Netzwerk Weiße Rose   Zitat Dr. Richard Wizsäcker

Nicht nur Vorteile nutzen ...

  

... sondern auch Verantwortung übernehmen: Das Geschwister-Scholl-Gymnasium Velbert nimmt das Vermächtnis seiner Namensträger Hans und Sophie ernst – im Leitbild und bei der Streitschlichtung.

Dem Geschwister-Scholl-Gymnasium Velbert ist es wichtig, in Erinnerung an Hans und Sophie Scholl zu handeln. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich für die Erhaltung der Selbstbestimmung des Menschen einsetzen. So sagt es das Leitbild der Schule. Und so machen es die Schüler – auch bei „Ginkgo“, ihrem Streitschlichtungsprojekt.

Die Schüler sollen eigene Erfahrungen machen und Zivilcourage zeigen, sie sollen sich für den Schutz anderer einsetzen und gegen Ungerechtigkeit eintreten. Denn auch die Verantwortung als freie Menschen gehört zur Demokratie. Das wissen die Schüler.



Leitbild: Verantwortung übernehmen

„Verantwortung ist die ethische Entscheidung und Bereitschaft eines Menschen, für sein Wollen und Handeln sowie für dessen Folgen einzustehen.“ [Aus: Neues großes Volkslexikon, nach Brockhaus, Bd. 10, 1979]

In diesem Sinne ist Verantwortungsübernahme also nur denkbar, wenn die dem Handeln zu Grunde liegenden Entscheidungen wertorientiert sind und frei sowie selbstbestimmt getroffen werden können. Wo aber sind diese Entscheidungs- und Gestaltungsfreiräume in unserer Welt? Ist nicht das Leben der Menschen immer mehr fremd bestimmt durch Medieneinflüsse und Gruppendruck, durch ökonomische und globale Zwänge? Wo sind die Handlungsspielräume im politischen oder auch nur im persönlichen Bereich?
Hans und Sophie Scholl, die Namensgeber unserer Schule, haben sich unter unvergleichlich schwereren Bedingungen für den Erhalt der Selbstbestimmung des Menschen eingesetzt. Sie haben Widerstand geleistet gegen die NS-Gewaltherrschaft, die keinen Raum ließ für geistige Freiheit und für eigenständiges, kritisches Urteilen. Sie haben gekämpft für Werte, die in unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung heute festgeschrieben sind.

Im Sinne der Namensgeber sollen die Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums sich nicht nur der Vorteile, sondern vor allem der Verantwortung als freie Menschen in einer demokratischen Gesellschaft bewusst werden, damit sie verantwortlich handeln:

  • Bei der Gestaltung ihres eigenen Lebens
    sollen sie eigene Erfahrungen machen, eigenen Gefühlen und Werten Glauben schenken, Risikoangst, Konformismus, Passivität und Fatalismus überwinden.
  • Im Umgang mit der Natur und der Umwelt
    sollen sie sich für den ökologischen Erhalt unserer Erde engagieren.
  • Im sozialen und politischen Bereich
    sollen sie Zivilcourage zeigen und die Freiheit und Rechte anderer achten, sich für den Schutz von Minderheiten einsetzen, gegen Willkür und Ungerechtigkeit eintreten.



Ginkgo ist eine Streitschlichtung von Schülern für Schüler.

Dabei wird der Umstand ausgenutzt, dass Schüler sich untereinander besser verstehen und ihre Konflikte besser lösen können, wenn keine Lehrer dabei sind, die die Schüler oft nicht verstehen und sie u. U. bestrafen oder schlechter benoten. Die Schüler können ihr Herz unbekümmert ausschütten, da die Inhalte nicht weiter getragen werden. Die „Mediatoren“ werden besonders geschult und besitzen eine hohe Kompetenz auf dem Gebiet der Konfliktbewältigung.

