Widerstandsgruppe Weiße Rose

 

Die Weiße Rose ist ein Freundeskreis um die Studenten Hans Scholl und Alexander Schmorell. Ab Sommer 1942 rufen sie in München mit Flugblättern gegen die NS-Diktatur und zur Beendigung des Krieges auf. Auch in anderen deutschen Städten schließen sich HelferInnen der Widerstandsgruppe an; Ende 1942 auch Professor Kurt Huber. Vom Widerstandskreis der Weißen Rose werden sieben Personen von der NS-Justiz ab Februar 1943 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Rund 60 Mitstreiter werden in mehreren Prozessen angeklagt und zum Teil zu langen Haftstrafen verurteilt.

Der Name der nach dem Titel der ersten vier Flugblätter benannten Widerstandsgruppe sei willkürlich gewählt, sagte Hans Scholl im Gestapo-Verhör. Er sollte „einen guten Klang haben, hinter dem aber ein Programm steht“.

Heute ist die Weiße Rose eine der bekanntesten deutschen Widerstandsgruppen. In der Zeit des nationalsozialistischen Terrors appellierten sie aus humanistischen Motiven an die Verantwortung jedes Einzelnen für Freiheit und Gerechtigkeit.

 

Hans Scholl und Alexander Schmorell studieren an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Medizin, ebenso wie Sophie Scholl, Willi Graf und Christoph Probst. Junge Männer, die Medizin studieren wollen, werden zu dieser Zeit nach einer militärischen Grundausbildung als Sanitäter geschult. Nach Kriegsbeginn werden die Medizinstudenten nicht auf Dauer an die Front geschickt, sondern Studentenkompanien zugeteilt. Ihr Studium wird jedoch durch Einsätze in Lazaretten an der Front unterbrochen. So ist Willi Graf ab Mai 1941 in Serbien, Polen und der Sowjetunion als Sanitäter eingesetzt. Dort wird er Zeuge des Eroberungs- und Vernichtungskriegs. Erst im April 1942 setzt er sein Studium in München fort und lernt seine Kommilitonen Hans Scholl und Alexander Schmorell kennen.

Am 23. Juli 1942 werden Hans Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf und ihre Freunde aus der 2. Studentenkompanie für drei Monate als Sanitäter an die Ostfront abkommandiert. Als „Hilfsärzte“ sind die jungen Medizinstudenten unmittelbar mit der brutalen Realität des Krieges konfrontiert.

An der Ostfront verbringen die Freunde aus der Studentenkompanie mehrere Wochen gemeinsam. Auch als Willi Graf und Hubert Furtwängler im September einem anderen Infanterieregiment zugeteilt werden, bleiben sie bis zu ihrer Rückkehr am 6. November 1942 in Verbindung. Ein tiefes Gemeinschaftsgefühl entwickelt sich. „Oft gelang es, ein vernünftiges Gespräch zu führen, und manche Nacht verging wohl bei solchem Reden. Wir lasen zusammen, wir sangen, wir teilten das Essen. (…) es wird sich wohl erst zeigen, welchen Sinn dieses Zusammenleben hatte“, schreibt Willi Graf rückblickend im November 1942. Zum ersten Mal kann er seine Erfahrungen im Kriegsgebiet mit Gleichgesinnten teilen.

Alexander Schmorell ist glücklich, in der früheren russischen Heimat seiner Familie zu sein. „Die Welt muss anders werden, russischer“, schreibt er an seine Eltern voller Begeisterung. Vom Bolschewismus distanziert er sich aber ebenso wie vom Nationalsozialismus. Seine Sprachkenntnisse erleichtern den Zugang zur russischen Zivilbevölkerung. „Man spürt Russlands Herz, das wir lieben“, schreibt Willi Graf im August 1942.

Russland und seiner Zivilbevölkerung begegnen Schmorell, Scholl und Graf mit großer Offenheit. Sie knüpfen persönliche Kontakte zu Russen und verstoßen damit gegen militärische Vorschriften. Sie weigern sich, die Russen als Feinde zu betrachten. Die NS-Diktatur jedoch verlangt vom Einzelnen bedingungslosen Gehorsam. Ziel nationalsozialistischer Erziehungspolitik ist nicht die freie Entfaltung der Persönlichkeit, sondern die Unterordnung des Einzelnen unter die politischen Ziele des Regimes. Schon Zehnjährige werden in der Hitlerjugend auf die NS-Ideologie eingeschworen.

