Netzwerk Weiße Rose   Zitat Dr. Richard Wizsäcker

Kerzen, Flugblätter und eine Todesanzeige

  

Die Geschwister-Scholl-Realschule Betzdorf (Rheinland-Pfalz) fühlt sich nicht nur ihrem Namen verpflichtet, sondern auch ihrer Auszeichnung als SOR-Schule. Darum tut sie viel gegen Ausländerfeindlichkeit und für das Erinnern. Mit Flugblätter wie ihre Namensgeber – und einer Todesanzeige.

Jahr für Jahr erinnern Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule Betzdorf an Hans und Sophie Scholl. Als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SOR) ist es für sie selbstverständlich, dabei auch auf aktuelle Probleme der Ausländerfeindlichkeit aufmerksam zu machen. Keine Gegenwart, keine Zukunft ohne Vergangenheit. Das wissen sie.

Zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus hatten sich Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule in diesem Jahr etwas Besonderes ausgedacht: Eine Reihe mit Kerzen lenkte den Blick der Mitschüler zum Kunstwerk auf dem Schulhof: „Man befindet sich stets in der Mitte eines Weges, in der Mitte von etwas“. Den Weg, den die Schüler einschlagen wollen, haben sie mit Hilfe von Flugblättern demonstriert, die auch an jeder Klassentür hingen. Und in allen Klassenräumen hing eine Todesanzeige für Hans und Sophie Scholl, die vor 65 Jahren ermordet wurden.



Schon früh am Morgen geisterte das Vorbereitungsteam der Schule ohne Rassismus durch die Schule, um an jede Klassentür ihr Flugblatt zu kleben. Darauf zu lesen sind die Inhalte des Vertrages, den jeder Schüler der Schule unterschrieben hat: Nein zu Diskriminierungen, zur Anfeindung von Juden, zur Behandlung von Ausländern und Aussiedlern als Menschen zweiter Klasse, zur Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen, zur Gewalttätigkeit durch Worte oder Taten und zu Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffen. Als Schule ohne Rassismus setzen die Schüler sich für eine gewaltfreie Austragung von Konflikten, für ein friedliches Zusammenleben und für gegenseitige Achtung ein. „Wichtig ist es, auch die jüngeren Schüler immer wieder auf unseren Vertrag aufmerksam zu machen, damit der Gedanke der Schule ohne Rassismus auch weitergetragen werden kann“, so die Lehrerin Julia Schmidl, die mit ihrem Vorbereitungsteam die Aktion gestartet hat. Das Team bediente sich bewusst der Methoden von Hans und Sophie Scholl: „Auch wir können mit unseren Flugblättern viel erreichen, es besteht immer die Gefahr, dass wir vergessen, was damals geschehen ist, und das wollen wir als Schule ohne Rassismus verhindern.“

Um der Aktion besonderen Nachdruck zu verleihen, hing in jedem Klassenzimmer diese Todesanzeige für Hans und Sophie Scholl:

Am 9. November des vergangen Jahres, dem Jahrestag der Reichspogromnacht 1938 und des Falls der Berliner Mauer 1989, verbanden die Schülerinnen und Schüler die Erinnerung an beide Ereignisse auf besondere Weise. Sie errichteten eine „Mauer gegen Rassismus“. „Rufmord“ steht auf einem Stein, Hass, Gewalt und Diktatur auf anderen. Mit Wucht und sichtlichem Vergnügen rissen Schülerinnen und Schüler die Mauer ein:

Homepage der Schule: www.gsr-betzdorf.de

 

Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V. Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V.