Wenn einer mehr tut, als er muss

Montag, 12. Januar 2009, 13:02 Uhr

Dem Geschwister-Scholl-Gymnasium Bützow (Mecklenburg-Vorpommern) geht es nicht nur um ihr Land, sondern auch um die Welt.

Bützow ist eine kleine Stadt mit großer Vergangenheit. So stellt sich die Stadt in Mecklenburg-Vorpommern selbst vor. Zur großen Vergangenheit gehören auch dunkle Seiten. Wie in vielen Städten mussten auch in Bützow während der Nazi-Zeit Frauen und Männer aus Polen und der Sowjetunion rüstungsrelevante Zwangsarbeit leisten, wie in vielen anderen Städten wurde hier der jüdische Friedhof geschändet. Auch die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen sind hier nicht vergessen, obwohl das schon siebzehn Jahre her ist. Für die Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasium Bützow ist die Erinnerung selbstverständlich. Und ebenso das Handeln. Das liegt auch an den Namensträgern der Schule, den Geschwistern Scholl.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Schule, tief in der damaligen DDR gelegen, ihren Namen, weil die jungen Leute Vorbilder suchten. Vorbilder, die sie in Hans und Sophie Scholl fanden. Sie wählten die Geschwister Scholl, weil sie unter der Naziherrschaft den Mut hatten, „die Verbrechen des Regimes anzuprangern, weil sie es gewagt hatten, der Goebbel’schen Propaganda-Maschinerie zu widersprechen“, wie es auf der Homepage der Schule heißt.

Jedes Jahr gibt es im Januar eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus. Sie wird von den Schülerinnen und Schülern der Klasse 10 vorbereitet. Jedes Jahr machen sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 mit dem Leben und Wirken der Geschwister Scholl und der Weißen Rose vertraut. Sie hören Vorträge, sie sehen Videos, sie führen Gespräche über die damalige Zeit. Ein Jahr später folgt ein spezieller Projekttag. In Deutsch und Geschichte geht es dann um Gewalt, Rechtsradikalismus und Faschismus.

„Alles Große der Welt geschieht nur, weil einer mehr tut, als er muss.“ Dieses Motto, gewählt von einem Schüler des Gymnasiums, gilt nicht nur für die Geschichte, sondern auch für die Gegenwart. Es gilt nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt. So sieht es die Schule. Die Schüler befassen sich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit dem Heute. Sie befassen sich nicht nur mit Deutschland. Sie befassen sich auch mit der Welt.

Mit Frankreich zum Beispiel, weil in Bützow Hugenotten leben, die aufgrund religiöser Verbote seinerzeit aus Frankreich geflohen waren und sich auch hier niedergelassen haben.
Mit Weißrussland zum Beispiel, weil die Schüler dort ein Pflegeheim unterstützen. Mit Ghana zum Beispiel, um Solidarität mit den Kindern zu üben, die kaum Bildungschancen haben:

Homepage der Schule: http://www.gymnasiumbuetzow.de/



http://www.weisse-rose-stiftung.de/netzwerk/public_html/article.php?story=20090112130218792