Netzwerk Weiße Rose   Zitat Dr. Richard Wizsäcker

Ein Projekt sucht Nachahmer

  

Am 13.11.09 diskutierten die Schüler mehrerer Schulen, ob und wie weit sie das Modell der Schülerstiftung aus Münster an ihren Schulen umsetzen können – und kamen zu interessanten Ergebnissen.

Schon im Juni 2009 hatten sich die Lehrer der beteiligten Schulen getroffen, um über das Projekt einer Schülerstiftung mehr zu erfahren und zu überlegen, wie sie es auf ihre Schulen anwenden können. Die Chance für eine Adaption des Modells sahen die Lehrer damals jedoch nur über den unmittelbaren Kontakt zu den Schülervertretern ihrer Schulen. Und so war es nur konsequent, dass sich Lehrer und Schüler trafen, um gemeinsam weitere Schritte zu überlegen.



Am 13.11.2009 stellten Ranjana Häuser, Anne Asmacher und Paula Knöfler aus Münster ihr Projekt der Schülerstiftung vor. Außerdem waren Schülerinnen und Schüler angereist des Christoph-Probst-Gymnasiums in Gilching, des Franz-Marc-Gymnasiums in Markt Schwaben, des Gymnasiums Kirchheim, des Hans-Carossa-Gymnasiums in Landshut, des Katharinen Gymnasiums in Ingolstadt, des Kurt-Huber-Gymnasiums in Gräfelfing sowie des St.-Anna-Gymnasiums München.

Bereits bei der Vorstellung der Schüler und ihrer Schulen fiel ein „Nord-Süd-Gefälle“ auf, das im Lauf des Tages immer wieder konkret und thematisiert wurde. Die Lebenssituation im Norden ist schlechter als im Süden. Anders als gewohnt, ist im Norden eine höhere Armut zu verzeichnen als im Süden.

Als die Schülerinnen aus Münster ihr Modell vorstellten, wurde klar, dass das Projekt gelungen und lebendig ist. Sie erzählten von ihrer Motivation, die Stiftung zu gründen, um einen eigenen Beitrag zur Verbesserung der Chancengleichheit für Schüler in einem sozialen Brennpunkt zu erreichen, sprachen aber auch über Satzung, Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit. Wahrgenommene Chancen beschrieben sie ebenso wie Schwierigkeiten im Alltag.

In der anschließenden Diskussion wurden zunächst einzelne Aspekte aufgegriffen, die die Schülerinnen und Schüler der anderen Schulen besonders interessierten:

  • Wie gelingt die Motivation von Schülern, sich in der Stiftung zu engagieren?
  • Wie funktioniert die interne Kommunikation?
  • Wie entsteht der Kontakt zu den betreuten „Patenkindern“?
  • Wie Wird Kontinuität über die jährlichen Schulabgänge hinaus sichergestellt?

Die Schülerinnen aus Münster beantworteten die Fragen mit Beispielen aus ihrer praktischen Arbeit. Dabei gingen sie auch auf Umwege ein, die man vermeiden kann. Sie beschönigten die Probleme nicht, kamen aber zu dem Ergebnis: Engagement ist wichtig für den Einzelnen, für die Schule und für die Gesellschaft. Es findet Anerkennung und Unterstützung innerhalb und außerhalb der Schule.

Anschließend diskutierten die Schüler, ob und wie weit sie das Modell der Schülerstiftung an der eigenen Schule übernehmen könnten. Die Teilnehmer der Runde stellten fest: Jedes Engagement braucht ein vitales Ziel. Und dieses Ziel ist wesentlich abhängig von den Bedingungen, unter denen Schule stattfindet.

Die Probleme einer Schule im Münchner Norden, wie beim Willi-Graf-Gymnasium, mit hohem Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund und starken sozialen Spannungen, sind andere als die des Kurt-Huber-Gymnasiums in der reichen Gemeinde Gräfelfing oder des Christoph-Probst-Gymnasiums in Gilching, Landkreis Starnberg.
Wieder anders sind die Verhältnisse in einem sozialwissenschaftlich ausgerichteten Gymnasium wie dem Katharinen Gymnasium in Ingolstadt mit starkem inneren Bezug zu sozialpolitischen und gesellschaftlichen Fragen in einem industriellen Umfeld (Audi). Wieder anders die Bedingungen am Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben, in einem regionalem Umfeld, das von den Schülern als deutlich voneinander separierte Zwei-Klassen-Gesellschaft wahrgenommen wird.
In einer „Schule gegen Rassismus“ wie dem Hans-Carossa-Gymnasium in Landshut stellt sich die Lage noch mal anders dar – wie auch beim St.-Anna-Gymnasium in München, wo die Schülervertreter versuchen, neben dem schulischen überhaupt erst ein gesellschaftliches Engagement zu wecken.

Fazit

Keiner der Teilnehmer sah eine Möglichkeit, das Münsteraner Modell in vollem Umfang auf die eigene Schule zu übertragen.
Einige Anregungen nahmen die Schüler aber dennoch mit. So will das Katharinen-Gymnasium in Ingolstadt die Idee aufgreifen, Patenschaften für Grundschüler mit schlechteren Ausgangsbedingungen zu übernehmen. In ähnlicher Weise kann man sich im Willli-Graf-Gymnasium vorstellen, die Startbedingungen benachteiligter Schüler in der Unterstufe ihres eigenen Gymnasiums zu verbessern und insgesamt das Gemeinschaftsgefühl an der Schule zu verbessern. Die Schülervertreter des Kurt-Huber-Gymnasiums wollen versuchen, unter den Mitschülern ein Bewusstsein für ihre privilegierte Situation im Vergleich zu anderen Schulen zu wecken und daraus Ideen für mögliches Engagement ableiten.

Solche Blick- und Bewusstseinsschärfung für individuelle und strukturelle Probleme ist auch das Ziel der anderen beteiligten Schulen. Gerade vor den Ereignissen von Winnenden wird der offene und wache Blick auf Probleme von Mitschülern als dringlich angesehen. Alle Teilnehmer der Veranstaltung bekamen die wichtigsten Informationen aus Münster (Darstellung des Gesamtkonzepts, Wege der Finanzierung, Satzung, etc.) per Mail zugestellt, um daraus übernehmen zu können, was für sie wichtig ist.

Weitere Informationen zum Projekt:

Courage Schülerstiftung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Münster

Schülerstiftung – ein Modell? Lehrertreffen im Juni

Homepages der beteiligten Schulen und Institute:
Geschwister-Scholl-Gymnasium in Münster
Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching
Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben
Gymnasium Kirchheim
Hans-Carossa-Gymnasium in Landshut
Katharinen Gymnasium in Ingolstadt
Kurt-Huber-Gymnasium in Gräfelfing
St.-Anna-Gymnasium München
Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung

 

Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V. Ein Projekt der Weiße Rose Stiftung e.V.