"Die Welle"

Dienstag, 15. Juli 2008, 12:40 Uhr

Das Buch kennen viele, auch die Filme sind bekannt. Das Hans und Sophie Scholl-Gymnasium Ulm jedoch hat „Die Welle“ nun als Theaterstück aufgeführt – mit großem Erfolg.

„Stärke durch Disziplin! Stärke durch Gemeinschaft! Stärke durch Aktion! Kommt und werdet Mitglied bei der Welle!“ Es läuft einem schon kalt den Rücken herunter, wenn man das nur hört. Wie muss es einem erst gehen, wenn man das „erlebt“. Schülerinnen und Schüler des Hans und Sophie Scholl-Gymnasiums Ulm haben es „erlebt“. Sie haben das Experiment „Die Welle“, das als Buch ebenso bekannt ist wie als Film, gespielt. Die Theateraufführungen wurden ein voller Erfolg, und das wirkt nach. Netzwerkern ist die Schule übrigens bekannt. Von ihr stammt das Projekt „Flugblätter für heute“.

 

Adrenalin! Aufregung! Lampenfieber! – Und dann, eindreiviertel Stunden später: der Schlussapplaus!
Ein Bericht des Schülers Tobias Hölzer, Klasse 9 fs, 17.7.08

„Stärke durch Disziplin“
„Stärke durch Gemeinschaft“
„Stärke durch Aktion“

Diese Rufe schallten an zwei Sommerabenden Ende Juni lautstark durch das “Alte Theater“. Was sich zuerst anhörte wie ein Workshop für bessere Teamarbeit, ist eigentlich nichts anderes als ein Theaterstück, das diesjährige Projekt der Theater AG des Hans und Sophie Scholl-Gymnasiums.
Die Geschichte, deren Bekanntheitsgrad nicht zuletzt durch den gleichnamigen Kinofilm sehr hoch ist, riss uns, elf Schülerinnen und Schüler von Klasse 9-11, von Anfang an mit, denn es war kein „dicker Wälzer“ von Goethe oder Schiller, sondern etwas durchaus Aktuelles, bei dem es um die Verführbarkeit von Jugendlichen geht.

Nachdem die Rollen verteilt waren, begannen wir im Herbst unter der Leitung von Frau Katz und Frau Andritsch mit dem Projekt „Die Welle“. Wegen anfänglichem Personalmangel mussten leider Rollen teilweise oder ganz gestrichen werden, hinzu kamen die üblichen Startschwierigkeiten; der Anfang eines langen Weges war holperig, aber getan, das Projekt hatte begonnen!

Einige Wochen und ein paar Szenen später, in denen mir schon klar wurde, dass die mir zugewiesene Rolle des Lehrers Ben Ross doch mehr Arbeit bedeutete als Text zu lernen und diesen dann aufzusagen, kam dann eine unerwartete Anfrage der Stadt Ulm, ob wir einige Szenen aus dem Stück bei der Eröffnung der Ausstellung im Stadthaus „Die Mörder sind unter uns“ spielen könnten. Frau Katz sagte im Namen der Theater AG zu und schon ging das Proben für unseren „Mini-Auftritt“ los. Das Projekt lief.
Die Aufführung im Stadthaus war für die neuen Mitglieder der Theater AG, und somit auch für mich, eine erste Kostprobe von Lampenfieber und Bühnenfeeling und bleibt als durchaus positive Erinnerung.
Danach gingen die Proben weiter, mal recht, mal schlecht und wir bewahrten trotz anhaltender Mahnungen beider Lehrerinnen erstaunlich viel Ruhe!!! Das Projekt entwickelte sich.
Nach den Pfingstferien kamen wir dann in die entscheidende Phase. Es ging mit einem Probenwochenende los, an dem schon zu erkennen war, dass es da noch einiges zu feilen gab. Nun wurden auch die Warnungen der beiden Lehrerinnen heftiger und eindringlicher und ganz allmählich kam davon auch bei uns etwas an. Irgendwann wurde dann allen endgültig klar, dass die Entwicklung der Schüler und des Lehrers von einer harmlosen High School-Klasse zu einer gefährlichen Massenbewegung deutlicher herauskommen musste. Dabei konnten wir immer wieder kleinerer Erfolge verzeichnen, bei mir war es die sich steigernde Autorität des Lehrers. Die Gemüter waren erhitzt, auch weil wir alle durch viele Klassenarbeiten doppelt belastet waren.
Noch drei Proben, noch zwei. Nun hieß es die Werbetrommel zu rühren und die Schülerschaft wissen zu lassen, wann und wo das Stück aufgeführt wird.
Hauptprobe, 5 Tage vor der Premiere: Schock! Durch einen Fehler im Belegungsplan des Theaters mussten wir in einen Klassenraum ausweichen. So kurz vor der Premiere war das ein Schlag ins Kontor.
Generalprobe einen Tag vor der Premiere: viele sagen ja, dass die Generalprobe schief gehen muss, damit die Premiere gut läuft. Am Mittag des 23. 6. 2008 hofften elf Schüler und zwei Lehrerinnen, dass dies auch stimmt. Die Probe war - milde ausgedrückt – holperig. Das Projekt war fast zu Ende.
Premiere: Dienstag, der 24. 6. 2008.
Adrenalin! Aufregung und Lampenfieber waren da, aber als wir dann um kurz nach halb acht auf der Bühne standen, waren bei mir persönlich, und ich denke hier kann ich stellvertretend für die ganze Gruppe sprechen, auch diese überwunden.
Eindreiviertel Stunden später kam der Schlussapplaus! Ein Glücksgefühl!
Ich denke, am Ende waren alle zufrieden. Ein langer und steiniger Weg war hier fast zu Ende, dessen Schlusspunkt die zweite Aufführung am folgenden Freitag darstellte. Das Projekt war beendet.

Sicher muss man hier noch mal nachhaken. „Die Welle“? Faschismus? Drittes Reich? Hans und Sophie Scholl-Gymnasium? Geschwister Scholl? Die weiß Rose? Da war doch was. Über das ganze Jahr hatte sich die Gruppe mit dem Stück beschäftigt. Sicher ist da eine Identifikation mit der Schule vorhanden. Und vielleicht ist es ja gerade die hohe Aktualität des Themas, die Schülernähe des Stückes und für uns die Zugehörigkeit zum Scholl-Gymnasium, die dieses Stück für uns ein ganz kleines bisschen von den anderen unterscheidet.

Zum Schluss geht ein herzlicher Dank an die beiden wohl geduldigsten Lehrerinnen der Welt, Frau Katz und Frau Andritsch, aber auch an alle Mitglieder der Theater AG, die das ganze Jahr über und vor allem auf der Bühne ihr Bestes gegeben haben!

Zeitungsausschnitte (2,20 MByte)

Homepage der Schule: www.hss.schule.ulm.de



http://www.weisse-rose-stiftung.de/netzwerk/public_html/article.php?story=20080715124030453