Früher ein Bunker - heute ein Ort der Erinnerung

Samstag, 31. Mai 2008, 13:37 Uhr

Auf dem Gelände der Sophie-Scholl-Oberschule Berlin mussten Zwangsarbeiter im Krieg einen Hochbunker bauen. Heute haben Schüler und Lehrer engen Kontakt zu den ehemals Internierten.

Das Gebäude der Sophie-Scholl-Oberschule in Berlin-Schöneberg war von 1943-45 ein Lager für Zwangsarbeiter. Die Internierten mussten den Hochbunker an der Pallasstraße bauen.1994 bekam die Schule einen Brief einer ehemaligen Zwangsarbeiterin aus der Ukraine, die mit ihren Eltern und zwei Brüdern im „Augustalager“ interniert war. Ein weiterer Kontakt zu ehemaligen Internierten ergab sich 1997. Seitdem besteht ein ständiger und enger Kontakt zu den Menschen, die als Kinder bzw. Jugendliche in das Lager verschleppt wurden. Es fanden Besuche statt und Eltern, Schüler und Lehrer der Sophie-Scholl-Oberschule unterstützen die neu gewonnenen Freunde ständig mit Geld, Sachspenden und Medikamenten.

Am 8. Mai 2008, dem Jahrestag des Kriegsendes, wurde die Sophie-Scholl-Oberschule von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ als einer der „ausgewählten Orte 2008“ geehrt.

Der „Ort der Erinnerung“

Im Mai 2002 wurde am Bunker an der Pallasstraße ein „Ort der Erinnerung“ eingeweiht, der am authentischen Ort auf das Schicksal von Zwangsarbeitern aufmerksam macht. Schüler der Leistungskurse Kunst und Politische Weltkunde hatten im Rahmen einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft eine Konzeption entwickelt, wie dieser Ort durch künstlerische Veränderungen im öffentlichen Raum entstehen sollte. Die Installation der Kunstobjekte wurde vom Quartiersmanagement Schöneberg-Nord finanziert.

Kunstausstellungen im Hochbunker

Der „Ort der Erinnerung“ ist seitdem Teil unserer Schule. Regelmäßig sind im Bunker künstlerische Ausstellungen zu sehen, die von Schülern, die sich für das jeweilige Ausstellungsprojekt in einer Arbeitsgemeinschaft zusammenfinden, konzipiert werden. Präsentiert werden in den Ausstellungen Installationen, Objekte, Texte oder Klangcollagen.
Bisher waren folgende Ausstellungen zu sehen:
„Täter - Opfer“, Mai 2002
„Kriegsende in Schöneberg: Bilder und Texte, Mai 2003
„Klänge im Beton“, Mai 2004
(realisiert mit finanzieller Unterstützung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“)
„Heimat“, Juni 2006
„Innen und Außen“, Juni 2008: Diese Ausstellung ist jetzt auch im Netzwerk zu sehen.

Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft werden die Schüler an moderne künstlerische Ausdrucksformen durch praktische Übungen herangeführt. Das Ziel ist, dass sie ausgehend von eigenen Gefühlen und Erfahrungen zu einem Thema eine künstlerische Idee entwickeln, die sich auf den Ort, den Bunker, bezieht. Anknüpfungspunkte sind hierbei zunächst die Architektur und Raumwirkung im Inneren des Gebäudes sowie die Geschichte des Ortes und der Menschen, die ihn errichten mussten. Bei der letzten Ausstellung „Heimat“ thematisierten verschiedene Schüler z.B. die Frage, was es bedeutet, unter Zwang die Heimat verlassen zu müssen. Durch die Auseinandersetzung mit der Frage, ausgehend von der eigenen Gegenwart, entstand ein tiefes Verständnis für das, was Zwangsarbeiter erlebten.
Während der Ausstellung führen dann die Schüler Besucher durch den Bunker, berichten über den Bau, die Zwangsarbeiter und erklären ihre künstlerischen Arbeiten. Zu den Ausstellungen entsteht jeweils ein kleiner Katalog.


Maria und Wassilij Derewjanko

AG Geschichte / Kunst, Bodo Förster, Andrea Busse und Schüler
Elßholzstr. 34-37, 10781 Berlin
Homepage der Schule: www.sophie-scholl-schule.eu

Tagungsbericht der Arbeitsgruppe vom 21.10.2007 (16 kByte)
Zeitungsberichte (2,56 MByte)

Drei Kapitel aus dem Buch „175 Jahre Berliner Schulgeschichte“ von Bodo Förster, erschienen im Juni 2008 (155 kByte):
1. Das Lager für Zwangsarbeiter (1943-1945)
2. Der Bunker auf dem Schulhof
3. Freundschaft mit ehemaligen Zwangsarbeitern

Mehr zum Projekt unter: www.sophie-scholl-schule.info
und unter: www.lernen-aus-der-geschichte.de



http://www.weisse-rose-stiftung.de/netzwerk/public_html/article.php?story=20080531133718508