schweigsame Unbekannte sich, frher als alle andere, verabschiedet hat. Moltke. Graf Helmut von Moltke. Unser bester Kopf. Er zieht mich vertraulich beiseite. Man wird noch von ihm hren. Groe Gruppen stehen hinter ihm. Von rechts bis links. Er arbeitet bei... Ein Major der Luftwaffe tritt an uns heran. Canaris, setzt Hinrichs rasch und leise hinzu.
Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann, Tagebucheintrag, Berlin, 11. Oktober 1942
Wilhelm Canaris, Admiral und Leiter des militrischen Nachrichtendienstes, ist bereits ab 1938 an militrischen Umsturzplnen beteiligt. Er wird am 9. April 1945 in Flossenbrg nach einem SS-Standgerichtsverfahren gehenkt.

Der Gefngnispfarrer Harald Poelchau nutzt sein Amtszimmer in der Haftanstalt Berlin Tegel als verdeckte Anlaufstelle fr Verfolgte, die er von dort aus mit geheimen Adressen von Fluchhelfern, Lebensmittelmarken, Geld oder Arbeitsstellen versorgt. So untersttzt er auch den jungen jdischen Musiker Konrad Latte, der aus Breslau flieht und in Berlin untertaucht.
Im Herbst 1943 lernen Ruth Andreas-Friedrich und Leo Borchard Harald Poelchau kennen. Das Retternetz erhlt einen einflussreichen Verbndeten.
Harald Poelchau begleitet als Gefngnisseelsorger etwa 1000 Menschen in den gewaltsamen Tod. Seine Mitarbeit im Kreisauer Kreis und seine vielfltigen Hilfeleistungen fr Verfolgte bleiben bis Kriegsende unentdeckt.

Poelchau (...) schickte uns Menschen, die ein Versteck brauchten. Wir besorgten ihm Marken und Lebensmittel. Ich wurde Gepcktrgerin. Warme Decken, Henkelmnner mit Essen, Pakete fr Inhaftierte. Jetzt war mir das Gretchen-Ponem - blond und blauugig - endlich zu etwas nutze. Wenn ich Koffer oder falsche Papiere von X nach Y trug, vermutete niemand Bses. Poelchau war der ungewhnlichste Mensch, den ich in der Nazizeit kennen lernte. Ein Mann, der half, Juden und politisch Verfolgte am Leben zu erhalten. Einer, der unter grter eigener Gefahr Kontakte zwischen Verurteilten und ihren Angehrigen aufrechterhielt, der Menschen, die kurz vor der Hinrichtung standen, Zuversicht auf eine hhere Gerechtigkeit gab. (...)
Karin Friedrich: Er ist gemein zu unseren Freunden..., in: Das Retternetz der Gruppe Onkel Emil

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