Streitschlichtung am Geschwister-Scholl-Gymnasium Velbert - Kurzvorstellung
Das Anti-Mobbing-Programm nach dem „No-Blame-Approach

Streitschlichtung „Ginkgo“:

Im Schuljahr 1998/99 wurde das Projekt Streitschlichtung unter dem Namen Ginkgo an unserer Schule etabliert. Auseinandersetzungen und Konflikte sind ein unvermeidbarer Bestandteil des Zusammenlebens von Menschen - auch in der Schule. Es geht darum, auftretende Konflikte nicht nur kurzfristig zu besänftigen, sondern offen, produktiv und lösungsorientiert mit ihnen umzugehen und so zu einer tragfähigen Konfliktlösung zu kommen. Spannungen wahrzunehmen, Befindlichkeiten und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, gemeinsam nach Wegen zu suchen, künftig konfliktfrei miteinander umzugehen, gehört zu einer ausgeprägten Streitkultur. Unsere Streitschlichter, die als Mediatoren fungieren, werden darin ausgebildet. Ein wichtiger Grundsatz der Streitschlichtung besteht darin, unter Vermittlung der Mediatoren, Konflikte möglichst unmittelbar von den Beteiligten selbst aufarbeiten zu lassen, zu klären und zu beenden. Dazu treffen sich die Streitparteien in dem eigens eingerichteten Ginkgo-Raum, wo in ansprechender Atmosphäre die Streitfälle geklärt werden. Die Vereinbarungen, die den zukünftigen Umgang der Streitenden miteinander regeln, werden schriftlich festgehalten. In jeder Pause sind Ansprechpartner anzutreffen. Es ist wichtig, immer wieder SuS dazu zu bewegen, sich als Streitschlichter zu engagieren und sie in den Techniken der Streitschlichtung auszubilden. Dies erfolgt an Projekttagen und durch „learning by doing“, indem noch unerfahrene Streitschlichter in erfahrenen Teams mitarbeiten.

Für den dauerhaften Erfolg der Streitschlichtung ist es notwendig, dass alle am Schulleben Beteiligten die Streitschlichtung aktiv unterstützen und nutzen. Die Streitschlichter selbst machen am Tag der offenen Tür und in eigens für die Fünftklässler organisierten Aktionen immer wieder auf die Streitschlichtung aufmerksam. Wenn SuS die Streitschlichtung noch häufiger nutzen als sie dies ohnehin tun, und darin von ihren Lehrerinnen und Lehrern und ihren Eltern bestärkt werden, kann dies das Schulklima weiter verbessern.

No-Blame Approach

In akuten Fällen von Mobbing innerhalb von Klassen oder zwischen einzelnen Schülern praktizieren einige Kollegen das seit den 80-Jahren im angelsächsischen Bereich verbreitete Anti-Mobbing- Programm nach dem No-Blame-Approach, bei dem in drei Schritten allen am Mobbing Beteiligten geholfen wird, ihr Verhalten zu ändern.

Der „No Blame Approach“ ist eine in Deutschland noch neue und gleichzeitig zunehmend angewandte Methode, Mobbing in der Schule zu begegnen. Der Ansatz wurde Mitte der 80er Jahre in England von Barbara Maines und George Robinson entwickelt und später in der Schweiz aufgegriffen und mit viel Erfolg dort gegen Mobbing eingesetzt.

Die Faszination des Ansatzes liegt darin begründet, dass er - trotz der schwerwiegenden Problematik - vollständig auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen verzichtet. Vielmehr wird der "Teufelskreis von Mobbinghandlungen" dadurch durchbrochen, dass Anführer und Mitläufer in die Lösung des Mobbingproblems einbezogen werden.

Der "No Blame Approach" ist ein praktischer Interventions- und Handlungsansatz für die Schule, um Mobbing unter Schülern und Schülerinnen innerhalb kurzer Zeit zu beenden.

Die Durchführung erfolgt in drei einfachen Schritten:

  1. Gespräch mit dem „Opfer“
  2. Treffen mit der Unterstützungsgruppe (ohne „Opfer“!)
  3. Nachgespräche, einzeln (mit allen Beteiligten)

Weitere Information zum Thema findet man unter http://www.no-blame-approach.de

Homepage der Schule: http://www.gsgvelbert.de

 

Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V. Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V.