Netzwerk Weiße Rose   Zitat Dr. Richard Wizsäcker

Probleme mit Engeln und Helden?

  

Die Klasse 8a der Bischof-Riccabona-Volksschule in Wallersdorf beteiligte sich am Geschichtswettbewerb 2009 des Bundespräsidenten, der unter dem Motto stand: „Helden verehrt – verkannt – vergessen“.
Die Schülerinnen und Schüler machten sich auf die Suche nach Helden in ihrer Umgebung ... und wurden fündig!

Am Anfang stand die Frage: „Wer sind eigentlich unsere Helden?“ Die SchülerInnen sammelten Vorschläge – Harry Potter, Piloten, Sportler. Aber, sind das wirklich Helden? Zweifel kamen auf.



Eine Definition des Wortes „Held“ musste gefunden werden und ein Fachmann wurde befragt.

Prof. Peter Steinbach, der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin lieferte einige Anhaltspunkte. Er sagte: „Ich habe immer ganz große Probleme mit Engeln und mit Helden. Beide sind nicht aus dieser Welt [...]

  • Helden sind keine Engel, sie haben auch menschliche Schwächen.
  • Der Held muss die Wirklichkeit bewusst sehen, was um ihn herum passiert.
  • Er muss die Dinge durchschauen, warum das so ist.
  • Er muss Mut und Kraft haben und darf kein Duckmäuser sein.
  • Er muss sich über Ungerechtigkeiten und böse Taten aufregen und sich empören.
  • Er muss für sich entscheiden, etwas dagegen zu unternehmen.
  • Er muss bereit sein, sein Leben zu riskieren.“

Harry Potter, Sportler und Piloten haben mit diesen Punkten wenig gemeinsam. Die SchülerInnen stellten fest, dass sie keine echten Helden kennen. Und so suchten sie über einen Artikel in der örtlichen Tageszeitung (Passauer Neue Presse) einen vergessenen Helden ...

... und fanden Josef Schlappinger, der im Chaos der letzten Kriegstage KZ-Häftlinge des KZ-Außenlagers Ganacker in der Erlau versteckte und damit seine ganze Familie in Gefahr brachte.

Die Schülerinnen und Schüler recherchierten systematisch und fanden Josef Schlappingers Tochter Hilde Plenk, die sich schließlich als Zeitzeugin zur Verfügung stellte.
Außerdem suchten die Achtklässler historisches Material über das KZ-Außenlager, besuchten die Orte des Geschehens, sprachen mit ehemaligen KZ-Häftlingen über die Behandlung der Häftlinge im KZ, sichteten die Materialien von Frau Plenk und führten ein langes Interview mit ihr, das sie auch aufzeichnen durften. Schließlich baten sie einen ehemaligen Richter des Amtsgerichts Landau, die Heldentat Josef Schlappingers juristisch einzuordnen und erfuhren dabei viel über die Praxis der Rechtsprechung der NS-Zeit.

 

Ergebnisse der Arbeit

Einen echten Helden hatten die Schülerinnen und Schüler nun gefunden – und vieles über das Ende des Dritten Reiches erfahren. Josef Schlappinger ist 1988 gestorben, ein Held „zum Anfassen“ ist er also auch nicht mehr. Wie aber kann das Andenken an ihn bewahrt werden? Dazu hatten die Schüler eine Reihe von guten Ideen:

  • Sie hielten am Grab Schlappingers eine Totenehrung und gedachten seiner Heldentat.
  • Sie verfassten einen Eintrag über Josef Schlappinger im Regiowiki der Passauer Neuen Presse.
  • Da der Wohnort Schlappingers an der Grenze der Gemeinden Landau a.d. Isar und Wallersdorf liegt, schlugen sie dem Stadtrat von Landau a.d. Isar vor, eine Straße des Isarmooses in der ehemaligen Gemeinde Zeholfing nach Josef Schlappinger zu benennen.
  • Sie präsentierten ihre Forschungsergebnisse.

 

Prämierung

So viel Engagement und gute Ideen, das muss belohnt werden. So dachten auch die Juroren des Geschichtswettbewerbs und verliehen den Achtklässlern einen 1. Preis als Landessieger, dotiert mit 250 ¤, und einen 3. Preis auf Bundesebene mit einem Preisgeld von 500 ¤.

 

Und wie geht es weiter?

Der Eingang des Antrages auf die Umbenennung einer Straße wurde von der Stadt bestätigt und darauf hingewiesen, dass bei der Neubenennung einer Straße der Vorschlag Berücksichtigung finden werde. Man darf also gespannt sein.

Darüber hinaus bekamen die Schülerinnen und Schüler eine Reihe von Rückmeldungen: Es meldeten sich zwei führende Tageszeitungen aus dem Raum München, ein Redakteur des Bayerischen Rundfunks für eine geplante Sendereihe „Kriegskinder“, außerdem hörten sie schon zweimal vom Ostbayernjournal des Bayerischen Rundfunks.
Der Prozess des Projektes wurde laufend von der örtlichen Presse verfolgt und darüber berichtet.
Besonders gefreut haben sich die SchülerInnen auch über einige sehr positive Resonanzen, die sie per E-mail erreichten und die den Schülern gratulierten und sich über Hintergründe informierten.

 

 

Mehr zum Projekt:
http://www.vswallersdorf.de/Helden.htm
http://regiowiki.pnp.de/index.php/Josef_Schlappinger

Homepage der Schule: http://www.vswallersdorf.de

 

Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V. Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V.