Selber machen

Mittwoch, 14. Mai 2008, 11:55 Uhr

Wenn Zeitzeugen nicht mehr kommen können: Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Dortmund gestalten Gedenktage nun selbst

Viele Jahre war es an der Dortmunder Geschwister-Scholl-Gesamtschule Tradition, die Erinnerung an die Reichspogromnacht mit einem Zeitzeugen zu gestalten. Valentin Frank, der nach den Nürnberger Rassegesetzen als Halbjude galt, erlebte die Nacht zum 9. November 1938 in Dortmund mit neun Jahren. Die Familie musste untertauchen, sein älterer Bruder fiel dem „Euthanasie-Programm“ der Nazis zum Opfer und wurde 1941 ermordet. Valentin Frank entging dem Tode nur durch Flucht. – Später ging er Jahr für Jahr an die Geschwister-Scholl-Gesamtschule Dortmund, um über die Verbrechen der Nationalsozialisten zu berichten. Bis er es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte. Da nahmen die Schüler das Gedenken selbst in die Hand.

Und sie tun noch mehr: Sie machen Radio. Anlass war unter anderem der Besuch des „Zuges der Erinnerung“. Wer einen braven Beitrag erwartet, der täuscht sich.

Als Klaus Lenser, der Lehrer, der das Zeitzeugengespräch Jahr für Jahr vorbereitet hatte, den Schülern sagte, dass Valentin Frank nicht mehr kommen könne, und mit ihnen beriet, was sie nun tun könnten, sagten sie wie aus einem Mund: „Das müssen wir selbst machen!“ Und sie taten es. Dreißig Schülerinnen und Schüler nahmen teil, um jüngere Schüler am 9. November „zu unterrichten“. Sie präsentierten Stellwände, sie hielten Vorträge und diskutierten. Die Resonanz war so gut, dass auch in Zukunft Schüler den Gedenktag gestalten werden. Auch an den 8. Mai, den Tag der Befreiung, erinnern die Schüler in diesem Jahr selbst, allerdings erst am 21. Mai. Vorher waren und sind sie mit dem beschäftigt, womit im Moment alle beschäftigt sind: mit Prüfungen.

----------------

Auch Radio-Sendungen stehen bei der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Dortmund auf dem Programm. Zu hören waren sie beim beliebten Radiosender Radio 91.2. Die beiden Sendungen „Do-Mu-Ku-Ma“ und „Do-Ju-Funk“ basieren auf einem Besuch des „Zuges der Erinnerung“, der auch in Dortmund hielt.

Beim „Projekt Do-Mu-Ku-Ma“ handelt es sich um die wöchentliche Radiosendung des Lehrers Klaus Lenser. Sie wird seit zwölf Jahren auf Radio 91.2 ausgestrahlt.
Do-Mu-Ku-Ma-250208.mp3 (32 MByte, 28 Min.)

Bei „Do-Ju-Funk“ handelt es sich um den Literaturkurs des 12. Jahrgangs an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Dortmund. Eine Gruppe von 15 Schülerinnen und Schülern produziert und moderiert regelmäßig für ein Schuljahr eine eigenständige Radiosendung für den Bürgerfunk.
Do-Ju-Funk-110308.mp3 (32 MByte, 28 Min.)


Bilder vom 9. November 2007, an dem die Schüler das Gedenken selbst in die Hand nahmen:


Bilder vom Besuch des „Zuges der Erinnerung“, der am 13. Februar 2008 in Dortmund hielt:

Homepage: www.gsg-dortmund.net



http://www.weisse-rose-stiftung.de/netzwerk/public_html/article.php?story=2008051411554764