"Ich will nicht umsonst gelebt haben..."

Montag, 18. Januar 2010, 11:08 Uhr

Am 12. Juni 2009 hätte Anne Frank ihren 80. Geburtstag gefeiert. Für das Anne-Frank-Gymnasium in Erding war das Grund genug, diesen Geburtstag am Freitag, den 19. Juni 2009, zu feiern und der Namensgeberin zu gedenken.

Wie aber soll so eine Feier gestaltet werden? Keine leichte Aufgabe. Schulleiterin, Lehrerinnen und Lehrer begannen bereits ein Jahr vorher mit ihren Vorbereitungen. Sie wollten zusammen mit den Schülern einen Tag gestalten, der mit Theaterstücken, Film-Vorführungen, Vorträgen und Zeitzeugengesprächen an das NS-Regime und die Judenverfolgung erinnert – aber es sollte auch eine fröhliche Geburtstagsfeier werden mit Musik, Essen, Trinken und vielen Gästen. Wichtig war der Schulleitung, dass die Aktivitäten von den Schülern selbst gestaltet werden – immer mit der Frage im Hinterkopf, wie Anne Frank sich verhalten würde, wäre sie selbst Schülerin der Schule.

Die Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Jahrgangsstufen näherten sich der Namensgeberin ihrer Schule dann auch ganz unterschiedlich – und am Ende standen nicht nur der Geburtstag mit vielen Aktivitäten, sondern auch Ergebnisse aus verschiedenen Arbeitsgruppen, die bestehen bleiben und der Schule für die Zukunft ein ganz eigenes Gesicht geben.

Anne Frank war 13 Jahre alt, als sie begann, im Versteck ihr Tagebuch zu schreiben. Trotz aller Angst und Unsicherheit zeigten sich in ihren Aufzeichnungen typische Fragen und Probleme einer 13-Jährigen. Daher sollten sich die etwa gleichaltrigen SchülerInnen fragen, „Was hat Anne Frank mit mir zu tun?“
Die Schülerinnen und Schülern erarbeiteten also Klassenprojekte mit den sogenannten Anne-Frank-Botschaftern (das sind ältere SchülerInnen, die die Unterstufenklassen in das Leben Anne Franks einführen); initiiert wurden zudem Kunstprojekte, Lesungen von Schülern unter Anleitung von Lehrerinnen und Lehrern und selbst konzipierte Ausstellungen. Das Theater der Oberstufe zeigte eine Eigenproduktion „Ab heute heißt Du Sara“ und eine Postkartenaktion, mit der die Frage „Was hat Anne Frank mit mir zu tun?“ wurde im Vorfeld unter allen Schülern und Schülerinnen durchgeführt.

Die Reflexion des historischen Kontextes und der Ideologie des NS-Regimes sollte durch die Einladung von KünstlerInnen und ReferentInnen angestoßen werden, der Thomas Heppner, der Leiter des Anne-Frank Zentrums Berlin mit der Ausstellung „Anne Frank und ihre Familie“, ebenso folgte, wie Max Mannheimer und Ernst Grube als Zeitzeugen, sowie Vertreterinnen der Israelitischen Kultusgemeinde München und weitere Autoren und Schauspieler.
Heinrich Mayer vom Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben stellte die Ausstellung über den „Todeszug Mühldorf – Seeshaupt – Tutzing“ vor, die von Schülern erarbeitet wurde. Dieser Zug führte unmittelbar nach Kriegsende Häftlinge aus dem KZ-Außenlager Mühldorf durch die Region Erding. Einer der Häftlinge im Zug: der junge Max Mannheimer. (mehr zum Projekt „Vergessener Widerstand“ am Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben)

Da bei der Geburtstagsfeier auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen sollte, übten einige Schülerinnen und Schüler die Zubereitung koscherer Speisen zusammen mit Dinah Zenker von der israelitischen Kultusgemeinde München. Selbstverständlich durften die Speisen dann von allen verkostet werden. … Und auch die jüdische Klezmer-Musik fehlte nicht. Zu einem richtigen Fest gehört schließlich auch Musik!

Die Vorbereitungen zum Anne-Frank-Tag am 19.6.09 brachten zwei große Kunstprojekte hervor, die die Schule auch zukünftig prägen werden. Es entstanden Skulpturen und Gemälde – zur Gestaltung zweier Licht- und Innenhöfe –, die bleibend an den Gedenktag und an Anne Frank erinnern sollen. Unter Anleitung eines ehemaligen Lehrers und mit Hilfe von engagierten Eltern entstand zum einen eine maßgenaue Nachbildung des Zimmers, in dem sich die Familie Frank in Amsterdam versteckt hielt, unter dem Titel „Ein Raum für Anne Frank“ . Diese Nachbildung besteht aus einer Holz-Skulptur für diesen Raum, die mit Tisch, Stuhl und überdimensionalem Tagebuch Anne Franks einzige Freiheit – die des Worts – zeigt.
Ein weiterer Innenhof wurde von einer Gruppe Oberstufenschülern unter Anleitung einer Kunsterzieherin des Gymnasiums mit Bildern, die an Marc Chagall erinnern, und Sitzgelegenheiten in einen Aufenthaltsbereich für die KollegiatInnen verwandelt.

Und die Kosten? All diese Aktivitäten kosten nicht nur Zeit, sondern auch Geld! Der Anne-Frank-Tag und die Kunstprojekte wurden überwiegend durch private Spenden und Leistungen finanziert sowie durch eine außerplanmäßige Unterstützung des Landkreises.

Zeitungsberichte (6,47 MByte)
Zeitplan des Anne-Frank-Tages am 19.06.2009 (17 kByte)

Homepage der Schule: http://www.afg-erding.de



http://www.weisse-rose-stiftung.de/netzwerk/public_html/article.php?story=20100118111512245