Die Studierenden der Weißen Rose suchen ihren eigenen Weg. Denken ist für sie ein innerer Dialog und eng mit der Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens verbunden. Es bedeutet für sie eine Auseinandersetzung mit der politischen und militärischen Situation vor dem eigenen Gewissen. In ihren Flugblättern setzen sie „Selbstdenken und Selbstwerten“ (6. Flugblatt) der ideologischen Vereinnahmung der Nationalsozialisten entgegen.

Für den Freundeskreis der Weißen Rose ist Lesen, auch verbotener Bücher, existenziell. Literatur hilft den Studierenden, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie lesen einzeln, in kleinen Gruppen oder treffen sich in größeren Lese- und Diskussionszirkeln. In ihren Aufzeichnungen erwähnen die Studierenden Bücher, die ihnen viel bedeuten. Es sind Werke der deutschen Klassik, religionsphilosophischer Autoren oder russischer und französischer Schriftsteller.

Die Vorlesungen von Kurt Huber zur Philosophie und Musikwissenschaft sind bei Studierenden verschiedener Fakultäten sehr beliebt. Auch der Freundeskreis der Weißen Rose besucht Hubers Vorlesungen – und wie er empfinden auch die Studenten Scholl und Schmorell das Bedürfnis, zu handeln. Lange schon bietet die Universität für offene, kritische Gespräche keinen Raum mehr. Intellektuelle Auseinandersetzung kann nur in geschützter privater Umgebung stattfinden. Der Kreis der Weißen Rose trifft sich deshalb zu privaten Leseabenden. Am 17. Juni 1942 nimmt erstmals Professor Kurt Huber zusammen mit den Studenten der Weißen Rose an einem Leseabend teil. Hier fordert er in der Diskussion über die Zerstörung moralischer Werte: „Man muss etwas tun und zwar heute noch!“

Alexander Schmorell und Hans Scholl verfassen im Juni und Juli 1942 die ersten vier regimefeindlichen Flugblätter. Im Elternhaus Schmorells fertigen sie heimlich jeweils 100 Stück an. Sie versenden die Schriften an ausgewählte Münchner Adressaten, darunter zahlreiche Akademiker. Besonders von der „Intelligenz“ erwarten sie Unterstützung ihres Widerstands.

Besitz und Weitergabe regimefeindlicher Flugschriften sind jedoch im Nationalsozialismus streng verboten. Jeder ist verpflichtet, sie bei der Polizei abzugeben. Die ersten Flugblätter werden denn auch von etwa jedem Dritten der rund 100 Empfänger gemeldet.

Nach ihrer Rückkehr aus dem Sanitätseinsatz in Russland sind Alexander Schmorell und Hans Scholl noch entschlossener als vorher für den Widerstand. Nun schließen sich auch Sophie Scholl, Willi Graf, Christoph Probst und Ende Dezember 1942 auch Kurt Huber aktiv an. Das fünfte und sechste Flugblatt stellen sie zusammen im Januar und Februar 1943 her. Mithilfe eines neuen Vervielfältigungsapparats produzieren sie jeweils ca. 6.000 Abzüge. Im Krieg sind Papier, Umschläge und Briefmarken rationiert. Wer größere Mengen kauft, macht sich verdächtig. Mit der Fertigung und Versendung der Flugblätter riskieren die Studierenden ihr Leben. Die Empörung über die Verbrechen der Nationalsozialisten drängt die Weiße Rose zum Widerstand, trotz höchster Lebensgefahr.

Ausweitung des Widerstands

Ziel der Gruppe ist es, auch in anderen Städten Regimegegner für die Flugblattaktionen zu gewinnen. Dafür werden vertrauenswürdige Freunde und Bekannte in Ulm, Stuttgart, Saarbrücken, Bonn, Freiburg, Hamburg und Chemnitz angeworben. Wo, wie und über wen die Flugblätter verbreitet wurden, wird im Kapitel “Verbreitung der Flugblätter” genauer beschrieben.

Wandanschriften

Die Freunde experimentieren auch mit anderen Ausdrucksformen des Widerstands. Mehr Informationen hierzu im Kapitel “Wandanschriften der Weißen Rose”.

Fahndung, Festnahmen, Verurteilungen

Das Erscheinen des fünften Flugblattes ist für die Gestapo Anlass, Anfang Februar 1943 mit einer Sonderkommission verschärft nach den Verfassern zu fahnden. Bislang waren die Ermittlungen gegen die unbekannten Autoren der „Flugblätter der Weissen Rose“ ergebnislos verlaufen.

