Schülerwettbewerb "Kreativer Umgang mit der Weißen Rose" 2013

Mittwoch, 30. Oktober 2013, 13:35 Uhr

Zum 25-jährigen Bestehen der Weiße Rose Stiftung e. V. wurde in Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit der Schülerwettbewerb "Kreativer Umgang mit der Weißen Rose" ausgeschrieben.

Im Zentrum stand die Befassung der Schülerinnen und Schüler mit dem Widerstand der Weißen Rose. Die Verarbeitung der Thematik konnte sowohl zeichnerisch als Graphic Novel oder sonstige Bildgestaltung erfolgen, als auch in Form eines fünf- bis achtminütigen Videos bzw. Hörfeatures. Hinsichtlich der genauen Form und Umsetzung waren keine strengen Vorgaben gemacht, wichtig war allerdings, dass der Wettbewerbsbeitrag der Schülerinnen und Schüler auf einem digitalen Datenträger eingereicht wurde.

Eingereichte Arbeiten für den Schülerwettbewerb
Eingereichte Arbeiten für den Schülerwettbewerb

Die Wettbewerbsbeiträge

Der Schülerwettbewerb wurde von den Schulen überaus positiv aufgenommen. 29 eingereichte Wettbewerbsbeiträge aus den verschiedenen Schulen zeigten eine intensive Befassung mit der studentischen Widerstandsgruppe. Die Schülerinnen und Schüler setzten ihr Wissen in Film- und Radiobeiträgen, in Zeichnungen, Bildbearbeitungen bzw. Graphic Novels kreativ und beeindruckend um.


Die Prämierung der Gewinner

Über die Prämierung der Gewinner entschied eine Fachjury am 16. Mai 2013. Diese befasste sich kritisch und eingehend mit den eingereichten künstlerischen Arbeiten und wählte die Preisträger nach fachlichen Kriterien aus. Für die Jury stellten sich freundlicherweise zur Verfügung: Dr. Sybille Krafft (Filmemacherin und Fernsehredakteurin), Isabella Schmid (Bildungsprojekte Bayerischer Rundfunk - Leitung Stiftung Zuhören), Dr. Reiner Wenrich (Geschäftsführung Museumspädagogisches Zentrum) und Katharina Willimski (Vertretung Landeszentrale für politische Bildungsarbeit); die Weiße Rose Stiftung wurde durch die Vorsitzende Dr. Hildegard Kronawitter vertreten.

Aus den eingesandten Beiträgen wählte die Jury fünf als besonders preiswürdig aus und vergab einen ersten Preis, einen zweiten Preis und drei dritte Preise. Die Preisverleihung fand am 15. Juli 2013 im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus statt und wurde zu einem gut besuchten, fröhlichen Fest mit Laudationes, Vorführung der gekürzten Beiträge, knappen, humorvollen Statements der Gewinner und Übergabe der Urkunden mit den Geldpreisen.


Drei dritte Preise

Mit je einem dritten Preis wurde die Klasse 9b des Feodor-Lynen-Gymnasiums in Planegg, die Schulradio AG der Mittelschule in Markt Indersdorf und die Klasse 9d des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Aschaffenburg ausgezeichnet.

Die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse des Feodor-Lynen-Gymnasiums in Planegg hatten zusammen mit ihrer Lehrerin Katharina Eckl einen Radiobeitrag erarbeitet. Sie nutzten das Medium des Radios wie Laudator Dr. Reiner Wenrich hervorhob, um "in nachgespielten Szenen das große Thema der Freiheit zu transportieren. Man fühlt sich beim Zuhören für einen Moment regelrecht in der Zeit zurückversetzt und ist den Protagonisten der Weißen Rose ganz nah, glaubt ihre Originalstimmen aber auch die ihrer Peiniger zu hören." In Hörspielmanier ließen sie Sophie Scholl den damaligen Oberbürgermeister Karl Fiehler und sogar Adolf Hitler auftreten, um die Kritik am NS-System und die Aussagen dessen Verteidiger hörbar zu machen.

Die Schulradio AG der Mittelschule Markt Indersdorf betitelte ihren Beitrag "Ihr seid nicht vergessen" und belegte damit, welches Engagement und welche Phantasie die Schülerinnen und Schüler einer Mittelschule für ein schwieriges, aber sie besonders interessierendes Thema aufbringen können. Unter der Leitung von Esther Heldt recherchierten die Mitglieder der Schulradio AG intensiv über die Weiße Rose und vermittelten, was diese heute für sie bedeute. "Lebendiger und authentischer kann die Auseinandersetzung mit Geschichte kaum sein. Und wenn diese dann auch noch dazu beiträgt, dass man seine eigene Herkunft reflektiert und über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen ins Nachdenken kommt", so Laudator Dr. Reiner Wenrich, werde nachvollziehbar, welche besondere Bedeutung die Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl für die jetzige junge Generation habe. Der Beitrag stellt ein starkes Plädoyer für Toleranz dar.

Einen weiteren dritten Preis erhielt die Klasse 9d des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Aschaffenburg für ihren Film-Trailer zu Michael Verhoevens Film über die Weiße Rose aus dem Jahre 1982. Die Schülerinnen und Schüler verbinden Sequenzen des Films mit selbst geschriebenen Spielszenen. Musik ist als Medium intensiv und erläuternd eingesetzt. Es handelt sich um eine präzise und sachliche Kurzdokumentation, in der Sophie Scholl im Mittelpunkt steht. Als Zuschauer ist man nah am Geschehen und glaubt die Vorgänge in der Gegenwart verorten zu können. Es handelt sich um eine sehr kreative und überzeugende Umsetzung des Themas. Mit Recht lobte Laudator Dr. Wenrich: "Als Jurymitglied zieht man den Hut vor so viel Empathie der Schülerinnen und Schüler, vor einem derart behutsamen Umgang mit diesem sensiblen Thema und einer herausragenden intelligenten Vorgehensweise für diese filmische Realisierung."


