"Es lebe die Freiheit" - das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Freiberg (Sachsen) trägt seinen Namen seit 60 Jahren

Samstag, 10. Oktober 2009, 11:54 Uhr

Eine der ältesten Namensträger-Schulen feierte Jubiläum. Seit September 1949 erinnert das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Freiberg mit seinem Namen an die Weiße Rose und den Widerstand gegen Hitler.

Eine großartige Tatsache, wenn man bedenkt, dass dies bereits gut 4 Jahre nach Kriegsende und in der damals neu gegründeten DDR stattgefunden hat.
Mit einem aufwändigen Programm für alle Schüler und interessierte Freiberger Bürger – u.a. wurde die Wanderausstellung der Weißen Rose Stiftung e.V. gezeigt – erinnerte die Schule nun an die Namensgebung vor 60 Jahren.

Vom 16.9.09 bis 3.10.09 feierte das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Freiberg. Zwei Tage vor der Festveranstaltung am 18.9. erinnerten die Schulleiterin und Schüler mit einem offenen Brief und Flugblattaktionen an die Geschwister Scholl, die Weiße Rose und ihre Ideale.

Die Festveranstaltung wurde für die Schüler der einzelnen Jahrgangsstufen unterschiedlich gestaltet. Die 9. Klassen nahmen an der Festveranstaltung teil mit Reden des zweiten Bürgermeisters von Freiberg Sven Krüger und des Schulleiters Herrn Albrecht. Umrahmt wurden die Veranstaltung und die Eröffnung der Ausstellung mit einem literarisch-künstlerischen Programm der 12. Klasse.
Die 10. und 11. Klassen sahen den Film „Sopie Scholl – die letzten Tage“, die 12. Jahrgangsstufe hörte Lesungen aus Tagebucheinträgen Sophie Scholls und sah Ausschnitte aus Zeitzeugendokumentationen.
Für die 8. Klassen lasen gleichaltrige SchülerInnen der Theater-AG, wurden – ebenfalls von gleichaltrigen Schülerinnen und Schülern – Kurzvorträge über Hans und Sophie Scholl und die Widerstandsgruppe Weiße Rose gehalten. Zudem sahen sie Ausschnitte aus dem Film „Die Weiße Rose“.

In der Zeit zwischen dem 21.9.09 und dem 2.10.09 sahen alle Schüler die Ausstellung. Die Schüler sollten sich „altersspezifisch angemessen mit der Thematik beschäftigen“, und so arbeiteten SchülerInnen der 12. Jahrgangsstufe mit Jüngeren und einige SchülerInnen der 7. Klassen lasen für Gleichaltrige.

Am 3.10.09 gab es einen Treff der Generationen. Die Ausstellung war für ehemalige Schüler und für interessierte Freiberger Bürger geöffnet.

Festgehalten wurden das Programm und viele Eindrücke der Jubiläumsveranstaltungen in einem Erinnerungsbuch „Nachdenken“, mit dem die Erinnerung an die Namensgebung 1949 auch in kommenden Schülergenerationen wach gehalten werden soll.



Auszüge aus Schülermeinungen in der Nachbereitung zur Festveranstaltung

Das Theaterstück ... war ein starker Ausruf und hat einen in die Lage von Hans und Sophie Scholl hineinversetzt. Die Worte von Herrn Albrecht und Bürgermeister Herrn Krüger für Bildung und Finanzen in Freiberg gaben einen gelungenen Einstieg. Es läuft uns jedes Mal kalt den Rücken hinunter, wenn wir an das schreckliche Schicksal von Hans und Sophie Scholl denken. Sie sind ein Symbol für Widerstand und Volkskraft, an dem wir gerne festhalten. Der heutige Tag wird uns auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.
Julia Bretschneider und Jessy Harwardt

Schon oft sahen wir uns in der Schule mit dem Thema Weiße Rose konfrontiert. An vielen Stellen des Gebäudes findet man Anregungen zum Nachdenken, z. B. Flugblätter. Wir finden, dass das Thema auch heute noch aktuell ist, denn noch immer gibt es rechte Parteien in Deutschland.
Jonas Duteloff, Ludwig Kaulen, Domenic Dittrich

Unsere Schule wurde nach den Geschwistern Scholl benannt, weil sie wahnsinnig mutig waren und für Freiheit und Menschenrechte und trotz der Gefahr gegen die Diktatur Hitlers kämpften. Der Wille und die Leistung der Geschwister Scholl spornen und selber an, auch etwas Gutes für unsre Welt zu tun!
Claudia Voigtländer und Sofia Tsoulfa

Hans gründete die Weiße Rose, aber er erzählte seiner Schwester nichts davon, da er sie schützen wollte, denn es war sehr gefährlich. ... Die Geschwister Scholl waren sehr mutig und änderten ihre Meinung auch nicht im Angesicht des Todes.
Konrad Volkmann

Zur Ehrung dieses Mutes wurde unsere Schule so benannt. Es ist wie ein Denkmal für die Zukunft.
Philipp Hochstein

Ich finde es gut, dass unser Scholl-Gymmi den Namen bekommen hat. Es ist auch gut zu wissen, was damals passiert war und dass es Leute gibt, die wie Hans und Sophie waren. Es lebe die Freiheit!
Alexander Müller

Es ist faszinierend, wie sich Hans und Sophie Scholl eingesetzt haben. Sie haben damit großen Mut bewiesen. Sie haben sich in Lebensgefahr begeben, um die Welt zu ändern. Hans und Sophie Scholl werden durch ihre Taten immer in Erinnerung bleiben.
F. Storch, J. Henker, J. Schulz

Die Geschwister Scholl gaben ihr Leben für unsere Freiheit. ... Sie sollten ein Zeichen für uns setzen, die Meinung offen zu äußern und zu verbreiten. Bei uns gibt es jetzt anonymere Möglichkeiten, seine Meinung zu äußern, doch die Geschwister Scholl haben sich gezeigt und sind so ein hohes Risiko eingegangen; gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Weißen Rose verteilten sie Flugblätter in der Öffentlichkeit. ... Wir sollten sie als Meilenstein erkennen, ihrer Hinrichtung gedenken. Gegen eine Meinung seine eigene Meinung entgegenzubringen, ist eine große Leistung.
Saskia Lange

Freiberger Flugblatt (427 KByte)

Offener Brief an die SchülerInnen von Isolde Lomatzsch, Fachleiterin im künstlerischen Profil (459 KByte)

Rede von Sven Krüger, 2. Bürgermeister in Freiberg (111 KByte)

Pressestimmen zum Jubiläum in Freiberg (1037 KByte)

Weitere bereits im Netzwerk Weiße Rose vorgestellte Projekte aus Freiberg:
Die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe

Homepage der Schule: www.schollgymnasium.de



http://www.weisse-rose-stiftung.de/netzwerk/public_html/article.php?story=20091102115415225