Zunächst sind die verschärften Ermittlungen der Sonderkommission noch ohne konkretes Ergebnis. Es wird kein direkter Zusammenhang zwischen den Flugblättern und den Wandparolen an der Universität gesehen, dennoch stellt Oswald Schäfer, 1942-1945 Leiter der Gestapoleitstelle München, die Universität „unter entsprechende Überwachung“. Damit verbunden ist die Aufforderung, alle außerordentlichen Vorfälle umgehend zu melden

Am 18. Februar gegen 11 Uhr legen die Geschwister Scholl das sechste Flugblatt vor den Hörsälen im Hauptgebäude aus, restliche Blätter lassen sie in den Lichthof fallen. Dabei werden sie vom Hausmeister Jakob Schmid beobachtet und festgehalten. Beide werden sofort von der Gestapo verhaftet. Weitere Festnahmen folgen. Bis Ende Februar ist der Münchner Freundeskreis weitgehend inhaftiert. Ihre Familienangehörigen kommen auf Anordnung Heinrich Himmlers in „Sippenhaft“. Die Studierenden und Kurt Huber werden aus der Hochschule ausgeschlossen. Die Entlassung aus der Wehrmacht ermöglicht eine Verurteilung durch den Volksgerichtshof.

Sophie und Hans Scholl werden einzeln vernommen. Sophie bekennt, „mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun haben“ zu wollen. Als ihr in der Vernehmung am nächsten Tag, dem 19. Februar 1943,  um vier Uhr morgens mitgeteilt wird, ihr Bruder habe gestanden, legt auch sie ein Geständnis ab.

Christoph Probst hat auf Bitten von Hans Scholl einen Entwurf für ein weiteres Flugblatt verfasst. Hans Scholl trägt diesen Text bei sich, als er verhaftet wird. Es gelingt ihm nicht, das Papier unbemerkt zu zerreißen. Christoph Probst wird als Autor verdächtigt und am 20. Februar  in Innsbruck verhaftet. Die Gestapo zwingt ihn, während des Verhörs am 21. Februar 1943 seinen Text aus den Papierfetzen zu rekonstruieren.

Alexander Schmorell wird während seiner Flucht steckbrieflich gesucht. Nach sechs Tagen wird er am späten Abend des 24. Februar 1943 während eines Bombenangriffs in einem Luftschutzkeller in München erkannt, gewaltsam festgehalten und der Gestapo übergeben.

Freiheit
„Freiheit“ schrieb Sophie Scholl auf die Rückseite ihrer Anklageschrift

Schon am 22. Februar 1943 werden Christoph Probst und die Geschwister Sophie und Hands Scholl vom Volksgerichtshof wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Die Urteile werden noch am selben Tag im Gefängnis München-Stadelheim mit dem Fallbeil vollstreckt.

 

Am Abend desselben Tages ruft die Studentenführung zu einer Kundgebung im Auditorium Maximum der Universität auf, um sich demonstrativ von den Aktionen der Weißen Rose zu distanzieren und sie als „Vaterlandsverräter“ zu beschimpfen.

Am 19. April 1943 beginnt der zweite Hochverratsprozess gegen 14 Angeklagte der Widerstandsgruppe. Am späten Abend spricht der Volksgerichtshof die Todesurteile gegen Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber aus. Zehn weitere Angeklagte erhalten zum Teil lange Zuchthaus- und Gefängnisstrafen. Falk Harnack wird freigesprochen.

Familienangehörige und Freunde der Weißen Rose versuchen, mit Gnadengesuchen die Vollstreckung der Todesurteile zu verhindern. Alle Gesuche werden abgelehnt, bei Kurt Huber, Alexander Schmorell und Willi Graf mit der Begründung, es handle sich „wohl um den schwersten Fall hochverräterischer Flugblattpropaganda“.

In seiner Verteidigungsrede am 19. April 1943 betont Kurt Huber, der Kreis habe aus „sittlichen Motiven, aus innerer Not und im Kampf um das Recht (…) auf (…) politische Selbstbestimmung“ gehandelt. Sophie Scholl sagt im Verhör am 20. Februar 1943: „Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben.“

„… und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“

Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn studieren am Chemischen Institut der Münchner Universität. Nach der Hinrichtung von Christoph Probst und den Geschwistern Scholl tippen sie das sechste Flugblatt mehrfach ab und schreiben darüber: „… und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“

Im April 1943 fährt Hans Leipelt nach Hamburg. Er gibt das sechste Flugblatt seiner Schwester Maria und ihm bekannten Regimegegnern, die es in Abschriften weitergeben. Im Spätsommer sammeln Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn Geld für die Familie Kurt Hubers, die nach seiner Verhaftung mittellos ist. Dies wird verraten, Leipelt und Jahn werden im Oktober 1943 festgenommen. Daraufhin verschärft die Gestapo ihren Terror gegen Verwandte und Freunde Hans Leipelts und weitet ihn auch in Hamburg auf andere Regimegegner aus.

