Netzwerk Weiße Rose   Zitat Dr. Richard Wizsäcker

Das Netzwerk wächst

  

Vom 17. bis zum 21.9.08 trafen sich auf Einladung der Weiße Rose Stiftung e.V. und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Schüler, Lehrer und Experten zur zweiten Projektwoche „Netzwerk Weiße Rose“. Die Veranstaltung fand in den Räumen der Ludwig-Maximilians-Universität München statt. Beteiligt waren das Geschwister-Scholl-Gymnasium Münster, die Sophie-Scholl-Oberschule Berlin und das Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben.



Die Schulen und ihre Projekte

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium Münster, bei dem Treffen vertreten durch Frau Gisela Pauge und die Schüler Burak Cetinkaya und Christoph Hartmann, ist die erste Schule in NRW mit einer Schülerstiftung. Diese Stiftung hat den Namen „Courage Schülerstiftung – Schüler setzen Zeichen“. In ihr engagieren sich Schüler für Schüler, aber auch für das gesellschaftliche Umfeld im sozialen Brennpunkt Münster-Kinderhaus, in dem sie leben. Sie definieren ihre Ziele eigenständig und organisieren und motivieren sich selbst. Wie stark dieses Engagement vom Klima der Schule getragen ist, die seit 10 Jahren ihren Namen zum Programm gemacht hat, betonen die Schüler nicht ohne Stolz.

Die Sophie-Scholl-Oberschule Berlin trägt ihren Namen seit Dezember 1945. Sie steht auf einem Gelände, auf dem russische Zwangsarbeiter während des zweiten Weltkriegs einen Bunker bauen und in ihm leben mussten. Inzwischen erfüllt die Schule diesen Bunker mit Leben. Er ist ein Ausstellungsort und ein Ort der Begegnung mit den ehemaligen Zwangsarbeitern geworden. Dieser Hintergrund spiegelt sich in dem Projekt „Früher ein Bunker – heute ein Ort der Erinnerung“. Bodo Förster und die beiden Schülerinnen Darinka Antic und Lisa-Marie Urban stellten es vor. Sie beschrieben die historischen Zusammenhänge, das pädagogische Konzept und in den Ergebnissen des Arbeitskreises „Geschichte und Kunst“ anhand von Installationen der Ausstellung „Innen und Außen“.

Das Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben war vertreten durch Heinz Mayer und die Schüler Lida Brandl und Felix Popp. Seit einigen Jahren gehen Schüler und Lehrer ihres Gymnasiums der Frage nach: Was war eigentlich los hier in Markt Schwaben während der Nazizeit. Wie haben sich die Menschen am Ort verhalten. Seither entstehen jährlich in engagierten Schülerrecherchen Beiträge zum Thema „Vergessener Widerstand“. In ihnen werden Lebensgeschichten von Menschen aufgespürt und dargestellt, die den Mut hatten, sich anders zu verhalten und Widerstand im Alltag zu leben.

 

Wir und die anderen

Die Diskussion der vorgestellten Projekte machte rasch deutlich: Schülerinitiativen mit zivilem Engagement entstehen immer dann, wenn die Schule das nötige Klima schafft, wenn Toleranz und Interesse den Umgang miteinander bestimmen, wenn das eigene gesellschaftliche Umfeld mit reflektiert wird und wenn die Projekte des Engagements bekannt gemacht und anerkannt werden.

Spontan vereinbarten die Teilnehmer der Projektwoche, miteinander in Kontakt zu bleiben, einander über Vorhaben und Ergebnisse zu informieren und einander zu besuchen. Darüber hinaus besteht die Absicht, Kontakt mit anderen im Netzwerk dargestellten Projekten aufzunehmen, die sich wie das Projekt „Vergessener Widerstand“ gegen ähnliche lokale politische Schwierigkeiten durchsetzen mussten, als Beispiel das Projekt „Rechts um - und ab durch die Mitte“ oder als Beispiel das Projekt „Fit für den verbalen Schlagabtausch“ für Schulen, die wie etwa das Geschwister-Scholl-Gymnasium Münster ähnliche Ziele verfolgen.

 

Perspektiven des Netzwerks

Einig war man sich in der Diskussion darüber, dass ein lebendiges Netzwerk beides braucht: die Präsentation und Diskussion der Projekte im „Netz“ und die persönliche Begegnung und den unmittelbaren Austausch der Projektträger untereinander. Kontinuität aber muss vor allem dadurch hergestellt werden, dass die engagierten Lehrerinnen und Lehrer, die im Gegensatz zu den Schülern an der Schule bleiben, Anregung, Unterstützung und Anerkennung für ihre Projektarbeit mit den Schülern erhalten.

 

Förderung, Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit

Wie im vergangenen Jahr stand Jörg Busenbender, Unternehmensberater aus Berlin, zur Verfügung, um in einem gleichermaßen systematischen und pragmatischen Ansatz Möglichkeiten und Voraussetzungen finanzieller Förderung von Projekten aufzuzeigen. Seine Darlegungen sind im Netz nachlesbar.

Das Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit griff Michael Grill, Journalist und früherer Pressesprecher, aus München auf. Konkret und anschaulich beschrieb er den jungen Teilnehmern die realen Arbeitsbedingungen, unter denen Redakteure heute Themen und Beiträge wählen. Nur wer diese Bedingungen kennt und berücksichtigt, hat eine Chance, in der Zeitung wahrgenommen zu werden. Konkret, anschaulich, Anlass- oder Personen-bezogen müssen die Pressemitteilungen sein. Nur wenn sie den Wunsch nach mehr Information auslösen, sind sie gut. Anhand der Internettexte, mit denen sich die einzelnen Projekte im Netz vorgestellt haben, machte der Profi Vorschläge zur Professionalisierung der Präsentation. Generell wies Michael Grill darauf hin, dass nicht alle Kraft ins Projekt fließen dürfe, sondern immer ein Teil des Engagements und der verfügbaren Zeit in die Öffentlichkeitsarbeit fließen müsse. Jede Schule und jedes Projekt muss über einen einschlägigen Presseverteiler verfügen. Die Pressevertreter sollten in schriftlichen Einladungen knapp und attraktiv den Sachverhalt erfahren und darüber hinaus durch einen Link auf die Internetseite des Projekts und der Schule hingewiesen werden.

 

Rahmenprogramm

Die Führung durch die DenkStätte Weiße Rose und die Besichtigung des Films von Katrin Seybold „Die Widerständigen – Zeugen der Weißen Rose“ bildeten den Bezug des Treffens zur veranstaltenden Weiße Rose Stiftung e.V. Abendeinladungen durch die Bayerische Landeszentrale und die Weiße Rose Stiftung e.V. schufen den kulinarischen Rahmen des Treffens.

 

Fazit

Das Treffen hat gezeigt: Das Netzwerk kommt an. Der Wunsch nach weiteren Begegnungen ist groß, das Netzwerk soll weiter wachsen. Die Weiße Rose Stiftung e.V. freut sich über jedes neue Projekt, das zum Netzwerk passt. Dabei liegt der Fokus besonders auf Namenträgerschulen.

 

Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V. Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V.