Netzwerk Weiße Rose   Zitat Dr. Richard Wizsäcker

Eine Namensträgerschule im Anmarsch

  

Noch heißt die Schule Santa Maria im bayerischen Oberjoch offiziell nicht Sophie-Scholl-Schule. Aber bald. Denn sie will ihrer bildungspolitischen Ausrichtung einen Namen geben.

Es geht um die „Schule für Körperbehinderte und Kranke an der Klinik Santa Maria Oberjoch“. Das wird sie auch bleiben, die katholische Jugendfürsorge ist ihr Träger. Daran wird sich nichts ändern. Aber am Namen. Seit dem 2. Juni 2008 nennt sich die Schule schon Sophie-Scholl-Schule, Anfang März wird die Namensänderung offiziell gefeiert. Und damit sind wir schon bei der Geschichte. Denn von jeher hat sich die Schule in Deutschlands höchsten Berg- und Skiort, einem Kurort Bayerns, für politische Bildung interessiert, und immer mehr hat sie sich dafür eingesetzt – und Preise bekommen. Zuletzt im November den Simon-Snopkowksi-Preis 2008. Für ihr Projekt zum Thema: „Krieg und Frieden – Nazideutschland“ der Klasse 3/4.



Viel Prominenz war gekommen, um bei der Preisverleihung dabei zu sein. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, Kardinal Friedrich Wetter, Kultusminister Ludwig Spaenle, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude und der frühere Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel. Seehofer nannte das Projekt eine „Spitzenleistung“, und auch die anderen sparten nicht mit Lob. Simon Snopkowski hatte die Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition gegründet, deren Vorsitzender viele Jahre war. Überdies war er lange Zeit Vorsitzender und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und, wie Seehofer betonte, einer der engagiertesten Kämpfer gegen Unwissenheit, Vorurteile und Rassismus. Dagegen kämpfen auch die Schüler der Sophie-Scholl-Schule Oberjoch.

Auslöser des Projekts war die Begegnung eines Schülers mit Neonazis. Als er davon erzählte, stellte sich heraus, dass viele Schüler etwas zum Thema sagen konnten. Das Projekt entstand. Mit kreativem Schreiben. Die Schüler sollten sich vorstellen, wie es ist, ein jüdisches Kind zu sein, eine jüdische Frau, ein jüdischer Mann. Und so lautet das Fazit der Schüler: „Wir finden wichtig, dass wir in der Schule in Oberjoch das Projektthema ‚Hitler und die Neonazis’ gemacht haben, weil wir nicht auf die Tricks von solchen Leuten hereinfallen möchten. Wir sind froh, dass die Lehrer hier an solchen Themen mit uns arbeiten und sich wirklich sehr viel Mühe machen.“

Seit Jahren schon ist projektbezogenes Lernen wesentlicher Bestandteil der Schule. Für alle Klassen, von der ersten bis zur 13.

Weihnachten 2008 erst stand das Projekt Kinderrechte auf dem Programm. Die Kinder der Klassen eins bis drei lernten, dass nicht alle Kinder dieser Welt genug zu essen bekommen. So buken sie Lebkuchen, verpackten sie schön und verkauften sie selbst. Für ihre Partnerschule in Afrika. „Lecker, knusprig, fein! Kauft einen Lebkuchen für die Menschenrechte ein“, lautete ihr Werbespruch. Und das funktionierte.

„Alle Kinder sollen Kinderrechte haben“, findet Peter Lösing aus der 3. Klasse. Und Leonie Duda aus der 1. Klasse sagt: „Das hat mir gut gefallen.“

Doch nicht nur Kinderrechte wurden im Advent 2008 thematisiert, sondern alle Menschenrechte, denn im Jahr 2008 hatte sich die Erklärung der Menschenrechte zum 60. Mal gejährt. Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen beteiligten sich an dem Projekt. Entstanden ist der „Kalender zu den Menschenrechten 2009“:

Früh schon wurde das Engagement der Schule ausgezeichnet. 2003 erhielt sie den Sonderpreis des „i.s.i.“, einen Innovationspreis für die besondere Qualität von Unterricht und Erziehung. Am 20. Juni 2008 folgte der „Goldene Floh“, der „Oskar für die Schule“, ein Bundesförderpreis für Grundschulen. Bei der Preisverleihung in Berlin präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihr Projekt „Krieg und Frieden – Nazi-Deutschland“, für das sie schließlich den Simon-Snopkowksi-Preis bekamen.

Homepage der Schule: http://www.santa-maria.de

 

Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V. Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V.