Hans Leipelt gilt gemäß den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 als „Halbjude“. 1940 wird er deshalb aus der Wehrmacht entlassen, obwohl er für seine militärischen Einsätze in Polen und Frankreich ausgezeichnet worden ist. Seinen Ausschluss empfindet er als tiefe Kränkung. Im Winter 1940 beginnt er an der Hamburger Universität Chemie zu studieren. Ein Jahr später wechselt er wegen dortiger antisemitischer Schikanen an das von Nobelpreisträger Prof. Heinrich Wieland liberal geführte Chemische Institut der Münchner Universität.

Der Prozess des Volksgerichtshof gegen Hans Leipelt, Marie-Luise Jahn und fünf Mitstreiter findet am 13. Oktober 1944 in Donauwörth statt. Für Leipelt und Jahn wird „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ die Todesstrafe beantragt. In einer Verhandlungspause bittet Hans Leipelt den Verteidiger von Marie-Luise Jahn, ihn zu belasten, um seiner Freundin das Leben zu retten. Ihr Todesurteil wird in zwölf Jahre Haft umgewandelt. Leipelt selbst wird zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 in München-Stadelheim enthauptet. Drei ihrer Freunde erhalten Gefängnisstrafen, zwei werden freigesprochen. Weitere Gerichtsverfahren folgen in München, Saarbrücken und Hamburg. Alle Gnadengesuche werden abgelehnt.

Wegen „Nichtanzeige eines geplanten Hochverrats“ findet am 13. Juli 1943 der Prozess gegen Manfred Eickemeyer, Josef Söhngen, Wilhelm Geyer und Harald Dohrn am Landgericht München statt. Am gleichen Tag werden Kurt Huber, Willi Graf und Alexander Schmorell hingerichtet.

Das Atelier des Architekten Manfred Eickemeyer war ein Treffpunkt der Widerstandsgruppe. Im Keller der Buchhandlung von Josef Söhngen versteckten die Studierenden belastendes Material. Für den Besitz von zwei Flugblättern erhält Söhngen sechs Monate Gefängnis. Manfred Eickemeyer und die Mitwisser Wilhelm Geyer und Harald Dohrn werden freigesprochen.

In Saarbrücken wird Willi Bollinger am 3. April 1944 wegen „Nichtanzeige eines hochverräterischen Unternehmens“ zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, seine eigene Widerstandsaktivität ist ihm jedoch nicht nachzuweisen. Sein Bruder Heinrich und Helmut Bauer wurden bereits am 19. April 1943 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt.

Reaktionen

Am 23. Februar 1943 erfährt die deutsche Öffentlichkeit aus Zeitungen von den im ersten Prozess verhängten Todesurteilen. Die drei Studierenden werden als „Verräter“ diffamiert. Im gleichen Ton berichtet die Tagespresse über den zweiten Prozess. Einige Münchner Bürger gleichen Namens distanzieren sich sofort öffentlich in Zeitungsannoncen von den zum Tode Verurteilten. In Annoncen etwa auf der Lokalseite der „Münchner Neuesten Nachrichten“ teilen sie mit, dass sie mit den zum Tode Verurteilten „weder verwandt noch bekannt“ seien.

In der ausländischen Presse sowie in der deutschen Exilpresse finden die Münchner Ereignisse bereits ab April 1943 ein beachtliches Echo. Mit der Würdigung der Widerstandsgruppe wird die Hoffnung auf eine Ausweitung des studentischen Protests verbunden.

Im März 1943 gelangen erste Informationen über die Weiße Rose nach Norwegen und Schweden. Helmuth James Graf von Moltke, führender Kopf der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis, übergibt einen vierseitigen Bericht über die Münchner Ereignisse und ein Flugblatt an Bischof Eivind Berggrav in Oslo. Der Bericht findet anschließend weite Verbreitung in Skandinavien und Großbritannien und dient der ausländischen Berichterstattung als wichtige Quelle. Auch deutschsprachige Radiosendungen der Briten und Sowjets informieren 1943 über die Münchner Widerstandsgruppe. In der BBC-Radiosendung „Deutsche Hörer“ würdigt der im amerikanischen Exil lebende Schriftsteller Thomas Mann den Widerstand der Weißen Rose. Die Royal Air Force wirft zwischen dem 3. und 25. Juli 1943 mehrere Millionen Exemplare des sechsten Flugblatts über Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Münster und Weimar ab. Bereits im Juni 1943 greift das sowjetische Flugblatt „Senkt die Fahnen“ Informationen über Widerstand und Verfolgung der Weißen Rose auf. Es ruft deutsche Soldaten auf, die Waffen niederzulegen.