Zweiter Preis

Den zweiten Preis des Schülerwettbewerbs erhielten die Abiturienten Arian Weber und Elias M´Baye des Willi-Graf-Gymnasiums, betreut von Wolfgang Pommer für ihre Graphic Novel. Die beiden Schüler, die unter anderem begeisterte Fotographen sind, haben sich intensiv mit der Thematik beschäftig. Sie haben ästhetisch überzeugend und professionell die Geschichte der Weißen Rose ins Bild gesetzt. Umrahmt von einem einleitenden und einem abrundenden Text, der in Schriftbild und Farbgebung (Sepia) an die Ära des Nationalsozialismus angepasst wurde, werden die wichtigen Szenen der Geschichte der Weißen Rose in Form eines Comics erzählt, die Figuren sind darin scherenschnittartig in verfremdete Fotographien gesetzt.

Anhand des Schicksals des Schulnamensgebers Willi Graf ist die Erstellung und Verteilung der Flugblätter, die Entdeckung der Widerstandsgruppe sowie der Prozess mit anschließender Vollstreckung des Urteils in Bild und Sprache eindringlich vermittelt.

Als die Besonderheiten dieser Graphic Novel hob die Laudatorin Katharina Willimski drei Punkte hervor: Die Figuren sprechen nicht, sondern die Handlung ist lediglich durch knappe Zwischentexte erläutert, was an die Technik des Stummfilms erinnert. Außerdem sind die Figuren nicht gezeichnet, als Fotos montiert. Drittens ist auch der Hintergrund durch die sepiafarbene Colorierung verfremdet und wirkt so eher wie ein Bühnenbild bzw. eine Kulisse. Die beiden Abiturienten haben ein äußerst relevantes Thema innovativ sowie künstlerisch überzeugend dargestellt.

Schülerwettbewerb 2. Platz
Auschnitt aus der Graphic Novel, erarbeitet durch die beiden Abiturienten Arian Weber und Elias M´Baye,
betreut wurden sie von Wolfgang Pommer


Erster Preis

Der erste Preis ging an die 23 Schülerinnen und Schüler der Ethikklasse 9 des Jakob-Brucker-Gymnasiums in Kaufbeuren, die mit ihrer Lehrerin Eva Schmidt einen Filmbeitrag zur Weißen Rose gestaltet haben. Sie hatten sich im Rahmen ihres Unterrichts zum Thema "Gewissen, Gewissensentscheidungen, Gewissensmanipulationen" intensiv mit der Widerstandsgruppe Weiße Rose auseinander gesetzt und gefragt, was die einzelnen, so mutig und entgegen dem Zeitgeist handeln ließ. In freier und eigenständiger Arbeit entwickelten sie ein Filmdrehbuch und realisierten die Spielszenen, in denen auch näher auf die Biographien einzelner Protagonisten der Weißen Rose eingegangen wird. Eindringlich und hervorragend gespielt inszenierten sie Verhörszenen von Hans und Sophie Scholl. Den historischen Sequenzen stellten sie aber auch Abschnitte aus ihrem Schulalltag gegenüber, wie eine Unterrichtsdiskussion. Den geschichtlichen Hintergrund ließen sie in Interviews von einem Lehrer erläutern. Inspiriert von modernen Medien entschied sich die Klasse den assoziativen Charakter des inhaltlichen Konzepts mit einfacher Technik, nämlich mit ihren eigenen Handykameras umzusetzen.

Die Laudatorin Isabella Schmid würdigte denn auch diesen herausragenden Beitrag der multikulturell zusammengesetzten Klasse. Er stelle eine filmisch äußerst versierte und differenzierte Auseinandersetzung mit der Thematik dar. Besonders interessant fanden sie und die weiteren Jurymitglieder die Annäherung an das Widerstandsthema über die Fragestellung von Gewissen und Gewissensentscheidungen.

Schülerwettbewerb 1. Platz Schülerwettbewerb 1. Platz
Arnold Konwiser als Hans Scholl und Paula Müller als Sophie Scholl

Abschließend bedankte sich die Vorsitzende der Weißen Rose Stiftung e. V. sehr herzlich bei der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Nur über die Partnerschaft war es möglich geworden, den Schülerwettbewerb "Kreativer Umgang mit der Weißen Rose" an Bayerns Schulen auszuschreiben. Der Wettbewerb - so hielt sie fest - sei ein überzeugender Nachweis, dass sich die Schülerinnen und Schüler für den Widerstand der Weißen Rose interessieren, sie sind bereit, sich das historische Wissen dazu anzueignen und nachzufragen, was das damalige Geschehen mit Ihnen heute zu tun hat.

Ein besonderes Lob durfte die Weiße Rose Stiftung e.V. von Eva Schmidt, Lehrerin der Gewinner des ersten Preises, für das schulpädagogische Projekt entgegennehmen: "Ihr Wettbewerb hat uns die Möglichkeit gegeben, kreativen und aktivierenden Unterricht mit einem gemeinsamen, motivierenden Ziel zu gestalten. Allein die Ausschreibung des Schülerwettbewerbs war für mich ebenso wie für die Klasse ein großer Gewinn, und wir werden noch lange von dieser gemeinsamen Arbeit profitieren, die in hohem Maß dazu beigetragen hat, das Selbstverstrauen und das Verantwortungsbewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu stärken."



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