Die International Student Assembly lädt am 2. August 1943 zu einer Kundgebung im Hunter College Play House in New York ein, um den studentischen Widerstand in München zu ehren. Es sprechen u. a. Eleanor Roosevelt, Frau des US-Präsidenten, die Schriftstellerin Dorothy Thompson und der deutsche Emigrant Paul Hagen, Research Director der „American Friends of German Freedom“.

Gedenken

Die erste Gedenkfeier für die Weiße Rose findet bereits am 4. November 1945 im Münchner Schauspielhaus statt. Kultusminister Franz Fendt, Oberbürgermeister Karl Scharnagl und der Religionsphilosoph Romano Guardini ehren die „todesmutigen jungen Menschen“ für ihren Versuch, „das deutsche Volk aus seiner Lethargie zu wecken“. In München wie in anderen deutschen Städten entwickelt sich eine Tradition des öffentlichen Gedenkens an die Widerstandsgruppe.

Ab 1945 erinnert die Presse immer wieder an ihr Wirken. Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR werden Straßen, Plätze und öffentliche Einrichtungen nach Mitgliedern des Widerstandskreises benannt. Heute tragen über 200 Schulen in Deutschland ihre Namen, vor allem der Geschwister Scholl. Im Ausland zählt die Weiße Rose ebenfalls zu den bekanntesten Gruppen des Widerstands gegen das NS-Regime. Auch dort ist sie Vorbild in der Vermittlung zivilgesellschaftlicher Werte.

Besonders eindrucksvoll prägen Filme das Bild der Weißen Rose. Zudem hält eine wachsende Zahl von Biografien die Erinnerung lebendig.

Im Zeitverlauf werden der Widerstand der Weißen Rose, ihre Handlungsmotive und ihr Mut unterschiedlich gedeutet und in ihrer Botschaft auf die jeweilige Gegenwart bezogen. Die Spannweite der Interpretation reicht von christlichen Märtyrern und rein ethisch-moralischen Idealisten bis zu Vorbildern des politisch motivierten Widerstandskampfes und des zivilen Ungehorsams.

Auch die Literatur setzt sich mit der Weißen Rose auseinander. Schon 1943 verfasst Alfred Neumann im amerikanischen Exil den Roman „Six of Them“. 1945 erscheint in England „Seven Were Hanged“ von William D. Bayles. Über einen Presseaufruf im Frühjahr 1946 sammelt die Schriftstellerin Ricarda Huch für ihr letztes Buchprojekt Informationen zum deutschen Widerstand, so auch zur Weißen Rose. Angehörige veröffentlichen Werke zur Erinnerung an die Ermordeten, wie Clara Huber 1947 und Inge Scholl 1952. Scholls Buch „Die Weiße Rose“ prägt posthum den Namen der Widerstandsgruppe sowie über Jahrzehnte die Erinnerung an sie. Inge Scholls überragender Bucherfolg trägt dazu bei, dass die Gruppe in der populären Erinnerung vor allem mit den Geschwistern Scholl gleichgesetzt wird.

Alexander Schmorell wird am 04. Februar 2012 von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen.

Verhaftete Mitstreiter

Helmut Bauer, Heinz Bollinger, Willi Bollinger, Mirjam David, Harald Dohrn, Lieselotte Dreyfeldt, Manfred Eickemeyer, Wolfgang Erlenbach, Valentin Freise, Wilhelm Geyer, Eugen Grimminger, Heinrich Guter, Nikolaj Hamazaspian, Theodor Haecker, Falk Harnack, Hans Hirzel, Susanne Hirzel, Ernst Holzer, Marie-Luise Jahn, Traute Lafrenz, Hans Leipelt, Franz J. Müller, Lieselotte Ramdohr, Gisela Schertling, Katharina Schüddekopf, Hedwig Schulz, Josef Söhngen, Franz Treppesch

Verhaftete in Hamburg sind hier nicht genannt.

Verfolgte Familienangehörige

Anna und Gerhard Graf, Anneliese Graf, Jenny Grimminger, Clara Huber, Paula Huber, Katharina Leipelt, Maria Leipelt, Angelika Knoop (geb. Probst), Elisabeth Schmorell, Erich Schmorell, Hugo Schmorell, Natalie Schmorell, Elisabeth Scholl, Inge Scholl, Magdalena Scholl, Robert Scholl